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Rund ums Wasser: ein riesiges Arbeitsfeld

Hafen mit Schiffen
Mehr als Schiffbau und Hafenwirtschaft – die maritime Wirtschaft hat vielfältige berufliche Möglichkeiten zu bieten.
Foto: Thorsten Mischke

Maritime Wirtschaft

Rund ums Wasser: ein riesiges Arbeitsfeld

Kapitäne, Schiffsmechaniker und Meeresbiologen: Die maritime Branche zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Deutschlands und bietet viele berufliche Möglichkeiten. Für Abiturienten gibt es verschiedenste Zugangswege.

Schon als Kind war Jonas Wagner von großen Schiffen fasziniert. „Ich fand vor allem die schwimmenden Stahlriesen toll“, erinnert er sich. Die Liebe zu Schiffen hielt an, deswegen studierte er an der Universität Rostock Maschinenbau und Schiffstechnik. Dabei lernte Jonas Wagner viel über den Bau von Frachtern und großen Handels- und Passagierschiffen – vom Entwurf bis zur Fertigung. „Das Studium hat mir ein breites Tätigkeitsfeld eröffnet“, sagt der 34-Jährige. Kommilitonen von ihm gingen etwa zu Reedereien oder arbeiten in der Meerestechnik, wo sie in Windparks oder auf Ölplattformen am Bau von Offshore-Anlagen auf dem offenen Meer beteiligt sind.

Jonas Wagner entschied sich für eine Promotion und forschte in Rostock, wie man Schiffe für viele unterschiedliche Situationen und Belastungen optimiert entwerfen kann. Seit Kurzem arbeitet der Ingenieur beim Verband für Schiffbau und Meerestechnik in Hamburg. „Hier bin ich unter anderem für die Innovationsförderung zuständig“, berichtet er. Dabei hilft er Betrieben aus den Bereichen Schiffbau und Meerestechnik, Förderungen von Bund und Ländern für besonders innovative Schiffe und Komponenten zu beantragen. „Ich bin Vermittler zwischen den Unternehmen und der Politik.“

Ähnlich wie Jonas Wagner arbeiten in Deutschland Tausende in der maritimen Wirtschaft. So waren im Jahr 2014 laut Bundeswirtschaftsministerium alleine auf deutschen Werften rund 17.800 Menschen beschäftigt. In der Offshore- und Schiffbauzulieferindustrie standen 67.000 Beschäftigte in Lohn und Brot. Mit einem jährlichen Umsatzvolumen von rund 50 Milliarden Euro gehört die Branche zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen in Deutschland. Ein Großteil der deutschen Warenexporte und Rohstoffimporte wird mit Schiffen transportiert: Laut Statistischem Bundesamt wurden 2015 fast 300 Millionen Tonnen Güter in deutschen Seehäfen umgeschlagen (siehe auch Artikel „Trends in der Branche“).

Unterscheidung in vier Bereiche

„Die maritime Wirtschaft ist ein riesiges Arbeitsfeld“, bestätigt Andreas Schüler, Berufsberater der Agentur für Arbeit in Kiel. Immerhin gäbe es nicht nur Jobs auf See, sondern auch Tätigkeiten an Land, die mit Schifffahrt zu tun haben. Diese wiederum können zum Beispiel an Kanälen oder Flüssen angesiedelt sein.

Um sich einen Überblick über die unterschiedlichen Bereiche der maritimen Wirtschaft zu verschaffen, schlägt der Experte vor, sie grob in vier Bereiche zu unterteilen: „Da sind zum einen die klassischen Seefahrtsberufe wie Kapitän, Leiter der Maschinenanlage und Schiffsmechaniker, die auf Schiffen arbeiten“, erklärt Andreas Schüler. „Außerdem gibt es die Häfen und die damit zusammenhängende Logistik, als dritte Branche den Schiffbau und die Meerestechnik beziehungsweise
-forschung sowie viertens die Wirtschaftsbereiche Küste und Küstenschutz.“

Allein der zuerst genannte Bereich umfasst ganz unterschiedliche Berufe: Ausbildungen führen etwa zu Abschlüssen als Schiffsmechaniker, Binnenschiffer oder Fischwirt, mit nautischen Studiengängen an Hochschulen kann man Kapitän oder Ingenieur für Schiffsbetriebstechnik werden. „Für ein Nautik-Studium wird die Hochschulreife vorausgesetzt, je nach Studiengang auch praktische Vorerfahrungen“, weiß der Berufsberater.

Oft wochenlang auf See unterwegs

Wer Kapitän werden möchte, sollte sich auch bewusst machen, dass das Studium dafür sehr breit ist: Neben nautischen Themen stehen viele technische und wirtschaftliche Aspekte auf dem Lehrplan. Auch eine Weiterbildung kann für den Beruf qualifizieren.

Auf Kreuzfahrtschiffen sind darüber hinaus noch viele andere Berufe gefragt, wie Köche, Restaurantfachleute und Animateure. Andreas Schüler betont: „Dabei sollte einem klar sein, dass man oft wochen- oder sogar monatelang auf See unterwegs ist und meist mit denselben Leuten auf engem Raum zusammenlebt – das ist nicht für jeden etwas, auch die Familie muss da mitspielen.“

Dann gibt es in der maritimen Wirtschaft noch die Menschen, die dafür sorgen, dass ein Schiff überhaupt beladen wird und losfahren kann. Diese Berufe zählen zum Bereich Logistik und Hafen. Dorthin führen Studiengänge im Seeverkehr oder in Betriebswirtschaftslehre, aber auch Ausbildungen als Fachkräfte für Hafenlogistik, Schifffahrtskaufleute oder Kaufleute für Groß- und Außenhandel. Deren Arbeitsplätze können in einem Hafen oder aber bei einem Zulieferbetrieb sein. „Schifffahrtskaufmann ist ein kaufmännischer Beruf, bei dem man viel organisieren muss“, sagt der Berufsberater.

Deiche warten, Küsten schützen

Ähnlich groß ist der Bereich Schiffbau, Meerestechnik und -forschung. Als Ausbildungen kommen dabei die zum Bootsbauer oder Segelmacher in Frage, als Studiengänge etwa Schiffbau, Maschinenbau und Meeresforschung. „Absolventen können später etwa als Meeresbiologen, Ozeanographen oder Umweltwissenschaftler tätig sein“, sagt Andreas Schüler. Schiffbau-Studierende zum Beispiel können später auf Werften arbeiten oder bei Zulieferern, die Navigationssysteme oder Kräne herstellen. Aber auch Elektroingenieure oder Innenarchitekten sind in diesem Bereich gefragt, wenn es beispielsweise um den (Innenaus-)Bau von Schiffen geht.

Der Aspekt Küste schließlich umfasst Ausbildungen zum Wasserbauer – die zum Beispiel Deiche warten – ebenso wie Bauingenieure, die Küstenschutzkonzepte entwickeln. „Im weitesten Sinne gehören auch Berufe aus dem Tourismus und der Gastronomie dazu, die an den Küsten eine wichtige Rolle spielen“, ergänzt Andreas Schüler.

Marine: Alternative zur zivilen Seefahrt

Viele der genannten Berufe zählen zur zivilen Seefahrt. Im maritimen Umfeld gibt es allerdings auch Karrieremöglichkeiten bei der Marine der Bundeswehr und der Polizei. Wasserschutzpolizisten gehören zur Landespolizei, während die Bundespolizei sich um den Grenzschutz und die Küstenwache kümmert. Die Marine wiederum arbeitet eng mit den Seestreitkräften anderer Länder zusammen.

„Was alle diese Berufe verbindet, ist eine gewisse Affinität zum Wasser“, sagt Andreas Schüler – egal, ob man nun in einem Hafen Containerschiffe belädt, die Meere schützt oder ein Schiff steuert. „Das Entscheidende bei der Berufswahl ist schließlich: Die Tätigkeit muss einen interessieren und Spaß machen.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchworte z.B. Boot, Schiff, Meer).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchworte z.B. Boot, Schiff, Meer).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

Zentrale Heuerstelle Hamburg

Bundesweite Fachvermittlung für Seeleute; Angebot der Bundesagentur für Arbeit
www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/dienststellen.htm

Referat maritime Wirtschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

www.bmwi.de/DE/Themen/Wirtschaft/branchenfokus

Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik

www.isl.org

Verband für Schiffbau und Meerestechnik

www.vsm.de

Verband Deutscher Reeder

www.reederverband.de

Stiftung Offshore-Windenergie

www.offshore-stiftung.de

abi>> 19.09.2016

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