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Es muss nicht immer der Gerichtssaal sein …

Prägestempel auf einer Urkunde
Vollmachten, Testamente oder Erbverträge - Notare beraten Rechtssuchende und halten deren Willensbekundigungen fest.
Foto: Axel Jusseit

Juristen und Juristinnen

Es muss nicht immer der Gerichtssaal sein …

Absolventen der Rechtswissenschaften können nicht nur als Anwälte/-innen oder bei Gericht arbeiten. Sie finden auch im öffentlichen Dienst oder in der freien Wirtschaft viele interessante Aufgaben.

„Ich gestalte für meine Mandanten Verträge“, fasst Eliane Schuller ihre Arbeit in einem Satz zusammen. Die 34-Jährige arbeitet seit 2012 als freiberufliche Notarin in Vilshofen an der Donau. Zuvor hat sie ein Jurastudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit dem Ersten und Zweiten Staatsexamen sowie ein juristisches Masterstudium in Australien abgeschlossen. Bei den erwähnten Verträgen kann es sich um Testamente, Ehe- und Erbverträge, Vollmachten, Immobilienkaufverträge, Firmenübertragungen oder -gründungen handeln. Notare müssen sich also in vielen Rechtsgebieten auskennen: vom Gesellschaftsrecht bis zum Insolvenzrecht, vom Öffentlichen Recht bis zum Privatrecht.

Ziel: Verträge, mit denen alle zufrieden sind

Ein Porträt-Foto von Eliane Schuller

Eliane Schuller

Foto: Benjamin Strobel

„Meine Mitarbeiter unterstützen mich bei der Vorbereitung der Urkunden; in der sogenannten Beurkundungsverhandlung lese ich dann meinen Mandanten den Text vor und bespreche mich mit den Beteiligten nochmals, ob alles bedacht wurde“, beschreibt Eliane Schuller einen wichtigen Teil ihrer Arbeit. „Dabei sind wir Notare im Gegensatz zu Rechtsanwälten keine einseitigen Interessenvertreter, sondern müssen ausgewogene Verträge erstellen, mit denen alle Parteien zufrieden sind.“

„Notare und angehende Notare müssen örtlich flexibel sein, denn sie können sich nur auf von der Justizverwaltung ausgeschriebene Stellen bewerben“, ergänzt die Juristin. Den Bedarf an Notarstellen in einem Bundesland legt das Justizministerium fest, um die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit notariellen Dienstleistungen sicherzustellen.

„Lage am Arbeitsmarkt für Juristen positiv“

Laut Mikrozensus hatten im Jahr 2013 rund 341.000 Erwerbstätige in Deutschland einen rechtswissenschaftlichen Studienabschluss. 165.000 von ihnen arbeiteten als Rechtsanwälte und Notare, 28.000 als Richter und Staatsanwälte. 96.000 Juristen waren als Beamte oder Angestellte in anderen Positionen des öffentlichen Dienstes beschäftigt, 72.000 von ihnen allerdings ohne juristische Tätigkeit. Hinzu kamen 37.000 Rechtswissenschaftler mit juristischer Tätigkeit in der freien Wirtschaft – etwa als Wirtschaftsjuristen, Vertragsberater oder Unternehmensjustiziare.

Aktuellere Zahlen für einige Berufsgruppen liefern die Kammern. So weist die Bundesnotarkammer für 2015 beispielsweise 1.500 hauptamtliche Notare aus. Die Bundesrechtsanwaltskammer zählte zum 1. Januar 2015 rund 164.000 in Deutschland tätige Rechtsanwälte.

„Insgesamt präsentiert sich der Arbeitsmarkt für Juristen positiv“, sagt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit. „Die Erwerbstätigkeit ist insbesondere im Bereich der Rechtsvertretung und -beratung in den letzten Jahren stetig gewachsen. Die Arbeitslosigkeit befindet sich auf einem sehr geringen Niveau, gleichzeitig ist die Zahl der freien Stellen, die bei den Agenturen für Arbeit gemeldet wurden, gestiegen.“ Trotzdem fällt der Berufseinstieg nicht immer leicht, „denn die steigende Zahl der Studierenden dürfte in den nächsten Jahren zu mehr Konkurrenz führen“, erwartet Beckmann.

Angebote zur Vertiefung nutzen

Dr. Thomas Remmers, Vizepräsident der Bundesrechtsanwaltskammer, rät Schülern, die sich für die Anwaltsarbeit interessieren, an schulischen Projekten zum Thema Recht teilzunehmen. Später im Studium sollten sie neben den üblichen Fächern einzelne Spezialgebiete wie Internetrecht, Familienrecht oder Arbeitsrecht vertieft bearbeiten. Bieten Universitäten anwaltsorientierte Schwerpunktbereiche, empfiehlt der Experte, diese zu nutzen. Auch die Referendarzeit nach dem Ersten Staatsexamen dient der weiteren beruflichen Orientierung.

„Nach dem Zweiten Staatsexamen können die Absolventen dann bei der zuständigen Kammer den Antrag für die Zulassung als Anwalt stellen und anschließend als Angestellte in einer Kanzlei oder als selbstständiger Anwalt arbeiten“, erklärt Remmers. Empfehlenswert sei die Weiterbildung zum Fachanwalt und die damit verbundene Spezialisierung. Auch eine Promotion und Auslandserfahrungen helfen auf dem Karriereweg.

Richter oder Staatsanwalt? Nur mit Prädikat!

Wer nach dem Studium Richter oder Staatsanwalt werden beziehungsweise im öffentlichen Dienst arbeiten möchte, benötigt ein Prädikatsexamen. Darunter versteht man einen überdurchschnittlich guten Studienabschluss (Zweites Staatsexamen). Bachelor- und Masterabsolventen, Wirtschaftsjuristen sowie Absolventen des Ersten Staatsexamens können keine (Staats-)Anwälte oder Richter werden, finden aber Aufgaben in der freien Wirtschaft oder bei größeren Kanzleien. „Die Aufgabenfelder für Nicht-Volljuristen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert“, so Thomas Remmers. „Wer sich für rechtliche Themen interessiert, sollte sich vom Jurastudium nicht abschrecken lassen, auch wenn es auf den ersten Blick manchmal etwas trocken erscheint.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Jurist).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit (Suchwort: Jura).
www.kursnet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Bundesrechtsanwaltskammer

www.brak.de

Deutscher Richterbund e. V. (DRB)

www.drb.de

Deutscher Anwaltverein e. V.

www.anwaltverein.de

Verband Deutscher Anwälte e. V. (VDA)

www.verband-deutscher-anwaelte.de

Deutscher Notarverein e. V.

www.deutscher-notarverein.de

Bundesnotarkammer

www.bnotk.de

Bundesverband der Wirtschaftsjuristen e. V.

www.wjfh.de

abi>> 25.01.2016