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Eine Zukunftsbranche mit Nachwuchsbedarf

Zwei Personen beraten sich am Laptop über die Ergebnisse des CT-Gerätes.
Deutsche medizintechnische Produkte sind auf der ganzen Welt gefragt.
Foto: Heidrun Hönninger

Medizintechnik

Eine Zukunftsbranche mit Nachwuchsbedarf

Die Medizintechnikindustrie boomt: In den vergangenen Jahren wuchs der Umsatz stetig, Deutschland steht im internationalen Vergleich sehr gut da, die Unternehmen sind auf Wachstumskurs – und auf der Suche nach jungen Nachwuchskräften.

Wie müssen Operationsinstrumente beschaffen sein, damit dem Arzt bei der minimalinvasiven Chirurgie alle therapeutischen Aufgaben optimal gelingen? Diese Frage zum schonenden Operieren über kleinste Schnitte ist eine von vielen, mit denen sich Daniel Kärcher beruflich beschäftigt.

Der 28-jährige Ingenieur ist Projektleiter der Abteilung Mechanical Instrument Development der Karl Storz GmbH & Co. KG in Tuttlingen. Im Unternehmen, das sich auf den Bereich Endoskopie spezialisiert hat, führt er Teams, in denen je nach Projekt zwischen fünf und 20 Mitarbeiter zusammenarbeiten. Ihre Aufgabe ist es, sowohl bestehende Produkte zu verbessern als auch ganz neue Lösungsansätze zu entwickeln. Zu sehen, wie sich eine Idee von der ersten Handskizze bis zur Serieneinführung entwickelt, „ist das Faszinierende an meiner Arbeit“, sagt er. Spaß an der kreativen Ideenfindung in einem Team und natürlich technisches Verständnis seien dafür unerlässlich.

Nach dem Abi hat Daniel Kärcher zunächst ein praxisintegrierendes duales Studium zum Maschinenbau-Ingenieur in der Fachrichtung Konstruktion- und Informationsmanagement bei seinem heutigen Arbeitgeber absolviert. Danach wurde er fest im Betrieb übernommen.

Mittelständisch und exportorientiert

Ein Porträt-Foto von Manfred Beeres

Manfred Beeres

Foto: Privat

„Die Medizintechnik-Branche ist mittelständisch geprägt“, sagt Manfred Beeres, Pressesprecher des Bundesverbands Medizintechnologie (BVMed). An die 95 Prozent der Betriebe beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter. Insgesamt arbeiten laut Verband über 195.000 Menschen im Bereich Medizintechnik – die meisten von ihnen bei den 1.200 Produktionsbetrieben, die mehr als 20 Mitarbeiter beschäftigen. Hinzu kommen 11.300 Klein- und Handelsunternehmen.

„Die Medizintechnik ist eine Wachstums- und Zukunftsbranche“, sagt Marcus Kuhlmann, Leiter des Fachverbands Medizintechnik bei Spectaris, dem Deutschen Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien. Er verweist auf das stetige Umsatzwachstum von jährlich zwei bis drei Prozent, das die deutschen Unternehmen in den vergangenen Jahren erzielten.

Im Jahr 2014 betrug der Gesamtumsatz laut Spectaris mehr als 25 Milliarden Euro – wobei allein 17 Milliarden Euro im Ausland erzielt wurden. „Die Exportquote liegt konstant bei rund 68 Prozent“, so der Spectaris-Sprecher. In Europa sei Deutschland mit Abstand der größte Medizintechnikhersteller, aber auch weltweit ist die BRD sehr gut positioniert und rangiert hinter den USA auf Platz zwei. Neben Europa spielen beim Export die Märkte in Nordamerika sowie zunehmend in Schwellenländern wie Indien, Südafrika, Kenia und Brasilien eine wichtige Rolle. Dabei sind nicht nur die großen und mittelständischen Unternehmen im Ausland aktiv. Auch viele kleinere Betriebe haben laut Marcus Kuhlmann dort Kontakte.

Hoher Bedarf an Nachwuchskräften

Ein Porträt-Foto von Marcus Kuhlmann

Marcus Kuhlmann

Foto: Privat

10.797 Studierende waren im Wintersemester 2014/15 im Studienfach Gesundheitstechnik an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Darunter fasst das Statistische Bundesamt Studiengänge wie Biomedizintechnik und Mikro- und Medizintechnik zusammen, auch Angebote wie Medical Engineering, Medizinische Physik und Rehatechnik gehören dazu.
Absolventen haben gute Chancen auf einen Berufseinstieg in der Branche. „Besonders gesucht sind Ingenieure. Vor allem solche, die Medizintechnik studiert haben“, so Marcus Kuhlmann von Spectaris (siehe Berufsreportage „Die technischen Seiten des Körpers“). „Der Arbeitsmarkt für Medizin- und Rehatechniker bietet insgesamt gute Perspektiven“, bestätigt Susanne Lindner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Akademisch ausgebildete Fachkräfte bildeten in diesem Berufsbereich zahlenmäßig allerdings nur eine kleine Gruppe: Unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten waren im Jahr 2014 2.000 Akademiker und 117.000 Facharbeiter und Meister. Der Mikrozensus aus dem Jahr 2013 verzeichnet etwa 8.000 Erwerbstätige mit akademischem Abschluss und rund 156.000 Facharbeiter und Meister. „Offensichtlich gibt es vor allem bei den Akademikern einen hohen Anteil Selbstständiger“, schlussfolgert die Arbeitsmarkt-Expertin.

Im Facharbeiterbereich sowie im Bereich der Gesundheitshandwerke, wie beispielsweise Augenoptiker und Orthopädieschuhmacher, gibt es laut Marcus Kuhlmann ebenfalls einen hohen Bedarf. „Irgendjemand muss die Produkte schließlich herstellen und anpassen.“ Die Unternehmen in diesem Feld produzieren heute noch größtenteils in Deutschland. Für die entsprechenden Ausbildungen sucht die Branche verstärkt Abiturienten, die später eventuell ein Ingenieurstudium anschließen können und wollen.

Ingenieure aus allen Fachrichtungen gesucht

Grundsätzlich sind nicht nur Medizintechnik-Ingenieure gefragt, sondern auch solche aus anderen Disziplinen. „Begehrt sind etwa IT-Ingenieure, denn die Digitalisierung der Medizintechnik ist ein wichtiger Trend der Branche“, erklärt der Spectaris-Vertreter. Einen zweiten Trend sieht er in der Biologisierung, bei der beispielsweise technische und biologische Komponenten in einem Gerät zusammengeführt werden. Hier suchen Unternehmen verstärkt Biologie-Ingenieure. Im Geschäftsbereich Vertrieb gebe es ebenfalls einen hohen Bedarf an Nachwuchskräften (siehe Reportage „Im Gespräch mit Chefarzt & Co.“). Dort hätten auch Wirtschaftswissenschaftler und -ingenieure gute Chancen. Da die rechtlichen Anforderungen immer höher werden, etwa in den Bereichen Zulassung und Patentierung, sucht die Branche zudem Juristen – vor allem solche, die sich im Studium mit Gesundheits- und Medizinrecht beschäftigt haben.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z. B. Medizintechnik).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort z. B. Medizintechnik).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

Bundesverband Medizintechnologie e.V. (BVMed)

Der BVMed vertritt als Wirtschaftsverband über 230 Industrie- und Handelsunternehmen der Medizintechnologie-Branche. Im BVMed sind unter anderem die 20 weltweit größten Medizinproduktehersteller im Verbrauchsgüterbereich organisiert.
www.bvmed.de

Spectaris – Fachverband Medizintechnik

Der Deutsche Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien e.V. (Spectaris) vertritt den Hightech-Mittelstand in Deutschland. Zu ihm zählt der Fachverband Medizintechnik.
www.spectaris.de/medizintechnik.html

Fachverband Biomedizinische Technik (fbmt)

Der fbmt setzt sich seit seiner Gründung 1984 für die Belange von Medizintechnikern und -ingenieuren ein und trägt als Interessenverband zur Weiterentwicklung der Medizintechnik bei.
www.fbmt.de

Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT)

Die DGBMT im Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) ist mit gegenwärtig 2.500 Mitgliedern die größte wissenschaftlich-technische Fachgesellschaft der Medizintechnik in Deutschland. Sie fördert die Entwicklung der Medizintechnik in Deutschland auf gemeinnützige Art und Weise.
www.dgbmt.de

abi>> 23.11.2015

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