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Kritische Köpfe gesucht

Menschen in einer Bahnhofshalle.
Die Digitalisierung nimmt zunehmend Einfluss auf unsere Gesellschaft.
Foto: Meramo Studios

Sozioinformatik: Hintergrund

Kritische Köpfe gesucht

Wenn sich Software und Gesellschaft zunehmend wechselseitig beeinflussen, sind neue Methoden und Kenntnisse gefragt. Informatiker sollten sich deswegen zunehmend auch mit Soziologie, Philosophie und Rechtsgrundlagen auskennen.

Die Digitalisierung schreitet voran, durchdringt alle Lebensbereiche. Das biete Chancen und auch Risiken, erklärt Katharina Zweig. Die Professorin für Graphentheorie und Analyse komplexer Netzwerke an der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern erläutert: „Es wird zu wenig bedacht, dass eine neue Software die Dinge verändert. Daher brauchen wir Spezialisten, die wissen, welche Auswirkungen ein IT-System auf das Individuum, die Gesellschaft oder Organisationen haben wird.“ Es gibt bereits viele Beispiele, bei denen Software und Gesellschaft in Wechselwirkung treten und philosophisch-ethische, rechtliche oder Fragen zur Datensicherheit aufkommen: soziale Netzwerke, der Online-Fahrvermittlungsdienst Uber oder die digitale Akte, die mit dem E-Government-Gesetz für alle Bürger kommen soll.

Informatik trifft auf Psychologie

Ein Porträt-Foto von Katharina Zweig

Katharina Zweig

Foto: Privat

Aus diesem Grund hat Katharina Zweig federführend den Bachelor- und Masterstudiengang Sozioinformatik an der TU Kaiserslautern mit aufgebaut. International gibt es die Disziplin bereits an vielen Universitäten. In Deutschland ist der Studiengang, der im Wintersemester 2013/14 gestartet ist, in dieser Form noch einzigartig: Auf dem Studienplan stehen Module aus Informatik, empirischer Sozialforschung, Psychologie, Wirtschaftswissenschaften, Philosophie und Rechtswissenschaft. „Es handelt sich nicht um einen Informatik-Studiengang mit Nebenfach, sondern um einen integrierten Studiengang. Von Anfang an werden die unterschiedlichen Fächer miteinander verzahnt. Diese Verbindungen schaffen die speziellen Sozioinformatik-Veranstaltungen“, erklärt die Professorin.

Wer sich für gesellschaftliche Fragen interessiert, gerne Dingen auf den Grund geht, sich im Idealfall ehrenamtlich engagiert sowie Begeisterung für Technik und Software-Entwicklung mitbringt, ist hier richtig. Denn es gilt, Trends zu deuten, zu kategorisieren und klassifizieren: „Wer genau benutzt zum Beispiel Facebook und warum?“ ist dabei nur eine von vielen Problemstellungen.

Auch im klassischen Informatikstudium ist es möglich, sich mit sozialwissenschaftlichen Fragen zu beschäftigen. So können die Studierenden im Bachelorstudiengang „Angewandte Informatik“ an der Universität Jena etwa unter den Anwendungsfächern Soziologie, Psychologie oder Wirtschaftswissenschaften wählen, die sie während des gesamten Studiums belegen. Auch Studiengänge mit dem Titel Mensch-Maschine-Interaktion oder Human-Computer-Interaction beschäftigen sich mit der Wechselwirkung zwischen Mensch und Software. Jedoch steht hierbei oft das Interfacedesign im Mittelpunkt, die benutzerfreundliche Gestaltung von Bedienoberflächen.

Polizei, Politik und Journalismus

Welche konkreten Tätigkeitsfelder für die künftigen Absolventen in Frage kommen, wird sich noch zeigen. Die TU kooperiert zum Beispiel bei den Praxismodulen mit regionalen Unternehmen aus den Bereichen automatische Dokumentenverarbeitung und Softwareberatung. „Es ist uns wichtig, dass wir Rückmeldung von den Arbeitgebern zu unserem Studiengang bekommen“, betont Katharina Zweig.

Mögliche Einsatzgebiete sieht sie aber nicht nur im Bereich Software-Engineering. Die Polizei wäre auch ein denkbarer Arbeitgeber angesichts steigender Internet-Kriminalität. In Politik und Journalismus werden ebenfalls Experten benötigt, die sich mit dem digitalen Einfluss auf die Gesellschaft auskennen, ist sich Katharina Zweig sicher. Sie geht davon aus, dass es bald auch an anderen Universitäten Professuren für Sozioinformatik geben wird. „Da besteht ein riesiger Bedarf in Industrie und Gesellschaft. Wir müssen einfach mehr in dieser Richtung ausbilden.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchworte: Mensch-Maschine-Interaktion, Informatiker/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit (Suchworte: Sozioinformatik, Human-Computer-Interaction, Usability)
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Internationales Institut für Sozio-Informatik (IISI)

Das Institut erforscht interdisziplinär Anwendungen der Informatik in sozialen Systemen.
www.iisi.de

Sozioinformatik-Blog

Blog der TU Kaiserslautern über die Wechselwirkungen von Informatik und Gesellschaft
http://sozioinformatik-blog.cs.uni-kl.de

Informatiklexikon der Gesellschaft für Informatik

Wissenschaftliche Beschreibung der Querschnittsdisziplin Sozio-Informatik
www.gi.de/service/informatiklexikon/detailansicht/article/sozio-informatik.html

 

abi>> 04.05.2016