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Jobben nach dem Abi

Frau reicht eine Tasse Kaffee.
Neben der Ferienarbeit im Supermarkt oder in einem Café, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um die Zeit zwischen Abi und Studium oder Ausbildung zu überbrücken.
Foto: Martin Rehm

Jobben im In- und Ausland – Hintergrund

Jobben nach dem Abi

Viele Abiturienten möchten die Zeit zwischen Schule und Studium oder Ausbildung nutzen, um etwas Geld zu verdienen. Ob Minijob, Ferienarbeit oder ein Work & Travel – Möglichkeiten, um im In- oder auch im Ausland zu jobben, gibt es viele.

Auch Vanessa Thun entschied sich dafür, die Zeit auf diese Weise zu nutzen. Sie nahm einen Minijob als Kassiererin in einem Baumarkt an. „Ich wollte direkt nach dem Abitur im Sommer 2016 eine Ausbildung im Medienbereich beginnen, hatte aber noch keinen Platz gefunden. Weil ich unbedingt schon etwas arbeiten wollte, entschied ich mich dafür, das Jahr mit einem Job zu überbrücken.“ Die Stelle im Baumarkt fand die 19-Jährige über eine Vermittlungsbörse im Internet. „Nach dem Vorstellungsgespräch bekam ich gleich die Zusage und konnte sogar schon den Arbeitsvertrag mitnehmen“, berichtet sie.

Als Kassiererin erhält sie den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,84 Euro brutto pro Stunde und verzichtet auf die bei diesem Job-Modell freiwillige Möglichkeit, Abgaben an die Rentenkasse zu zahlen. „Ich habe mich dagegen entschieden, weil ich den kompletten Lohn benötige, auch um meine eigene Wohnung hier in Aachen zu finanzieren.“ Flexible Einsatzbereitschaft erwartet der Betrieb auch von Vanessa Thun. „Ich werde angerufen, wenn zum Beispiel am nächsten Tag kurzfristig für einige Stunden jemand an der Kasse benötigt wird. Allerdings habe ich unterschätzt, dass der Bedarf variiert und ich in manchen Monaten entsprechend weniger verdiene. Darauf hätte ich bei der Jobsuche achten sollen.“ Währenddessen hat sie sich weiter um einen Ausbildungsplatz beworben – mit Erfolg: „Im August beginne ich eine Ausbildung zur Gestalterin für visuelles Marketing.“

Hilfreiche Recherche-Tools

Ein Porträt-Foto von Vanessa Thun

Vanessa Thun

Foto: privat

Sei es hinter der Kasse, im Callcenter, in einer Fabrik oder im heimischen Kino – Abiturienten sind gern gesehene Arbeitskräfte, denn gerade in den Sommermonaten ist in den Betrieben oft jede Menge los. Viele benötigen zur Haupturlaubszeit tatkräftige Unterstützung. „Wer sich im Bekanntenkreis umhört oder Initiativbewerbungen an Unternehmen in seiner Umgebung schickt, kann schnell fündig werden“, sagt Anne Hof von der Agentur für Arbeit Wiesbaden. Sie empfiehlt, sich außerdem auf der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit oder auf Portalen wie www.stellenanzeigen.de oder www.monster.de umzuschauen. „Hier lässt sich die Suche jeweils mit Filterkriterien wie ‚Stellen für Helfer‘ oder ‚Minijobs‘ eingrenzen und ist damit zielführender.“ Unterstützung bei der Recherche in der Jobbörse am PC bieten auch die Berufsinformationszentren (BiZen).

„Bei diesen Jobs geht es in der Regel vor allem darum, Geld zu verdienen, sei es als Rücklage für das Studium oder um Finanzlücken zu schließen“, betont die Berufsberaterin. „Daher sollte man sich eher auf Aushilfstätigkeiten einstellen und keine überzogenen Erwartungen an die Aufgaben haben.“ Wem es weniger auf finanzielle Vorteile als auf praktische Erfahrungen ankommt, kann andere Überbrückungsmöglichkeiten in Erwägung ziehen. „Zum Beispiel kann man sich auch für einen Freiwilligendienst oder ein Praktikum bewerben, um neue Erfahrungen zu sammeln. Dann ist wiederum der Verdienst oftmals geringer.“

Anspruch auf Mindestlohn

Ein Porträt-Foto von Anne Hof

Anne Hof

Foto: privat

Auch bei Aushilfsjobs besteht Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn, sofern man über 18 Jahre alt ist. Davon ausgenommen sind ehrenamtliche Tätigkeiten, Pflichtpraktika für Schule oder Studium sowie Orientierungspraktika, die weniger als drei Monate dauern. Seit dem 1. Januar 2017 beträgt der Mindestlohn in Deutschland 8,84 Euro pro Stunde und ist auch bei Minijobs, also geringfügiger Beschäftigung, zu zahlen. „Bei einem Minijob beträgt der Verdienst maximal 450 Euro pro Monat, die wöchentliche Arbeitszeit und Zahl der Arbeitstage können dabei flexibel eingeteilt werden“, erläutert Anne Hof. „Außerdem gibt es die sogenannten kurzfristigen Minijobs, die von vornherein auf eine bestimmte Zeit begrenzt sind.“ Sie nennt auch die Vorteile dieses Beschäftigungsmodells: „Der Arbeitgeber zahlt pauschal Sozialversicherungsabgaben und Minijobber genießen die gleichen Arbeitsrechte wie Vollzeitbeschäftigte. Sie können wahlweise einen Beitrag in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen oder sich davon befreien lassen.“ Alle Infos dazu gibt es auf der Homepage www.minijob-zentrale.de. Auch für Minijobber ist es ratsam, auf einen Arbeitsvertrag zu bestehen: „Der Vertrag sollte die üblichen Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit, Entlohnung und Kündigung beinhalten“, empfiehlt die Berufsberaterin.

Abiturienten sollten bei der Jobsuche nicht vergessen, dass nun auch die Studien- und Berufswahl ansteht. „Idealerweise kümmert man sich schon vor Schulabschluss zunächst darum und sucht sich dann Jobs für die freien Zeiträume“, rät Anne Hof. „Aushilfsjobs findet man oft auch noch kurzfristig, während man sich für Studiengänge oder Ausbildungsplätze teils frühzeitig bewerben muss.“

Beim Jobben die Welt kennen lernen

Ein Porträt-Foto von Shin-Daniel Cho

Shin-Daniel Cho

Foto: ZAV

Viele Schulabgänger nutzen die Überbrückungsphase auch fürs Jobben im Ausland, arbeiten zum Beispiel auf Kreuzfahrtschiffen, in Hotels oder Freizeitparks. Besonders beliebt ist das sogenannte Work & Travel, bei dem sich Arbeit und Reisen miteinander verbinden lassen, etwa in Neuseeland, Australien oder Kanada. „Hier sind die Möglichkeiten vielfältig“, sagt Shin-Daniel Cho von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit. „Sie reichen von Au- pair bis Work & Travel. Auch sogenannte Work Camps gehören dazu, bei denen sich junge Leute aus verschiedenen Ländern für einige Wochen zusammen für sinnvolle Projekte engagieren. Oder Freiwilligendienste etwa bei Hilfsorganisationen, die auch auf zwölf Monate oder länger ausgerichtet sein können.“

Allen, denen es eher darum geht, Geld zu verdienen, rät er zum Beispiel nach Callcentern Ausschau zu halten. „In vielen Ländern suchen etwa Technologieunternehmen beziehungsweise externe Callcenter Aushilfskräfte für den deutschsprachigen Support. Hierbei kann man also auch mit Deutsch gut zurechtkommen, während ansonsten für einen Auslandsaufenthalt neben Englisch auch Kenntnisse in der jeweiligen Landessprache erforderlich sein können.“ Bei der Jobsuche oder Fragen zu Formalitäten hilft die ZAV weiter. Um eine erste Orientierung zu bekommen, empfiehlt Shin-Daniel Cho außerdem den Blick ins Internet, etwa auf www.rausvonzuhaus.de von eurodesk: „Dort sind auch die verschiedenen Möglichkeiten für Auslandstätigkeiten übersichtlich aufgeführt und erklärt.“

Steuern, Abgaben und Reisedokumente

Und wie sieht es mit dem Mindestlohn in anderen Ländern aus? Dazu sagt Shin-Daniel Cho: „Er ist relativ gängig in vielen Ländern, aber oft nur bei gelernten Tätigkeiten. Bei einer Internetrecherche mit dem englischen Begriff ‚Minimum Wages‘ findet man mal mehr, mal weniger detaillierte Infos. Grundsätzlich sollte man sich bei Helferjobs darauf einstellen, weniger zu verdienen.“

Je nach Zielland, können auch weitere Besonderheiten gelten. So gibt es in Australien seit 2017 eine neue Regelung bei der Steuer für jobbende Backpacker. „Wenn der Arbeitgeber als ‚Work & Holiday Maker‘ registriert ist, zahlt man bis zu einer gewissen Einkommensgrenze nur 15 Prozent Steuern. Ist dies nicht der Fall, kann es sein, dass ein deutlich höherer Steuersatz zum Tragen kommt.“ Noch eine Besonderheit ist in „Down Under“, dass jobbende Backpacker, die über 18 Jahre alt sind und mehr als 450 Dollar im Monat verdienen, auch Rentenbeiträge zahlen. „Diese Abgabe kann man sich bei der Ausreise aber wieder zurückzahlen lassen“, beruhigt er.

Und welche Dokumente sind für den Auslandsaufenthalt erforderlich? „Grundsätzlich die sogenannten Travel Documents wie der Personalausweis beziehungsweise der Reisepass in Ländern außerhalb Europas. Dort ist auch ein spezielles Arbeitsvisum nötig, während innerhalb der EU die Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt“, erklärt Shin-Daniel Cho. Vereinfacht gesagt bedeutet diese, dass jeder EU-Bürger innerhalb der Staatengemeinschaft arbeiten kann, wo er möchte. „Wer jedoch in Nicht-EU-Mitgliedstaaten wie die Schweiz möchte, benötigt eine Arbeitsgenehmigung.“

Weitere Informationen

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)

Informationen rund um Ausbildung, Studium, Praktikum und Arbeiten im Ausland; in erster Linie auf Europa bezogen, aber auch außereuropäisches Ausland
www.ba-auslandsvermittlung.de

Europäisches Job Portal

EU-weite Jobsuche (grüner Bereich) sowie Infos zu den jeweiligen Lebens- und Arbeitsbedingungen (roter Bereich).
www.eures-europa.eu

Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit

Infos zum Thema Kindergeld
https://www3.arbeitsagentur.de/web/content/DE/service/Ueberuns/WeitereDienststellen/Familienkasse/index.htm

Minijob-Zentrale

Zentrale Einzugs- und Meldestelle für alle gerinfügigen Beschäftigungen.
www.minijob-zentrale.de

IJAB

Fachstelle für internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.
www.ijab.de

Anbieter von Job-Programmen im Ausland:

www.rausvonzuhaus.de
www.initiative-auslandszeit.de

Work & Travel

www.working-holiday-visum.de
www.travelworks.de

 

abi>> 24.07.2017