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Mit Praxiserfahrung "alle Türen offen"

Aufgeschlagenes Buch mit Brille
Das Lektorat: Nur ein Bereich, in dem Germanisten tätig werden können.
Foto: Martin Rehm

Germanisten: Personalerstatements

Mit Praxiserfahrung "alle Türen offen"

Lektorat oder Pressearbeit? Redaktion oder Wissensmanagement? Germanisten sind aufgrund ihres Studiums in vielen Bereichen einsetzbar. Personalverantwortliche haben allerdings bestimmte Vorstellungen, was ihnen bei Bewerbern wichtig ist.

Silke Ohlenforst, Aufbau Verlag in Berlin:

Der Aufbau Verlag hat insgesamt etwa 35 Mitarbeiter. Sowohl im Lektorat als auch in der Pressearbeit steht die Arbeit mit Autoren und ihren Büchern im Vordergrund, sodass die Mehrheit der Mitarbeiter dort einen germanistischen Hintergrund hat. Um fundiert über Literatur sprechen zu können, ist dieses Studium eine gute Voraussetzung. Auch im Marketing können Germanisten tätig werden und passende Werbemaßnahmen entwickeln und schalten. Für unsere Lektoren steht die Arbeit an Texten klar im Vordergrund, dafür müssen sie ein Gefühl für Sprache und Literatur entwickeln. Zudem schadet ein guter Überblick über die klassische und moderne Literatur nicht. Im Lektorat ist der meiste Zulauf an Bewerbungen zu verzeichnen. Deshalb sollten Interessenten prüfen, ob alternativ eine Tätigkeit in einer der anderen Abteilungen in Frage kommt. In der Presseabteilung spielt der Kontakt zu Journalisten, Redaktionen und anderen Multiplikatoren eine wichtige Rolle. In der Praxis heißt dies: Die alltägliche Arbeit hat nicht so viel mit dem gemein, was man in einem Germanistikstudium lernt. Trotzdem ist es auch hier wichtig, einen guten von einem schlechten Text unterscheiden zu können. Außerdem muss man eloquent über Autoren und Bücher sprechen können.

Ein Porträt-Foto von Silke Ohlenforst

Silke Ohlenforst

Foto: Privat

Insgesamt kommt es darauf an, während des Studiums Praxiserfahrung zu sammeln, zum Beispiel durch Praktika oder studentische Aushilfsjobs in Verlagen (oder Institutionen). Dadurch zeigt man bei der Bewerbung, dass man früh Interesse an der Branche hatte. Die meisten Verlage schreiben regelmäßig Volontariate aus. Das ist der klassische Einstieg. Unsere Volontäre durchlaufen mehrere Abteilungen, um den Verlag umfassend kennenzulernen. Danach sind sie für Positionen im Lektorat, in der Presse und im Marketing geeignet und können sich auf die ausgeschriebenen Stellen bewerben. Es gibt allerdings nicht so viele Stellen, wie Volontariate angeboten werden. Deshalb sollten sich die Bewerber bei ihrer Suche nicht allein auf Verlage konzentrieren, sondern auch Literaturhäuser und andere Einrichtungen der Kulturbranche im Blick haben. Auch wenn der Einstieg nicht leicht ist, sollten Bewerber sich nicht entmutigen lassen. Ich habe noch keinen Volontär kennengelernt, der nicht über kurz oder lang eine weiterführende Stelle gefunden hat.

Dr. Gunther Schunk, Vogel Business Media in Würzburg:

Ein Porträt-Foto von Dr. Gunther Schunk

Dr. Gunther Schunk

Foto: J. Untch

Als Fachmedienhaus haben wir weltweit circa 900 Mitarbeiter. Obwohl wir zum Beispiel für Ingenieurmedien tätig sind und auch viele Fachleute aus Industrie oder Chemie suchen, arbeiten bei uns allein am Standort in Würzburg etwa zehn bis fünfzehn Germanisten und andere Geisteswissenschaftler. Sie sind darin geschult, sich immer wieder in neue Themen einzuarbeiten und diese ganzheitlich zu bewerten und zu sortieren. Außerdem verfügen gerade Germanisten über eine sehr hohe kommunikative und textliche Kompetenz. Auch in unserer Kommunikationsabteilung sind Germanisten gut aufgehoben, denn Wissensvermittlung und Wissensmanagement werden in der internen Kommunikation zunehmend wichtiger. Wer sich für eine Tätigkeit bei uns interessiert, sollte Interesse an und Erfahrung mit Medien mitbringen, also beispielswiese als freier Mitarbeiter bei einer Tageszeitung tätig sein, selbst einen Blog betreiben oder für ein Online-Magazin schreiben. Wichtig ist auch, dass man sich nicht nur für die Ein-Weg-Kommunikation interessiert, sondern auch gerne mit sozialen Medien und Communities arbeitet, dort Inhalte einstellt und Fragen beantwortet.

Wer neben dem Studium Praxiserfahrung mitbringt, dem stehen bei uns alle Türen offen: Ich selbst war promovierter Dialektforscher und hatte viel bei Tageszeitungen gearbeitet. Ich bin hier als Redaktionsassistent ein- und innerhalb von achteinhalb Jahren in die Geschäftsleitung aufgestiegen. Während die Publikumsmedien nur noch wenige neue Mitarbeiter einstellen und teilweise sogar Stellen abbauen, bieten Fachmedien insgesamt viele neue Berufsbilder für Menschen mit unterschiedlichen Qualifikationen. Bei uns tut sich wirklich etwas und wir stellen regelmäßig neue Leute ein.

abi>> 03.08.2015