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„Arbeiten steht an erster Stelle“

Stuckfassade eines Hauses.
In der "Löwenstadt" zählt berufliches Engagement und Fleiß.
Foto: Katrin Hartisch

Arbeiten in Singapur – Interview

„Arbeiten steht an erster Stelle“

Singapur lockt viele Menschen, die Karriere machen wollen. Wer es in dem südostasiatischen Land schaffen will, muss Engagement und viel Fleiß zeigen, weiß Matthias Rauhut von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit.

abi>> Herr Rauhut, welche bürokratischen Hürden muss man überwinden, wenn man in Singapur arbeiten will?

Matthias Rauhut: Für eine Arbeitsaufnahme benötigen deutsche Staatsangehörige ein Arbeitsvisum, das durch das Ministry of Manpower (MOM) vergeben wird. Vor der Beantragung muss eine Zusage eines zukünftigen Arbeitgebers aus Singapur vorliegen. Der Arbeitgeber muss diesen Antrag seinerseits bei den zuständigen Behörden unterstützen. Da Singapur wie andere Länder auch seinen Arbeitsmarkt schützt, wird vorher genau geprüft, ob ein Arbeitsvisum vergeben werden kann. Bevor jemand aus dem Ausland eingestellt wird, muss das Stellenangebot mindestens zwei Wochen für Inländer ausgeschrieben werden. Erst im zweiten Schritt werden Ausländer berücksichtigt. Je besser man qualifiziert ist und einen entsprechenden Mehrwert für den singapurischen Arbeitsmarkt darstellt, desto unkomplizierter ist es, ein Arbeitsvisum zu erhalten.

abi>> Wie funktioniert das Versicherungssystem?

Matthias Rauhut: Die medizinische Versorgung in Singapur hat ein hohes, mit Europa vergleichbares Niveau. Allerdings sind die Kosten vergleichsweise hoch. Ausländische Arbeitnehmer, die keine Daueraufenthaltsbewilligung haben, besitzen keinen Anspruch auf staatliche Sozialversicherungen und müssen sich privat versichern oder um entsprechende Lösungen kümmern. Die meisten internationalen Arbeitgeber bieten einen Krankenversicherungsschutz für ihre Mitarbeiter an. Bei möglichen Vertragsverhandlungen sollte man daher dieses Thema nicht außer Acht lassen und mit dem zukünftigen Arbeitgeber besprechen.

abi>> Gibt es Unterschiede im Bewerbungssystem?

Ein Portrait-Foto von Matthias Rauhut.

Matthias Rauhut

Foto: privat

Matthias Rauhut: Da Singapur im Gegensatz zu anderen asiatischen Ländern von ausländischen Firmen dominiert wird, sollten grundsätzlich die „Bewerbungsrichtlinien“ des jeweiligen Landes eingehalten werden, aus dem das Unternehmen stammt. Wenn man nicht sicher ist, welche Unterlagen beigefügt werden sollen, sollte man sich im Zweifelsfall bei dem Unternehmen erkundigen, das die Stelle anbietet.

abi>> Welche Berufsgruppen oder Branchen sind in Singapur besonders gefragt?

Matthias Rauhut: Die wirtschaftliche Lage und der Arbeitsmarkt in Singapur gestalten sich derzeit sehr gut. Es herrscht praktisch Vollbeschäftigung mit einer Arbeitslosenquote von ca. 2 Prozent. Die wichtigsten Wirtschaftsbereiche, die auch ein entsprechendes Wachstum verzeichnen, sind die ölverarbeitende und chemische Industrie, die Elektronikindustrie, Maschinen- und Ausrüstungsgegenstände sowie die Biotechnologie und Pharmazie.

abi>> Welche Studienabschlüsse oder Berufe sind besonders gesucht in Singapur?

Matthias Rauhut: Vor allem gesucht werden gut ausgebildete Fachkräfte sowie Akademiker aus dem IT-, dem medizinischen und dem ingenieurwissenschaftlichen Bereich. Singapur ist auch ein Land der Forscher und Entwickler. Daher haben, neben EDV- und IT- Spezialisten, Ingenieure aus den Gebieten Entwicklung, Konstruktion, Elektronik und Maschinenbau sehr gute Aussichten auf eine Anstellung. Zusätzlich zur Jobsuche auf den bekannten Stellenportalen lohnt sich immer der Blick auf die Website der Deutsch-Singapurischen Handelskammer.

abi>> Was sind markante Eigenschaften der südostasiatischen Arbeitswelt und welche Unterschiede gibt es zum deutschen Berufsleben?

Matthias Rauhut: In Singapur steht Arbeiten an erster Stelle, Work-Life-Balance liegt nicht im Fokus. Engagement und Fleiß sind wichtig, sodass eine Arbeitszeit von über 60 Wochenstunden keine Seltenheit darstellt. Ausländische Arbeitnehmer, die nicht von ihrer Firma entsendet worden sind, bekommen lokal übliche Gehälter gezahlt, die in der Regel geringer sind als für entsendete Arbeitnehmer. Der Jahresurlaub hängt von der Beschäftigungsdauer ab: 14 Tage für Arbeitnehmer, die seit zehn Jahren beschäftigt sind, davor deutlich weniger. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass Singapur über ein hervorragendes Sport- und Freizeitangebot verfügt, das den Menschen Entspannung und Ausgleich vom harten, anstrengenden Arbeitsalltag bietet. Neben Schwimmen, das die Singapurer schon wegen der stets heißen Temperaturen begeistert wahrnehmen, sind Tennisspielen, Golfen, Tauchen und Segeln sehr beliebte Möglichkeiten, sich von der Hektik des Alltags zu erholen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild

www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)

Informationen rund um Ausbildung, Studium, Praktikum und Arbeiten im Ausland; in erster Linie auf Europa bezogen, aber auch außereuropäisches Ausland
www.ba-auslandsvermittlung.de

Deutsche Botschaft Singapur

Praktische Tipps und Informationen über den Stadtstaat
singapur.diplo.de/sg-de

German Association in Singapur

Interessengemeinschaft für Deutsche und deutschsprachige Ausländer in Singapur
german-association.org.sg

Auswärtiges Amt

Auf den Länderseiten findest du Infos zu Einreisebestimmungen, Sicherheitshinweisen, deutschen Vertretungen in Singapur und vieles mehr.
www.auswaertiges-amt.de

Deutsch-Singapurische Industrie- und Handelskammer

Die Auslandshandelskammer Singapur berät, betreut und vertritt deutsche Unternehmen in Singapur, die ihr Auslandsgeschäft auf- oder ausbauen wollen und bietet wirtschaftliche Informationen.
www.sgc.org.sg

Ministry of Manpower in Singapur

Informationen zu Einreisebestimmungen und Arbeitserlaubnissen
www.mom.gov.sg

Singapur Customs Guide

Informationen zu Einreise- und Zollformalitäten
www.customs.gov.sg

abi>> 23.08.2019