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Jenseits des fachlichen Tellerrands

Ein Computerbildschirm auf dem ein Programm zur Analyse von Proben geöffnet ist.
Die Digitalisierung ist längst in der biotechnologischen Branche angekommen und ermöglicht unter anderem moderne Verfahrensmethoden.
Foto: Thomas Lohnes

Interview

Jenseits des fachlichen Tellerrands

Welche Trends bestimmen die Biotechnologie? Und welche Karrierechancen bietet die Branche? abi>> sprach mit Dr. Kathrin Rübberdt, Leitung Biotechnologie bei der DECHEMA – Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

abi>> Frau Dr. Rübberdt, welche Fähigkeiten sind für eine Karriere in der Biotechnologie entscheidend?

Dr. Kathrin Rübberdt: Wichtig aus fachlicher Sicht ist eine große Affinität zu Naturwissenschaften, insbesondere zu Biologie, Chemie und Mathematik. Angesichts neuer digitaler Technologien rund um „Big Data“ gilt außerdem: Keine Angst vor vielen Daten. Sehr gute Englischkenntnisse sind überdies ein Muss. Die Arbeitgeber schätzen vor allem ein fächerübergreifendes Verständnis für andere, interagierende Disziplinen wie Chemieverfahrenstechnik, Pharmazie und Medizin. Der Blick über den eigenen Tellerrand ist in der interdisziplinären Biotechnologie unabdingbar.

abi>> Welche Ausbildungswege sind typisch in der Biotechnologie?

Ein Porträt-Foto von Dr. Kathrin Rübberdt

Dr. Kathrin Rübberdt

Foto: Jose Pobeike

Dr. Kathrin Rübberdt: Wir unterscheiden zwischen der eher naturwissenschaftlich orientierten Biotechnologie und der eher ingenieurwissenschaftlich ausgerichteten Bioverfahrenstechnik. In beiden rangieren Grundlagenfächer wie Biologie und Chemie nach wie vor an erster Stelle, dazu kommt die Verfahrenstechnik mit unterschiedlichen Anteilen. Inzwischen bieten die Hochschulen hochspezialisierte Studiengänge. Aus Arbeitsmarktsicht empfiehlt es sich, solide fachliche Grundlagen zu erwerben und sich nicht zu früh zu spezialisieren. Der Berufseinstieg ist zwar mit einem Bachelorabschluss möglich, jedoch mit Auswirkungen auf das erreichbare Gehaltsniveau. Für Leitungsfunktionen ist, insbesondere in großen Unternehmen, häufig noch eine Promotion üblich, aber seltener als früher.

abi>> Wie verläuft typischerweise die Berufslaufbahn?

Dr. Kathrin Rübberdt: Vieles hängt von der Größe des Unternehmens ab. Klassischerweise steigen die meisten über „das Labor“ ein, also über die Forschung und Entwicklung. In kleineren und mittelgroßen Unternehmen kann sich das Aufgabengebiet rasch in Richtung Marketing, Vertrieb oder Produktmanagement erweitern. Hier zeigt sich, dass es einem Naturwissenschaftler leichter fällt, betriebswirtschaftliches Wissen dazuzulernen, als umgekehrt einem Betriebswirt, sich mit Molekularbiologie auseinanderzusetzen. Die ständige Weiterbildung versteht sich in dieser sich schnell verändernden Branche ohnehin von selbst.

abi>> Welche Herausforderungen und Trends kennzeichnen die Branche?

Dr. Kathrin Rübberdt: Die Biotechnologie ist generell eine sehr diverse und dynamische Branche. Die Digitalisierung wird einerseits Routinearbeiten in Labor und Produktion automatisieren. Anderseits schafft sie mit neuen Analysemethoden für große Datenmengen andere Berufsbilder jenseits der Laborbank. Im Kommen sind darüber hinaus neue Verfahren auf molekularbiologischer Grundlage – im „Genome Editing“ (Anm. d. Red.: molekularbiologische Methode zur zielgerichteten Veränderung von DNA) und in der synthetischen Biologie, wo biologische Systeme erzeugt werden, die in der Natur nicht vorkommen, stecken hohe Entwicklungspotenziale.

abi>> 17.04.2017

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