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Einblicke in die Berufswirklichkeit

Detailaufnahme eines Kompasses auf einer Weltkarte
Von wegen orientierungslos! Die meisten Gymnasiasten erhalten bereits in Schülerbetriebspraktika erste Einblicke in die Arbeitswelt.
Foto: Ann-Kathrin Hörrlein

Erfahrungen sammeln mit Praktika

Einblicke in die Berufswirklichkeit

Während Schüler in Berufe hineinschnuppern können, geht es bei Studierenden bereits um das Umsetzen des erlernten Wissens. In einigen Studiengängen sind Praktika fest integriert. Wenn nicht, sind freiwillige Praktika zu empfehlen. Schließlich erwarten Unternehmen von Hochschulabsolventen, dass sie bereits über Praxiserfahrungen verfügen.

Dank G8 hatte Jennifer Schnell ihr Abiturzeugnis bereits mit 17 Jahren in der Hand: „Ich hatte zwar Ideen, was ich machen könnte, war aber noch unentschlossen. Bevor ich irgendein Studium aufnahm, habe ich mir ein Jahr Zeit genommen, um Praktika zu machen und sicherzugehen, dass mir der Beruf später auch wirklich Spaß macht.“ Nach dem Abi und vor dem Studium ist es jedoch gar nicht so einfach, in ein Unternehmen hineinzukommen. „Viele Firmen erwarten entweder den Schüler- oder den Studentenstatus“, so ihre Erfahrung.

Da sie während der Schulzeit ein Praktikum bei einem lokalen Rundfunksender gemacht hatte, stand die Medienbranche ganz oben auf ihrer Wunschliste. „Ich wusste von dem Aus- und Fortbildungskanal (afk) in München, der sowohl für TV als auch für Radio Praktika anbietet“, erzählt Jennifer Schnell. Ob man Schüler oder Student ist, spielt dabei keine Rolle.

Drei Monate hat Jennifer Schnell in der TV-Redaktion des afk in München mitgearbeitet, aktuell ist sie in der Rundfunkredaktion. „Man erlebt den Berufsalltag und kann sehr gut abgleichen, ob man sich in dem Medium wohl fühlt. Bei mir hat sich das nur bestätigt“, berichtet die 17-Jährige. (Lies auch die Reportage „Ab ins Radio“).

Wie genau es nach dem Praktikum weitergehen soll, weiß Jennifer Schnell noch nicht genau, doch sie möchte auf jeden Fall im Wintersemester ein Studium beginnen. „Je länger ich die Entscheidung rausschiebe, umso schwieriger stelle ich es mir vor, wieder ins Lernen reinzukommen.“

Erste Begegnung mit der Arbeitswelt

Ein Porträt-Foto von Tim Frerichs

Tim Frerichs

Foto: Privat

Für die meisten Gymnasiasten ist heute das Schülerbetriebspraktikum die erste Begegnung mit der Arbeitswelt. In vielen Bundesländern sind Betriebspraktika auch für Gymnasiasten inzwischen Pflicht. In der Regel dauern diese ein bis drei Wochen und finden in der 9. oder 10. Klasse statt. Während ein im Lehrplan vorgesehenes Schülerpraktikum Pflicht ist, können Schüler natürlich auch freiwillig ein Ferienpraktikum oder ein Praktikum nach dem Abitur absolvieren. „Manche Unternehmen bieten nur schulpflichtige Praktika an, andere sind grundsätzlich auch für freiwillige Orientierungspraktika offen“, weiß Tim Frerichs, Berater der Agentur für Arbeit Osnabrück.

Praktika kann er nur empfehlen: „Man hat das berufliche Umfeld, in dem man sich später aufhalten wird, schon einmal konkret kennengelernt. Und wenn man sich für einen Ausbildungsplatz interessiert, kann man sich gleich als künftiger Auszubildender empfehlen.“ P.S.: Auch negative Erfahrungen können dabei eine Bereicherung sein. „Gut, wenn man auch weiß, was man nicht will“, sagt der Berater.

So erkennt man ein gutes Praktikumsangebot

Ein gutes Praktikumsangebot erkennen Schüler zum Beispiel daran, dass sie im Betrieb einen festen Ansprechpartner sowie einen Schreibtisch oder Arbeitsplatz haben. Sie sollten zudem unterschiedliche Abteilungen durchlaufen: „Meistens gibt es einen Praktikumsplan, in dem die Rahmenbedingungen geregelt sind.“ Für die Suche empfiehlt Tim Frerichs, sich nicht vom Angebot in Praktikumsbörsen und Stellenausschreibungen begrenzen zu lassen: „Man sollte sich fragen, welchen Beruf oder welches Unternehmen man kennenlernen möchte und sich dann trauen, die Unternehmen direkt anzusprechen.“

Schülerpraktika dienen der ersten Orientierung und sind zum „Reinschnuppern“ gedacht. Anders sieht es bei Praktika aus, die sich an Studierende richten: „Die Berufsorientierungsphase gilt da als abgeschlossen. Das bereits angeeignete Wissen sollte praktisch umgesetzt werden können“, erklärt der Berater.

Prinzipiell unterscheidet man bei Studienpraktika zwischen Pflichtpraktika und freiwilligen Praktika. Viele Studiengänge wie zum Beispiel Agrarwissenschaften, Bauingenieurwesen oder auch Lehramtsstudiengänge in einigen Bundesländern verlangen ein verpflichtendes Vor- oder Orientierungspraktikum, das von vier Wochen bis zu einem Jahr dauern kann. In der Regel müssen diese bei der Einschreibung für den Studiengang nachgewiesen werden. (Lies hierzu die Reportage „Acker pflügen in Kanada“.) Pflichtpraktika oder Praxissemester während des Studiums sind häufig in den Studienplan integriert. Darüber hinaus kann und sollte jeder freiwillige, sogenannte studienbegleitende Praktika, selbstständig organisieren.

Praktika werden vorausgesetzt

Ein Porträt-Foto von Ulrich Krieger

Ulrich Krieger

Foto: Privat

Unternehmen setzen heute voraus, dass die Bewerber, ob vorgeschrieben oder nicht, Praktika absolviert haben: „Man sticht mit einem Praktikum nicht mehr aus der Bewerbermasse heraus. Das gehört mittlerweile zum Standard“, sagt Ulrich Krieger, der das Praktikantenamt der Universität Hohenheim leitet.

Wer gleich nach dem Abitur studiert, ist nach einem Bachelorabschluss nicht selten bereits mit 21 Jahren auf Jobsuche: „Ohne Praxiserfahrung wird es dann meist schwierig“, sagt Ulrich Krieger. Sich erst auf das Studium zu konzentrieren und Praktika auf die Zeit nach dem Abschluss zu schieben, hält er nicht für ratsam: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Unternehmen den Studierendenstatus wollen. Nach dem Abschluss eine Praktikantenstelle zu bekommen, ist wesentlich schwieriger als während des Studiums.“

Wer kein Praxissemester oder Pflichtpraktikum ableisten muss, sollte sich freiwillig um Praktika bemühen. Mit Erasmus+  lässt sich übrigens auch ein Auslandspraktikum realisieren. Nicht jeder Lehrplan lässt das zu, schon gar nicht, wenn das Praktikum zum Beispiel sechs Monate dauern soll. Reicht die vorlesungsfreie Zeit nicht, kann man für ein längeres Praktikum auch ein Urlaubssemester nehmen: „Das sollte man aber erst im vierten, fünften oder sechsten Semester einbauen, wenn man bereits einen Überblick über seinen Studiengang hat“, rät Ulrich Krieger.

Mindestlohn und wichtige Rahmenbedingungen

Mit Blick auf die Regelungen zum Mindestlohn, die seit Anfang 2015 gelten, ist die Unterscheidung zwischen verpflichtenden und freiwilligen Praktika wichtig. Ulrich Krieger erklärt: „Praktika, vor oder während des Studiums, sind für die vorgeschriebene Dauer vom Mindestlohn ausgenommen. Gleiches gilt für freiwillige Praktika, die nicht länger als drei Monate dauern. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Orientierungspraktikum vor dem Studium oder um ein Praktikum während des Studiums handelt.“

Studierende sollten auf einen Praktikumsvertrag bestehen, in dem Arbeitszeiten, Aufgaben, Gehalt, Urlaubstage und Kündigungsfrist geregelt sind. „Ein Vertrag wird immer dann wichtig, wenn es Probleme gibt“, weiß Ulrich Krieger. Häufiger Streitpunkt: Der Aufgabenbereich.

Auch mit Blick auf die Sozialversicherungspflicht sowie Urlaubsanspruch und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall werden Pflichtpraktika sowie freiwilligen Praktika unterschiedlich bewertet. Freiwillige Praktikanten sind generell Arbeitnehmern gleichgestellt, haben also grundsätzlich auch Anspruch auf Urlaubs- und Krankengeld. Anders sieht es bei den Pflichtpraktika aus (siehe Übersicht).

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z.B. Kultur).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du in der „Praktikumsbörse“ nach Praktika in Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Bundesagentur für Arbeit

Informationen zu Praktika findest du auf der Website der Bundesagentur für Arbeit ( > Zwischen Schule und Beruf > Jobs und Praktika)
www.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

Praktikumsstellen findest du in der JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Industrie- und Handelskammern (IHK)

www.ihk-praktikumsportal.de

Weitere Praktikumsportale:

www.akademiker-online.de

www.praktikum.info

www.praktika.de

www.praktikumsanzeigen.info

Praktika in der IT-Branche

www.ibusiness.de/jobs

 

abi>> 29.02.2016