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Mit Herzblut und Neugier

Eine junge Frau deutet am Computer auf eine Zeichnung.
In technischen 3-D-Zeichnungen können Industriedesigner ihre Ideen auf den Weg bringen.
Foto: Johannes Simon

Industriedesignerin

Mit Herzblut und Neugier

Ob als Freiberuflerin, in einer Agentur oder fest in einem Unternehmen – Eva Müller hat sich dem Industriedesign verschrieben. Und das mit Erfolg: Die 30-Jährige wurde 2016 im Rahmen der „German Design Awards“ Newcomerin des Jahres.

„Das war einfach fantastisch, gerade für mein Selbstbewusstsein als Designerin. Zumal ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte“, freut sich Eva Müller. Die Bergische Universität Wuppertal, an der sie im Bachelor „Industrial Design“ studiert hatte, meldete sie mit ihrer Abschlussarbeit zum Wettbewerb an. „In meiner Arbeit hatte ich für die Vorwerk Elektrowerke in Wuppertal einen Besen mit Saugstation gestaltet“, erzählt sie. Das Design überzeugte und die Absolventin wurde als eine von 150 Nominierten für die nächste Runde ausgewählt. Hierfür reichte sie ein Portfolio mit ihren bisherigen Arbeiten ein.

Ein Porträtbild von Eva Müller

Eva Müller

Foto: privat

Und auch dieses kam bei der Jury der gemeinnützigen Stiftung „Rat der Formgebung“, Veranstalter der „German Design Awards“, bestens an – Eva Müller setzte sich gegen die anderen vier Finalisten durch: „Ihre Entwürfe basieren immer auf einer starken Grundidee und überzeugen durch ihre Neuartigkeit und saubere Ausführung“, lobten die Designexperten in ihrer Begründung. Neben einem Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro waren viele Kontakte und gar Jobangebote der Lohn für die Newcomerin 2016.

Dank Bachelorarbeit den Fuß in der Tür

Doch die Mönchengladbacherin hatte da bereits ihren jetzigen Job als festangestellte Industriedesignerin bei den Vorwerk Elektrowerken sicher, wo sie auch schon ihre Bachelorarbeit absolviert und als Werkstudentin gearbeitet hatte. Durch diesen Kontakt war Eva Müller denn auch der Berufseinstieg gelungen.

Einen festen Tagesablauf hat sie bei Vorwerk nicht, muss sich aber an Terminvorgaben halten: „Das Design ist gefühlt nie fertig, aber ich muss meine Zeit einteilen und strukturiert arbeiten“, betont sie. Für ihre Tätigkeit beschäftigt sie sich über eine lange Zeit intensiv mit nur einem Produkt: „Ich bin quasi kreativ in einem abgesteckten Rahmen.“

In den Kunden hineinversetzen

Derzeit gestaltet Eva Müller eine Benutzeroberfläche. „Erst musste ich den Aufbau verstehen: Wenn ich auf diesen Button drücke, auf welcher Seite lande ich dann? Wo muss das Firmenlogo platziert sein? Dann überlegte ich, wie ich Informationen in möglichst einfache Funktionen übersetze. Dazu muss ich mich in den Kunden hineinversetzen können.“

Parallel ist sie im Gespräch mit den Abteilungen, die für die Umsetzung des Designs zuständig sind. „Ich muss allerdings auch selbst einschätzen können, ob ein Bauteil herstellbar oder welches Material funktional und auch wirtschaftlich sinnvoll ist“, sagt die Industriedesignerin. Für ihre Arbeit ist zudem wichtig, dass sie ihre Ideen gut präsentieren und auch gegen mögliche Einwände verteidigen kann.

Kontakte knüpfen, Erfahrung sammeln

Ein Besen mit Saugstation

Für ihre Bachelorarbeit gestaltete Eva Müller einen Besen mit Saugstation.

Foto: Vorwerk Elektrowerke Wuppertal

Um auf ihre heutige Tätigkeit gut vorbereitet zu sein, absolvierte die 30-Jährige bereits während des Studiums fünf Praktika mit unterschiedlichen Schwerpunkten wie Industrie-, Kommunikationsdesign oder Marketing in Deutschland, Italien und den USA. Der Lohn: Praxiserfahrung, verbesserte Englischkenntnisse, Inspiration und ein grenzüberschreitendes Netzwerk. „Ich würde jedem Studierenden empfehlen, viele Kontakte und Praxiserfahrungen zu sammeln“, rät sie.

Auch im Studium selbst musste sie das theoretische Wissen in technischer Mechanik, Materialkunde, Formlehre, Zeichnen und Co. stets in praktischen Projekten oder in Kursen wie Modellbau anwenden. Sie weiß daher nicht nur mit dem Computer, sondern auch mit Kreissäge, CNC-Fräse und 3-D-Drucker umzugehen. Für den grafischen Aspekt ihres Studiums kam Eva Müller ihre dem Studium vorangegangene Ausbildung zur Gestaltungstechnischen Assistentin zugute.

Vor- und Nachteile der drei Arbeitsformen

Die Industriedesignerin lernte dank ihres Tatendrangs bereits alle drei Arbeitsformen ihrer Branche kennen: freiberuflich, in einer Designagentur und festangestellt in einem Unternehmen – sie weiß um die Vor- und Nachteile: „Als Festangestellte genieße ich komfortable Bedingungen: Ich arbeite in Gleitzeit mit fester Stundenzahl, habe Urlaubstage, bin über die Firma krankenversichert und Überstunden werden mir bezahlt. Ich gestalte und begleite ein Produkt von Anfang bis Ende, bin dafür aber auch festgelegt auf die Produkte des Unternehmens“, erklärt sie.

Eine Agentur biete ebenso einen Rahmen, die Arbeit sei aber abwechslungsreicher: „An einem Tag beschäftigte ich mich mit komplexer Technik, am nächsten mit dem Design eines Messers. Dafür setzte ich mich nicht so intensiv mit einem Produkt auseinander und die Abstimmung mit dem Kunden kann viel Zeit und Nerven kosten – insbesondere dann, wenn man als Designer das fertige Produkt kaum wiedererkennt.“

Als Freiberufliche konnte sich Eva Müller direkt nach ihrem Studium die Zeit frei einteilen und eigene Aufträge erarbeiten. „Das war sehr spannend. Allerdings hatte ich mit der Bürokratie zu kämpfen: Wie erstelle ich ein Angebot? Wie muss eine Rechnung aussehen? Darauf hatte mich mein Studium nicht vorbereitet“, zieht sie Bilanz.

Blick für die Details geschärft

Eines ist für die 30-Jährige klar: Sie kann nicht mehr normal durchs Leben gehen. Ob Lockenwickler oder Telefon – jeder Gegenstand wird hinterfragt nach Funktion, Form und Material. Als Industriedesignerin ist ihr Blick geschärft für derlei Details, denn sie sind es – neben der gehörigen Portion Herzblut – die ihre Designs später besonders machen sollen.

Löhne und Gehälter: Industriedesign

Laut dem aktuellen Honorar- und Gehaltsreport für Kommunikations- und Industriedesigner verdienen bei den festangestellten Designern, die null bis drei Jahre Berufserfahrung haben, je rund 20 Prozent zwischen 2.101 und 2.400 Euro und zwischen 2.401 und 2.700 Euro im Monat. Etwa zwei Drittel aller befragten festangestellten Designer verdienen höchstens 3.000 Euro monatlich. Mehr als die Hälfte der Berufseinsteiger, die selbstständig arbeiten, verdienen im ersten Jahr insgesamt weniger als 5.000 Euro. Nach elf Jahren Berufserfahrung kann jedoch bereits jeder zehnte freiberufliche Designer Jahreseinnahmen von mehr als 150.000 Euro vorweisen. Aus den Angaben aller befragten selbstständigen Designer ergibt sich ein Einkommensschnitt von 46.300 Euro im Jahr.


Design – Honorar- und Gehaltsreport 2014
Überblick über die Einkommen im Kommunikations- und Industriedesign, herausgegeben vom Berufsverband der Kommunikationsdesigner, des Verbandes Deutscher Industrie Designer und designaustria, Österreichs Wissenszentrum und Interessenvertretung für Design
www.vdid.de/inhalte/pdf/298_1.pdf

abi>> 12.04.2017