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„Immer neugierig bleiben“

Seevogel am Strand
Tonnenweise Plastikmüll schwimmt weltweit in den Ozeanen – eine große Bedrohung für Meerestiere und Seevögel.
Foto: Archiv Möller Medien

Meeresforschung: Interview

„Immer neugierig bleiben“

Welche Ausbildungswege führen in die Meeresforschung – und welche Voraussetzungen sind wichtig? abi» hat bei Dr. Jörg Süling nachgefragt, dem Koordinator des Masterstudiengangs Biological Oceanography der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel beim Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung.

abi>> Herr Dr. Süling, welche Berufsmöglichkeiten gibt es in der Meeresforschung?

Jörg Süling: Im Grunde ist jede Wissenschaft gefragt. Bei Geomar sind zum Beispiel Biologen, Chemiker, Geologen und Meteorologen im Einsatz. Auch Juristen, etwa wenn es bei Themen wie Unterwasserbergbau um Internationales Seerecht geht. Die meisten Geomar-Mitarbeiter haben eine Doktorarbeit im Bereich Meeresforschung verfasst. Die Promotion ist wichtig, da man im deutschen Forschungssystem in der Regel sonst nicht berechtigt ist, Forschungsanträge zu stellen und Fördergelder einzuwerben. Die aber braucht man, um eine Forschungsidee umsetzen zu können.

abi>> Wie sieht es mit Ausbildungsberufen aus?

Jörg Süling: In den Laboren arbeiten zum Beispiel Chemisch- und Biologisch-technische Assistenten. In anderen Bereichen helfen Mechatroniker bei der Wartung und Entwicklung von Unterwassergerät. Am Geomar arbeiten ferner Bibliothekare, IT-Techniker, Verwaltungsfachleute und einige mehr, die oft auch hier ausgebildet werden.

abi>> Bedeutet eine Anstellung bei Einrichtungen wie Geomar automatisch, dass man an Forschungsreisen teilnimmt?

Ein Porträt-Foto von Jörg Süling

Jörg Süling

Foto: Privat

Jörg Süling: Forschungsreisen sind immer projektbezogen und müssen aufwendig beantragt, begutachtet und genehmigt werden. Nur dann hat man die Chance, an einer Forschungsreise teilzunehmen – also nicht automatisch. Bei unseren Stellenausschreibungen taucht deshalb oft der Satz auf: „Die Bewerber müssen bereit sein, an mehrwöchigen Forschungsreisen teilzunehmen.“ Oft arbeitet man aber auch mit Proben oder Daten im Labor, die andere auf Reisen gewonnen haben. Es ist jedoch immer vorteilhaft, zu wissen, wie diese entstanden sind. Deswegen ist ein Aufenthalt an Bord wichtig.

abi>> Welche Tätigkeitsfelder gibt es auf einem Schiff?

Jörg Süling: Im Prinzip sind die Tätigkeiten dieselben wie im Labor an Land – nur eben an Bord. Die Schiffslaboratorien sind bis auf Schränke und Arbeitsflächen komplett leer. Vom Reagenzglas bis zum Ersatzteil muss man alles selbst mitbringen und reparieren können – schließlich kann man nichts nachbestellen.

abi>> Welche Voraussetzungen sind für die Arbeit auf einem Forschungsschiff wichtig?

Jörg Süling: Man muss mehrere Wochen Tag und Nacht mit vielen Personen auf engstem Raum zusammen sein können. Dabei entwickeln sich Sympathien und Antipathien extrem schnell und intensiv. Das muss man aushalten können. Außerdem darf man natürlich nicht schnell seekrank werden. Daher sollte man bereits im Studium an Forschungsreisen teilnehmen.

abi>> Sind Anstellungen in der Meeresforschung stets projektbezogen?

Jörg Süling: Nein, die Leitungspositionen sind in Form von Professuren unbefristet, Technikerstellen oft ebenfalls. International ausgeschriebene Wissenschaftlerstellen, die im Rahmen von Forschungsanträgen zum Beispiel bei verschiedenen Ministerien oder der Deutschen Forschungsgemeinschaft beantragt und bewilligt werden, sind meist auf zwei bis drei Jahre befristet. Solange man in der Forschung gute Ergebnisse erzielt, publiziert und erfolgreiche Anträge schreibt, hat man ein recht gesichertes Auskommen.

abi>> Welche weiteren Einsatzmöglichkeiten neben der projektbezogenen Meeresforschung gibt es?

Jörg Süling: Es gibt viele weitere Einsatzbereiche: maritime Umweltbegutachtung und Überwachung im In- und Ausland (Offshore Windparks, Pipelinebau, Fischerei etc.), Umweltanalytik in der Privatwirtschaft oder auch Pharmazie. Ganz wichtig ist: Immer neugierig bleiben und sich bietende Chancen nutzen, auch wenn die Stelle nicht hundertprozentig zum Studienschwerpunkt oder zur Masterarbeit passt.

abi>> Welche Themen liegen bei der Meeresforschung derzeit im Trend?

Jörg Süling: Die Klimaveränderung steht besonders im Zentrum, außerdem Umweltgefahren wie Tsunamis und unterseeische Vulkanausbrüche. Auch das Thema Rohstoffe ist wichtig, von Fischerei und Aquakultur über mineralische Rohstoffe und Unterwasserbergbau bis zu biologisch-chemischen Wirkstoffen, die aus Meeresorganismen gewonnen werden und bei vielen Schmerz- und Krebsmedikamenten, die derzeit entwickelt oder teilweise schon eingesetzt werden, eine Rolle spielen.

abi>> 14.04.2016