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In Brasilien beim Helfen helfen

Hände liegen auf einer Computertastatur vor einem Bildschirm, auf dem eine Projektübersicht angezeigt wird.
Seit 24 Jahren setzt sich die Non-Profit-Organisation PRECE für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein.
Foto: Ingo Wagner

Arbeiten in Brasilien

In Brasilien beim Helfen helfen

Viele Deutsche gehen im Zuge einer Entwicklungszusammenarbeit in Schwellenländer. Eine von ihnen ist Julia Hildmann. Sie unterstützt im Nordosten Brasiliens die Bildungsbewegung PRECE. Für abi» schildert die 28-jährige Soziologin die Herausforderungen, Chancen und Ziele ihres Einsatzes.

In Brasilien unterhalte ich mich für die Dauer einer Busfahrt mit mehr Menschen als in Deutschland in einer Woche“, sagt Julia Hildmann und lacht. Im Mai ist die 28-Jährige in der 2,6-Millionenstadt Fortaleza angekommen. Es ist ihr sechster Brasilien-Aufenthalt. Ein freiwilliges Jahr führte sie das erste Mal in den südamerikanischen Staat.

Damals entdeckte sie ihr Faible für das Land, lernte brasilianisches Portugiesisch und forschte dort für die Bachelorarbeit ihres Soziologiestudiums, das sie schließlich mit dem Schwerpunkt Organisations- und Personalentwicklung an der Uni Heidelberg im Master abschloss. Ihre Masterarbeit beschäftigte sich mit unternehmerisch handelnden sozialen Initiativen. So lernte sie die Bildungsbewegung PRECE kennen, eine Abkürzung für Programa de Estímulo à Cooperação na Escola, was so viel bedeutet wie „Programm zur Förderung von kooperativem Lernen in der Schule“.

Kennenlernen, verstehen, unterstützen

Ein Porträt-Foto von Julia Hildmann

Julia Hildmann

Foto: Heather White

Seit 24 Jahren setzt sich die Non-Profit-Organisation für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein. Bisher hat sie unter anderem 13 kooperative Basis- und eine öffentliche Modellschule gegründet. „Die Bewegung hat viel Potenzial, sie verändert das System von innen“, erklärt die Soziologin. Die ersten drei Monate wird sie mitlaufen, um alle Projekte kennenzulernen, zu verstehen, wer die Mitarbeiter – allesamt Brasilianer – sind und welche Ziele sie haben.

In ihrer Freizeit liebt sie die lockere, spontane Lebensart. Bei der Arbeit sei sie manchmal hinderlich, etwa, wenn Termine nicht eingehalten werden. „Es ist viel geplant, aber wenig konkretisiert. Es fehlt eine Arbeitsstruktur“, sagt sie. Das hat sie auch bei der Vorbereitung gemerkt: Für das zwei Jahre gültige Visum für Sozialarbeit, das sie beim brasilianischen Generalkonsulat beantragt hat, benötigte sie Unterlagen wie Einladungsschreiben und Statuten von der Initiative. Bis sie die beisammen hatte, verging viel Zeit. „Schließlich musste ich das polizeiliche Führungszeugnis, das für das Visum nötig ist, neu beantragen, da es nur drei Monate gültig ist“, merkt sie an. Eingereist ist sie nun mit einem Touristenvisum, für das andere muss sie noch einmal zurück nach Deutschland.

Bitterarm und superreich

Finanziert wird Julia Hildmann derzeit über eine Crowdfunding-Kampagne, die sie selbst ins Leben gerufen hat. Ihr Ziel ist es, bei PRECE eine Stelle für sich zu schaffen. Das werde sicherlich Zeit brauchen, meint sie, und fügt lachend hinzu: „Ich möchte aber nicht den Inhalt meiner Stelle darauf reduzieren, diese zu schaffen.“ Auch ihre Aufgaben sind noch nicht spezifiziert. „Es geht mir nicht darum, das, was schon da ist zu strukturieren, oder meine eigenen Ideen zu verwirklichen. Ich möchte mit den Menschen zusammen Neues aufziehen.“ So will sie der Initiative, die zum Großteil vom Staat finanziert wird, helfen, von diesem unabhängig zu werden. Ein weiteres Projekt: In einem Dorf im riesigen Trockengebiet Sertão im Landesinneren soll ein Multiplikationszentrum für kooperatives Lernen entstehen.

So lernt die Soziologin verschiedene Seiten Brasiliens kennen: Sie arbeitet im Sertão, einer der ärmsten Regionen des Landes, und wohnt in der Großstadt Fortaleza. Dort ist die Kriminalitätsrate sehr hoch, erzählt sie. Dennoch sei die Stadt in vielem, etwa bei Freizeitoptionen, vergleichbar mit Berlin. „Als Europäerin und gerade als Deutsche, die hier sehr beliebt sind, hat man Zugang zu den Extremen“, sagt sie. Julia Hildmann kommt mit allen in Kontakt: dem reichen Bekannten, der in einem Luxus-Condominio lebt, einer Art abgeriegelten Stadt in der Stadt mit Villen, Supermarkt und Schwimmbad. Und mit den armen Kindern und Jugendlichen im Sertão. Ihnen will sie mit PRECE eine neue Perspektive geben.

abi>> 24.07.2018