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Der Mensch im Fokus der Software

Eine Detailaufnahme von der Hand am Laptop
Im Bereich Usability und User Experience Design gilt es, optimale Lösungen für jedes IT-Problem zu finden.
Foto: Susanne Erler

Usability und User Experience Design

Der Mensch im Fokus der Software

Wenn Martin Stein (29) in enger Zusammenarbeit mit den Kunden Software entwickelt, ist Benutzerfreundlichkeit das Hauptkriterium. Der Wirtschaftsinformatiker arbeitet im Bereich Usability und User Experience Design.

Zuhören, analysieren, beraten, programmieren, verhandeln, andere schulen, sich mit Kollegen austauschen, Fachveröffentlichungen schreiben, die eigene Arbeit auf internationalen Konferenzen vorstellen – Martin Steins Arbeitsalltag ist abwechslungsreich. Seit Sommer 2015 arbeitet er am Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) in Sankt Augustin bei Bonn. Dort ist er im Team Usability und User Experience Design des Forschungsbereichs User-Centered Computing tätig.

Etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit verbringt er bei den Kunden aus der Industrie. „Im Gespräch mit den Mitarbeitern versuche ich herauszufinden, was ihre Aufgaben sind, unter welchen Umständen sie erledigt werden, wie der typische Arbeitsalltag aussieht. Es gilt jene Tätigkeiten zu identifizieren, die man mit Technik unterstützen kann“, erklärt der 29-Jährige. „Analysieren, abstrahieren und logisch denken können – das sind wichtige Voraussetzungen für meinen Beruf. Nur so schafft man den gedanklichen Transfer zwischen Problem und passender IT-Lösung”, stellt Martin Stein fest. Dabei ist es thematisch egal, ob es sich um die Nutzung von Energiedaten, Sensor-Technologien oder um die Bedienung von Maschinenparks geht.

Neue Entwicklungsmethoden

Ein Porträt-Foto von Martin Stein

Martin Stein

Foto: Annika Voßen

Bei der Software-Entwicklung verwendet sein Team agile Methoden. „Wir entwickeln nicht gleich ein ganzes System so wie früher, sondern realisieren zunächst nur einen kleinen Teil, den wir dem Kunden vorstellen. Dann schauen wir, wie er damit umgeht – oft begreift der Nutzer ja erst die Möglichkeiten einer Software, wenn er sie kennenlernt”, beschreibt Martin Stein die typische Vorgehensweise. Das System wird dann angepasst und weiterentwickelt. Und wieder angepasst. Weil der Nutzer immer beteiligt ist, spricht man von partizipativer Entwicklung.

Das rund zehnköpfige Team am FIT, das mehrwöchige Industrieprojekte wie auch mehrjährige öffentlich geförderte Forschungsvorhaben betreut, ist interdisziplinär: Martin Steins Kollege ist Kulturanthropologe, seine Abteilungsleiterin und sein Vorgesetzter sind Psychologen. Schließlich ist der Forschungsansatz an der Schnittstelle zwischen Informatik, Soziologie und Psychologie angesiedelt – die Benutzerfreundlichkeit steht im Fokus der Software-Entwicklung. Begeisterung für Technik brächten aber alle mit, sagt Martin Stein.

Er selbst hat zwischen 2006 und 2010 an der Universität Siegen Wirtschaftsinformatik auf Diplom studiert. Warum er sich für diesen Schnittstellenstudiengang entschieden hat? „In Deutschland umfasst die Wirtschaftsinformatik unter anderem auch Studiengänge, die innerhalb der Informatik ‚exotisch‘ sind“, erklärt er. Neben seiner Arbeit am FIT promoviert er an der Uni Siegen im Bereich „Human Computer Interaction“. Hier geht es um die Gestaltung und Benutzbarkeit von sozial eingebetteter Software.

Mensch-Computer-Interaktion

Der Kontakt zu seinem jetzigen Arbeitgeber entstand durch seinen Professor und gemeinsame Forschungsprojekte von Universität und Institut. Sein Arbeitsvertrag ist während der Promotion projektgebunden, also befristet. Was dann kommt, wird sich zeigen. Große Sorgen um seine Zukunft macht er sich aber nicht. „Die Informatik hält in allen Lebensbereichen Einzug, sie muss sich mit realweltlichen Problemen – zum Beispiel dem Datenschutz – auseinandersetzen. Die Mensch-Computer-Interaktion wird immer wichtiger. Entscheidend ist, dass man über den Tellerrand schaut und nicht nur auf deutsche Entwicklungen“, ist sich Martin Stein sicher.

abi>> 04.05.2016