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Analytiker mit Sprachgefühl

Eine Frau liest mit einer Lupe in einem historischen Buch.
Unter die Lupe genommen: Germanisten werfen einen detaillierten Blick auf die deutsche Sprache.
Foto: Swen Reichhold

Germanisten

Analytiker mit Sprachgefühl

Von wegen Taxifahren: Wenn Germanisten sich frühzeitig orientieren und eine Portion Flexibilität an den Tag legen, sind ihre langfristigen Berufsaussichten besser als angenommen.

Die promovierte Germanistin und Anglistin Simone Burel arbeitet als Kommunikationsleiterin beim Finanzdienstleister Habona Invest in Frankfurt am Main. Ihre Aufgabe ist es, das Unternehmen bekannter zu machen und die Informationsflüsse unter den Mitarbeitern zu verbessern. Um ihren Arbeitgeber zu präsentieren und Kunden auf dem Laufenden zu halten, schreibt sie Pressemitteilungen, Newsletter und Statusberichte sowie Texte für die Firmenwebsite und soziale Medien wie Facebook oder Xing. Außerdem erarbeitet die 29-Jährige Strategien und Konzepte für die externe und interne Kommunikation.

Sprache und Texte verstehen

Ein Porträt-Foto von Simone Burel

Simone Burel

Foto: Privat

Bei ihrer Arbeit profitiert Simone Burel von ihrem Germanistik-Studium und der anschließenden Promotion: „In der Linguistik habe ich erfahren, wie Sprache funktioniert und welche Bedeutungen sich hinter Wörtern verbergen können. In der Literaturwissenschaft ging es darum, mit stilistisch anspruchsvollen Texten umzugehen und diese auch selbst zu schreiben. Außerdem habe ich gelernt, mich rasch in neue Themen einzuarbeiten und diese immer aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Das brauche ich jetzt, weil ich mir viel Fachwissen aus den Branchen meines Arbeitgebers und meiner Kunden aneignen muss.“

Der Wechsel von der Wissenschaft in die Wirtschaft war für Simone Burel allerdings auch eine Herausforderung: „Was ich im Studium gelernt habe, muss ich im Beruf herunterbrechen. Ich darf nicht zu theoretisch, reflektierend, beschreibend formulieren. Die Mitarbeiter und Kunden wollen vielmehr eine klare, prägnante und teilweise auch wertende und plakative Sprache.“

Große Textmengen? Kein Problem!

Das Statistische Bundesamt zählte für das Jahr 2013 mehr als 14.400 bestandene Prüfungen im Bereich Germanistik. Fast 9.000 davon waren Lehramtsprüfungen. Viele der Absolventen, die keine Tätigkeit als Lehrer anstreben, werden beispielsweise wie Simone Burel zu Experten in puncto Textarbeit und kommen in der Wirtschaft oder im Medien- und Kulturbereich unter. Nur ein Bruchteil der Germanisten kann und will im Anschluss an das Studium in der Wissenschaft arbeiten.

„Das Germanistik-Studium vermittelt die Fähigkeit, analytisch zu denken, große Informationsmengen in kurzer Zeit zu verstehen, zu reduzieren und auf Begrifflichkeiten zu bringen. Das sind Kompetenzen, die in vielen Feldern gefragt sind“, erklärt Prof. Dr. Martin Huber, Vorsitzender des Deutschen Germanistenverbands. Attraktiv seien Germanisten für Arbeitgeber auch, weil sie sich in besonderem Maße durch einen korrekten und eloquenten Sprachgebrauch auszeichnen.

Viele Einsatzbereiche

Bei der Bundesagentur für Arbeit waren 2014 durchschnittlich knapp 900 Arbeitslose gemeldet, die eine Tätigkeit als Sprach- oder Literaturwissenschaftler suchten. 520 davon waren explizit Germanisten. Dem standen nur 20 Stellenausschreibungen gegenüber, die sich gezielt an Germanisten richteten. Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung betont allerdings: „Es ist schwierig, Germanisten in den Arbeitsmarktstatistiken trennscharf zu erfassen, da sich die Einsatzbereiche mit denen anderer Geisteswissenschaftler überschneiden. Auch Berufsbereiche wie Journalismus, Medien und Lehre spielen eine wichtige Rolle.“

Etwa die Hälfte der Germanistik-Absolventen arbeitet in Branchen, die zu den klassischen Arbeitsfeldern zählen – also etwa in Bildungsinstitutionen, in Medienunternehmen oder in Kunst- und Kultureinrichtungen. Darüber hinaus können Germanisten aber zum Beispiel auch als Dolmetscher und Übersetzer, Verwaltungsmitarbeiter, PR- und Werbe-Profis, Unternehmensberater oder Marktforscher tätig werden.

Den Berufseinstieg meistern

Trotz der Vielzahl an Möglichkeiten, verläuft der Berufseinstieg oft alles andere als einfach – insbesondere da es nur wenige Stellenangebote gibt, die sich explizit an die Absolventen germanistischer Studiengänge richten. So fällt die Arbeitslosigkeit insbesondere in der ersten Zeit nach dem Studium höher aus als in anderen Fachrichtungen – Tendenz steigend. „Das Studium selbst gibt keine klaren Wege vor. Wer sich für Germanistik entscheidet, sollte sich deshalb schon frühzeitig Gedanken machen, in welchem Sektor er arbeiten möchte. Wir unterstützen Studierende dabei, Praktika zu absolvieren und dabei einen Einblick in mögliche Berufsperspektiven zu gewinnen“, sagt Martin Huber.

Nach Abschluss des Studiums müssen Germanisten häufig flexibel und mobil sein, um sich am Arbeitsmarkt zu etablieren. Wenn sie dazu bereit sind, stehen ihre beruflichen Chancen nicht schlecht: Die Zahl der erwerbstätigen Geisteswissenschaftler ist in den letzten Jahren sehr stark gestiegen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Germanist/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Germanistik)
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

Deutscher Germanistenverband

Website des Deutschen Germanistenverbands, der an Schulen, Hochschulen und anderen Einrichtungen tätige Germanisten betreut. www.germanistenverband.de

Goethe-Institut

Internetauftritt des Goethe-Instituts mit Informationen über dessen Projekte in aller Welt.
www.goethe.de

abi>> 03.08.2015