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„Die Branche ist sehr innovativ“

Junge Frau mit Maske auf dem Kopf bei einer Strahlentherapie.
Durch die Fortschritte in der Medzintechnik ist heute eine effektivere Strahlenterapie mit weniger Nebenwirkungen möglich.
Foto: Hans-Martin Issler

Interview

„Die Branche ist sehr innovativ“

Laut einer Umfrage des Bundesverbands Medizintechnologie (BVMed) vom Herbst 2014 bewerten 95 Prozent der deutschen Medizintechnik-Unternehmen die Berufsaussichten für Fachkräfte als sehr gut beziehungsweise gut. Aber welche Experten sind besonders begehrt? Diese und andere Fragen beantwortet Verbandssprecher Manfred Beeres im Gespräch mit abi>>.

abi>> Welche aktuellen Entwicklungen gibt es in der Medizintechnik?

Manfred Beeres: Die Medizintechnologie ist eine wachstumsstarke, dynamische und vor allem eine sehr innovative Branche. Das zeigt sich schon daran, dass Hersteller etwa ein Drittel des Umsatzes mit Produkten erzielen, die höchstens drei Jahre alt sind. Der stetige Fortschritt ist nicht zuletzt ein Ergebnis der Investitionen, die die Unternehmen in Forschung und Entwicklung tätigen: Jährlich fließen rund zwei Milliarden Euro in diesen Bereich.

abi>> Können Sie Beispiele für neue Entwicklungen geben?

Manfred Beeres: Die Fortschritte in der Medizintechnik haben wesentlich dazu beigetragen, dass man heute deutlich mehr Krankheitsbilder behandeln kann als noch vor zehn oder 20 Jahren. Beispielsweise können mehr Operationen bei älteren Patienten durchgeführt werden. Ein weiterer Trend: Medizintechnik und IT wachsen immer mehr zusammen. Chirurgen werden zum Beispiel durch computerassistierte Navigation bei der OP unterstützt. Auch zukunftsträchtige Technologiefelder wie Bio- und Nanotechnologien sind auf dem Vormarsch.

abi>> In welchen Bereichen ist der Bedarf an neuen Mitarbeitern derzeit besonders hoch?

Ein Porträt-Foto von Manfred Beeres

Manfred Beeres

Foto: Privat

Manfred Beeres: Besonders in den Bereichen Forschung und Entwicklung wird gut ausgebildetes Personal gesucht. Wichtige Forschungsgebiete sind derzeit Orthopädie, Kardiologie und Innere Medizin. Personalbedarf gibt es auch im Bereich der Zulassung: Die Wege, die ein Medizinprodukt von der ersten Idee bis zur Markteinführung beziehungsweise der Anwendung am Patienten geht, werden immer komplizierter – dafür brauchen die Unternehmen Fachleute mit entsprechendem Know-how. Allein die technische Dokumentation für einen Herzschrittmacher umfasst ungefähr sieben Aktenordner. Eine im Herbst 2014 unter unseren Mitgliedern durchgeführte Umfrage hat zudem ergeben, dass es einen sehr hohen Bedarf im Bereich Vertrieb gibt.

abi>> Wie gelingt der Berufseinstieg und welche Karrieremöglichkeiten gibt es?

Manfred Beeres: In der gesamten Branche sind die Berufsaussichten etwa für Ingenieure und Medizintechniker sowie für Marketingspezialisten glänzend und werden es – so die Meinung von Experten – auch in Zukunft bleiben. Unter anderem schlägt sich der internationale Erfolg der Branche auf dem hiesigen Arbeitsmarkt nieder. Was den Berufseinstieg erleichtert: Aufgrund des zunehmenden Fachkräftebedarfs auch im Zuge des demografischen Wandels werden Unternehmen mit attraktiven Angeboten bei den Bewerbern punkten müssen. Auch die Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten sind gut, auch bei mittelständischen Unternehmen. Hier spielen die steigende Internationalisierung und damit einhergehende Auslandsaufenthalte ebenfalls eine Rolle.

abi>> Welche Kenntnisse und Fähigkeiten werden in der Branche gefordert?

Manfred Beeres: Ganz wichtig: Ingenieure und Fachkräfte müssen fähig sein, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Sie müssen die Bedürfnisse anderer Disziplinen kennen und mitdenken. Teamarbeit ist ein elementarer Bestandteil im Unternehmensalltag. Das bedeutet zum Beispiel, die Anforderungen anderer Berufsgruppen wie Ärzte und Zellbiologen zu kennen und zu verstehen. Gesucht werden keine fertigen Spezialisten. Die Unternehmen brauchen Fachkräfte wie Elektrotechniker, Informatiker, Maschinenbauer und Physiker, die im Laufe ihres Studiums einen Schwerpunkt auf den Bereich Medizintechnik gelegt haben. Aufgrund der zunehmenden Internationalisierung des Markts sollte man auch interkulturellen Themen aufgeschlossen gegenüberstehen.

abi>> 23.11.2015

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