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Maßgeschneiderte Enzyme – und vieles mehr

Zitronensäure wird unter dem Mikroskop näher angesehen. Das Bild sieht man an einem Bildschirm.
Laborexperimente auswerten, Trainings durchführen und Biopharmazeutika herstellen - das und mehr erwartet einen in einem Biotechnologieunternehmen.
Foto: Martin Rehm

Biotechnologie – Hintergrund

Maßgeschneiderte Enzyme – und vieles mehr

Die Biotechnologie ist eine äußerst facettenreiche Branche. Geprägt von technologischen Umbrüchen, bietet sie Chancen und setzt neue Maßstäbe.

Michelle Claire Dargatz arbeitet bei dem Unternehmen Evonik im Segment Nutrition & Care am Forschungsstandort Halle (Westfalen). „Es geht hier zum Beispiel darum, einen neuen molekularen Test für den Nachweis von Krankheitserregern in Tierbeständen zu entwickeln“, sagt die Molekularbiologin Michelle Claire Dargatz. Alles fängt an mit einer Literaturrecherche und der Suche nach geeigneten Biomarkern, also messbaren und aussagestarken Parametern biologischer Prozesse.

Dann geht es ans Ausprobieren: Laborexperimente werden geplant, durchgeführt und ausgewertet. Am aufregendsten ist für die 27-Jährige der Moment, wenn das erste Ergebnis da ist: Hat es funktioniert oder nicht? „Dabei ist es besonders wichtig, sich nie entmutigen zu lassen, die Biologie ist eigenwillig und auch ausgeklügelte Experimente können schief gehen. Die Erklärung für das Scheitern zu finden macht fast genau so viel Spaß, wie wenn es auf Anhieb klappt. Manchmal muss man auch ganz spontan reagieren und eine Planung über den Haufen werfen.“ Auch die Kreativität kommt also nicht zu kurz bei der Suche nach einer Lösung.

Molekulare Tests für den globalen Markt

Ein Porträt-Foto von Michelle Claire Dargatz

Michelle Claire Dargatz

Foto: Herr Henning

Die von ihr und ihren Teamkollegen fertig entwickelten Tests werden bei Kunden und Kooperationspartnern weltweit implementiert. „Ich reise zu den jeweiligen Standorten, unterstütze beim Aufbau des molekulardiagnostischen Laborequipments und führe Trainings durch“, erklärt Michelle Claire Dargatz. „Bei meinen Reisen – zuletzt nach China und Kanada – werde ich sehr herzlich empfangen und kann auch auf kultureller Ebene viele neue Erfahrungen sammeln.“ Die Basis für ihre Aufgaben bildete ein Bachelorstudium in Molekularbiologie an den Universitäten in Bielefeld und Uppsala, gefolgt von einem Masterstudium in Molekularer Biotechnologie an der Universität Bonn.

Farbcodes für Aufgabenfelder

Michelle Claire Dargatz‘ Arbeitsgebiet ist nur einer von vielen Bereichen der Biotechnologie (siehe auch FAQ „Fragen und Antworten rund um die Biotechnologie“). Grundsätzlich geht es bei dieser hochinnovativen Disziplin immer darum, der Natur schlaue Prozesse abzuschauen und diese für die Entwicklung und Herstellung von Produkten und Dienstleistungen zu nutzen. „Die deutsche Biotechnologiebranche ist vor allem im Bereich medizinische und industrielle Biotechnologie sehr aktiv“, sagt Dr. Viola Bronsema, Geschäftsführerin der Biotechnologie-Industrie-Organisation Deutschland e. V. (BIO Deutschland). „Viele der etwa 650 kleinen und mittelgroßen Unternehmen entwickeln Therapien und Diagnostika. Andere arbeiten daran, industrielle Prozesse durch ihre Produkte besser und nachhaltiger zu machen, zum Beispiel durch maßgeschneiderte Enzyme.“ Ein altbewährtes und einfaches Beispiel für den Einsatz der Eiweißmoleküle sind etwa Pilzextrakte im Brauereiweisen, die die Umwandlung von Stärke in Zucker beschleunigen.

Viele Unternehmen bieten zudem Services an. Diese rangieren von der Auftragsherstellung von biologischem Material bis hin zur Zulieferung von Technologieplattformen, also verschiedenen Technologien etwa für die Forschung. „Zudem forschen, entwickeln und produzieren verschiedene Großunternehmen in Deutschland auch im Bereich Biotechnologie, beispielsweise bei der Herstellung von Biopharmazeutika oder biologischen Stoffen“, ergänzt Dr. Viola Bronsema.

Und welche aktuellen Trends zeichnen sich in der Branche derzeit ab? Hier nennt die Expertin vor allem das „Genome Editing“, also molekularbiologische Techniken, mit denen die DNA zielgerichtet verändert wird. Durch sie ergäben sich neue Möglichkeiten, innovative Produkte und Verfahren schneller zu entwickeln. „Wir erwarten diesbezüglich große Neuerungen und Chancen, aber auch Herausforderungen für unsere Branche. Die Technik scheint derzeit weiter entwickelt als das Aufnahmevermögen von Traditionsindustrien und Gesellschaft“, meint sie.

Eine Branche im Wachstum

Ein Porträt-Foto von Dr. Viola Bronsema

Dr. Viola Bronsema

Foto: privat

Die aktuell verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2017 zeichnen laut BIO Deutschland ein positives Bild für die Branche. Dazu Dr. Viola Bronsema: „Wenn wir nur die kleinen und mittleren Biotechnologieunternehmen (KMU) betrachten, sehen wir ein deutliches Plus von zwölf Prozent bei der Beschäftigung. Rund 26.000 Fachkräfte arbeiteten 2017 in den Biotech-KMU. Der Umsatz stieg um acht Prozent auf vier Milliarden Euro.“ Gut die Hälfte der Biotech-Unternehmen war laut BIOCOM-Report „The German Biotechnology Sector“ im Bereich Gesundheit und Medizin tätig.

Die Beschäftigung von Biotechnologen hat sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. „Im Juni 2018 waren insgesamt 7.400 Menschen in der Biotechnologie, Biochemie und Bioinformatik als Experten sozialversicherungspflichtig beschäftigt, also in Tätigkeiten, die einen akademischen Abschluss erfordern“, sagt Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin der Bundesagentur für Arbeit. „Diese arbeiten vor allem in Forschung und Entwicklung, an Universitäten und Hochschulen, im Gesundheitswesen sowie in der pharmazeutischen Industrie.“

Spannende Ausbildungen für Abiturienten

Im Jahresdurchschnitt 2018 gab es in den drei genannten Berufen 1.400 arbeitslose Experten. Ihre Zahl ist gegenüber 2017 um zehn Prozent zurückgegangen. Zum Vergleich: Die Zahl der arbeitslosen Akademiker insgesamt hat in diesem Zeitraum lediglich um vier Prozent abgenommen. „Für Experten in der Biotechnologie, Biochemie und Bioinformatik explizit werden der Bundesagentur für Arbeit allerdings nur wenige Arbeitsstellen gemeldet; im Jahresdurchschnitt 2018 waren es 160. Hochschulabsolventen sollten also flexibel sein.“ Für Abiturienten sind übrigens auch Ausbildungsberufe in der Biotechnologie interessant. Der überwiegende Teil der Ausbildungsverträge als Biolaborant/in, Pharmakant/in oder Chemielaborant/in wurde 2017 von (Fach-)Abiturienten abgeschlossen. Im Juni 2018 gab es insgesamt 199.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in den drei Berufen, zwei Prozent mehr als vor einem Jahr.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z. B. Biotechnologie).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort z. B. Biotechnologie).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen findest du im Teilberufsfeld „Bio- und Gen­techno­logie, Erneuer­bare Energien“.
https://berufsfeld-info.de/abi/bio-gentechnologie-erneuerbare-energien

Bioökonomierat – unabhängiges Beratungsgremium für die Bundesregierung

http://biooekonomierat.de

Biotechnologie-Industrie-Organisation Deutschland e.V. (BIO Deutschland e. V.)

www.biodeutschland.org/de

Brachenportal Biotechnologie (Betreiber: BIOCOM AG)

www.biotechnologie.de

DECHEMA – Gesellschaft für chemische Technik und Biotechnologie e.V.

https://dechema.de

Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (beim Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI)

www.vci.de/dib/startseite.jsp

European Biotechnology Network AISBL

http://european-biotechnology.net

Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) e.V.

https://gbm-online.de

Gesellschaft für Technische Biologie und Bionik GTBB

www.gtbb.net

IWBio - Industrieverbund Weiße Biotechnologie e.V.

www.iwbio.de

Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V. – VBIO

www.vbio.de

Verein Deutscher Ingenieure (VDI) e. V. – Fachbereich Biotechnologie

www.vdi.de/technik/fachthemen/technologies-of-life-sciences/fachbereiche/biotechnologie

Vereinigung Deutscher Biotechnologie-Unternehmen (VBU)

http://v-b-u.org

Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) e.V.

http://vaam.de

abi>> 22.04.2019

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