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Selbstdenker und Wissensmanager

Blick auf ein versteinertes, menschliches Skelett.
Paläoanthropologen beschäftigen sich mit der biologischen und kulturellen Evolution des Menschen.
Foto: André Deco

Geisteswissenschaftler

Selbstdenker und Wissensmanager

Zu Zeiten von Goethe und Schopenhauer galt: Die Deutschen sind das Volk der Dichter und Denker. Ihre heutigen Vertreter stehen allerdings vor der Herausforderung, ihren Platz auf dem Arbeitsmarkt des 21. Jahrhunderts zu finden. Wie gelingt Geisteswissenschaftlern das?

Wie entstanden spezifische Merkmale des Menschen? Und wie sieht die Stammesgeschichte des Homo sapiens grundsätzlich aus? Mit Fragen wie diesen beschäftigten sich Paläoanthropologen wie Dr. Alisa Hujic. Die 35-Jährige forscht als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe „LiVES“ am Institut für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin. „Konkret befassen wir uns mit den Lebensbedingungen und biologischen Lebensstandards in der Vorgeschichte Südwestasiens und Europas – beispielsweise mit der Körpergröße als Wohlstandsindikator“, erläutert die Forscherin.

Nahrungsproteine und Networking

Ein Porträt-Foto von Dr. Alisa Hujic

Dr. Alisa Hujic

Foto: privat

„Ich führe anthropologische und biochemische Untersuchungen an archäologischem Skelettmaterial durch. Dazu gehören etwa Analysen stabiler Isotope in Knochen und Zähnen sowie von Proteinen im Zahnstein. Letztere können Aufschluss über den Protein- und speziell Milchkonsum geben“, erklärt Alisa Hujic. Dabei berücksichtigt die Wissenschaftlerin Erkenntnisse aus verschiedenen Forschungszweigen der Archäologie sowie anderen Geistes- und Naturwissenschaften. „Ich schreibe zudem wissenschaftliche Aufsätze und bereite Vorträge und Präsentationen für nationale und internationale Veranstaltungen vor.“ Als Sprecherin des wissenschaftlichen Nachwuchses der Anthropologie der Gesellschaft für Anthropologie organisierte sie kürzlich auch selbst einen Kongress.

„Bereits in der Schule interessierte mich die biologische und kulturelle Evolution des Menschen“, erinnert sie sich. Neben Ur- und Frühgeschichte studierte sie folgerichtig auch Paläoanthropologie und Geowissenschaften an der Freien Universität Berlin und an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen. Während des Studiums sammelte sie viel praktische Erfahrung – unter anderem in Museen, Laboren, osteologischen Sammlungen von Knochen sowie bei Ausgrabungen. Nach ihrem Magisterabschluss promovierte Alisa Hujic in Biochemie. „Mein heutiges Berufsbild hat sich erst im Laufe des Studiums entwickelt. Anthropologie ist ein breitgefächertes Querschnittsfach, das viele Möglichkeiten bietet“, findet die 35-Jährige.

Bildung, Medien und vieles mehr

Ein Porträt-Foto von Dr. Klaus P. Schneider

Prof. Dr. Klaus P. Schneider

Foto: Judith O. M. Schneider

Alisa Hujic gehört zu den zwei Prozent der Geisteswissenschaftler, die in der Forschung beschäftigt sind. Rund die Hälfte der Absolventen findet sich laut Mikrozensus im Bildungssektor, in den Medien sowie im Kulturbereich – und damit in für Geisteswissenschaftler typischen Branchen. Die andere Hälfte verteilt sich auf einen Branchenmix vom Produktionsgewerbe über den Handel bis zur IT-Branche.

Diese Verteilung macht auch deutlich: „Es fehlen festgelegte Berufsbilder für Geisteswissenschaftler, obwohl von der Bologna-Reform eine stärkere Praxisorientierung gefordert wird. Im Hochschulbereich sind Anglisten zum Beispiel zurzeit eher in der Linguistik und vor allem in der Didaktik gefragt. Häufig sind sie außerdem im Informations- und Medienbereich sowie in internationalen Unternehmen tätig“, erklärt Prof. Dr. Klaus P. Schneider, Präsident des Deutschen Anglistenverbandes.

„Der Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler entwickelte sich in den letzten Jahren positiv. Die Zahl der Erwerbstätigen mit einem geisteswissenschaftlichen Studienabschluss nahm zwischen 2005 und 2014 um 36 Prozent zu, auf insgesamt 341.000 Menschen“, berichtet Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte der Bundesagentur für Arbeit (BA). Er fährt fort: „Im Monatsdurchschnitt verzeichnete die Bundesagentur im Jahr 2015 etwa 4.300 Arbeitslose – sechs Prozent weniger als 2014 und 71 Prozent weniger als 2005. Einschließlich jener, die fachferne Tätigkeiten suchen, waren es 2015 real etwa 10.500 Arbeitslose. Die rechnerische Arbeitslosenquote ist mit unter drei Prozent sehr gering. Problematisch für Berufseinsteiger ist unter Umständen, dass es nur wenige Stellenangebote gibt, die sich explizit an Geisteswissenschaftler richten. 2015 gingen bei der BA nur 900 Stellenangebote ein.“

Wichtige Praxiserfahrung

Eine Befragung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) unter rund 1.360 Absolventen der Geisteswissenschaften des Jahrgangs 2013 zeigt, dass sie im Durchschnitt länger auf Stellensuche sind als jene anderer Fachrichtungen. Rund 50 Prozent beurteilen ihre Arbeit anschließend als „dem Abschlussniveau angemessen“.

Wer das weiß, kann entsprechend gegensteuern und so vielleicht schneller eine Stelle finden. „Praxiserfahrung ist beim Einstieg in die Privatwirtschaft entscheidend. Je nach Hochschule gehören bereits Pflichtpraktika zum Studienplan, mit entsprechender Unterstützung bei der Praktikumssuche“, erklärt Klaus P. Schneider. „Bei einer Karriere im Wissenschaftsbereich helfen Erfahrungen als Tutor oder wissenschaftliche Hilfskraft weiter.“

Der Verbandssprecher ist überzeugt: „Geisteswissenschaftler sind ausgebildete Selbstdenker und Wissensmanager mit hoher Analysefähigkeit und interkultureller Kompetenz. Sie können Informationen sinnvoll sammeln, bewerten und verständlich aufbereiten. Diese Fähigkeiten prädestinieren sie für die Wissensgesellschaft von morgen.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z. B. Historiker).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort z. B. Geschichte).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

Bundesverband freiberuflicher Ethnolog_innen e.V. (bfe)

www.bundesverband-ethnologie.de

Bundesverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler e.V.

www.b-f-k.de

Deutsche Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft

www.dgavl.de

Deutsche Gesellschaft für Philosophie e.V.

www.dgphil.de

Deutsche Gesellschaft für Völkerkunde e.V.

www.dgv-net.de

Deutscher Anglistenverband e.V.

www.anglistenverband.de

Deutscher Germanistenverband e.V.

www.germanistenverband.de

Deutscher Italianistenverband e.V.

www.italianistenverband.de

Deutscher Romanistenverband e. V.

www.deutscher-romanistenverband.de und www.romanistik.de

Deutsche Gesellschaft für Sprachwissenschaft – DGfS

https://dgfs.de

Deutsche Vereinigung für Chinastudien e.V. (DVCS)

www.ruhr-uni-bochum.de/oaw/dvcs/index.html

Deutsche Vereinigung für Religionswissenschaft (DVRW) e.V.

www.dvrw.uni-hannover.de

Fachverband der deutschsprachigen Skandinavistik e.V.

www.skandinavistik.org

Gesellschaft für Anthropologie e.V.

www.gfanet.de

Gesellschaft für Theaterwissenschaft e.V.

www.theater-wissenschaft.de

Mediävistenverband e.V.

www.mediaevistenverband.de

Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V.

www.historikerverband.de

Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V.

www.kunsthistoriker.org

abi>> 25.08.2016