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Mehr als nur Sprachkenntnisse

Zwei Frauen bearbeiten Unterlagen mit Stift und Textmarker. Foto: Alex Becker
Was bedeutet noch mal dieses Wort? Manchmal ist auch beim Übersetzen Teamwork gefragt.
Foto: Alex Becker

Dolmetscher und Übersetzer – Interview

Mehr als nur Sprachkenntnisse

Welche beruflichen Chancen haben Dolmetscher und Übersetzer? Cornelia Groethuysen kennt die Antwort: Die Fachübersetzerin für Englisch ist auch Vizepräsidentin des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ). Dort betreut sie die Themen Aus- und Weiterbildung.

abi>> Frau Groethuysen, wie wird man eigentlich Übersetzer oder Dolmetscher?

Cornelia Groethuysen: Die Berufsbezeichnungen sind nicht geschützt. Wer professionell tätig sein möchte, braucht aber weit mehr als nur Sprachkenntnisse. Man sollte unter anderem in einem Fachgebiet fit sein, interkulturelle Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit mitbringen und mit technischen Übersetzungstools umgehen können. Der gängige Weg führt über ein Studium. Im Bachelor erfolgt die Grundausbildung, im Master kann man sich spezialisieren, etwa auf Fachübersetzungen oder Konferenzdolmetschen. Eine ganz besondere Kategorie sind Literaturübersetzungen. Dafür gibt es kaum Studiengänge, weil hier noch ganz andere Kompetenzen ins Spiel kommen.

abi>> Gibt es Wege neben dem Studium?

Portrait von Cornelia Groethuysen. Foto: Privat

Cornelia Groethuysen

Foto: Privat

Cornelia Groethuysen: In einigen Bundesländern wird der Abschluss „Staatlich geprüfter Übersetzer” bzw. „Staatlich geprüfter Dolmetscher” angeboten – auch für Sprachen, für die es derzeit keinen Studiengang gibt. Häufig nutzen Quereinsteiger diese Option, um vor Gericht als Übersetzer oder Dolmetscher zugelassen zu werden. Diese Prüfung legt auch ab, wer in Bayern eine entsprechende Ausbildung an einer Fachakademie absolviert hat. Davon unterschieden werden muss der von manchen Industrie- und Handelskammern angebotene Weiterbildungsabschluss zum geprüften Übersetzer, dessen Fokus auf wirtschaftsbezogenen Kenntnissen liegt.

abi>> Zu was raten Sie?

Cornelia Groethuysen: Es ist ein sehr anspruchsvoller Beruf in einem internationalen Arbeitsumfeld. Eine Hochschulausbildung ist alleine schon deshalb sinnvoll, weil die Abschlüsse international vergleichbar sind.

abi>> Ist es schwierig, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen?

Cornelia Groethuysen: Die meisten Dolmetscher und Übersetzer arbeiten freiberuflich. Da man sich erst einmal etablieren muss, sollte man sich gut vermarkten können. Entsprechende Module sind Bestandteil der Hochschulausbildung, aber auch unser Verband bietet Existenzgründer- und Mentoringprogramme an. Neben den Unternehmen und Institutionen gibt es viele Agenturen und Büros, die Aufträge akquirieren und an Freiberufler vergeben. Das hat Vor- und Nachteile. Wenn Unternehmen etwa große Kampagnen in mehrere Sprachen übersetzen lassen, bekommen Freiberufler selten den Zuschlag für solche Aufträge, weil eine Person allein einen solchen Umfang nicht abdecken kann, es sei denn, sie wäre Teil eines Netzwerks. Auf der anderen Seite verdienen Freiberufler weniger, wenn sie Aufträge über Agenturen annehmen. Generell kann man sagen, dass für viele die Arbeitsmarktlage immer dann gut ist, wenn es auch der Wirtschaft gut geht.

abi>> 14.09.2017