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Praktikum ist nicht gleich Praktikum

Spielsteine mit aufgedruckten Buchstaben liegen auf einem Holzbrett und bilden das Wort Traumberuf.
Um den Traumberuf zu finden, können verschiedene Praktika hilfreich sein.
Foto: Tim Wraneschitz

Übersicht

Praktikum ist nicht gleich Praktikum

Es gibt verschiedene Arten von Praktika – sowohl vor als auch im Studium. abi>> gibt einen Überblick.

Schülerbetriebspraktikum

In den meisten Bundesländern sind Betriebspraktika an Gymnasien in der 9. oder 10. Klasse vorgeschrieben. Schülerpraktikanten sind keine Arbeitskräfte. Die Betriebe gewähren den Schülern lediglich Einblicke in den Arbeitsalltag. Daher sind sie in der Regel unentgeltlich. Wer noch keine 15 Jahre alt ist, darf nicht mehr als sieben Stunden am Tag „arbeiten“, wer 16 Jahre alt ist, darf acht Stunden täglich eingesetzt werden. Ausnahmeregelungen siehe Jugendschutzgesetz: www.gesetze-im-internet.de/jarbschg/BJNR009650976.html

Vorpraktikum

Ein Vorpraktikum muss in der jeweiligen Fachrichtung verpflichtend vor Studienstart absolviert werden. Dies ist an vielen Fachhochschulen üblich, meist in den Bereichen Design, Technik und Wirtschaft sowie in den sozialen Fächern. Auch für Studiengänge an Universitäten, etwa für Agrarwissenschaften oder Lehramtsstudiengänge, kann der Nachweis eines Vorpraktikums verlangt werden.

Die Dauer kann je nach Studiengang und Hochschule zwischen ein paar Wochen und mehreren Monaten variieren. Ob eine berufliche Ausbildung oder entsprechende Tätigkeiten im Rahmen eines Freiwilligendienstes auf die Praktikumszeit angerechnet werden, muss im Einzelfall mit der Hochschule geklärt werden. Für die vorgeschriebene Dauer sind diese Praktika vom Mindestlohn ausgenommen. Es steht den Unternehmen frei, ihre Praktikanten freiwillig zu entlohnen.

Ein anderes Thema sind die Sozialversicherungsbeiträge. Wer vor dem Studium ein Pflichtpraktikum absolviert, ist unabhängig vom Verdienst versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Pflichtpraktikum/Praxissemester während des Studiums

Ein Pflichtpraktikum ist fester Bestandteil der Hochschulausbildung gemäß Studien- und Prüfungsordnung und wird von einem Dozenten betreut. Manche Hochschulen sehen gleich ein komplettes Praxissemester vor. Für Pflichtpraktika/Praxissemester werden von den Hochschulen Leistungspunkte vergeben.

Pflichtpraktika sind für ihre vorgeschriebene Dauer vom Mindestlohn ausgenommen. Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 1974 werden Praktikanten in einem Pflichtpraktikum nicht wie Arbeitnehmer behandelt. Das bedeutet unter anderem, dass keine Sozialversicherungsbeiträge anfallen. Es besteht jedoch eine Versicherungspflicht in der Pflege- und Krankenversicherung. Wenn du über deine Familie krankenversichert bist, spielt dein Verdienst eine Rolle: Wer mehr als 415 Euro im Monat verdient, muss sich selbst zum Studierendentarif versichern, da der Anspruch auf Familienversicherung erlischt.

Freiwilliges Praktikum

Diese Praktika sind nicht in der Studien- und Prüfungsordnung des gewählten Studiengangs vorgeschrieben. Freiwillige Praktika während des Studiums, die nicht länger als drei Monate dauern, sind vom Mindestlohn ausgenommen. Dauert das Praktikum länger, greift die Mindestlohnregelung ab dem ersten Tag.

Ein freiwilliges Praktikum unterliegt grundsätzlich der Sozialversicherungspflicht, sodass auch Beiträge zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung anfallen. Dafür besteht Urlaubsanspruch.

abi>> 29.02.2016