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Messen, prüfen, Auskunft geben

Mann sieht sich an einem Wandplan mit einem Lineal einen geplanten Neubau genauer an
Bausachverständiger beurteilen den Zustand von Gebäuden und erstellen Gutachten.
Foto: Martin Rehm

Bausachverständiger

Messen, prüfen, Auskunft geben

Als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden ist Dirk Schäfer (39) aus Bonn sowohl für Gerichte als auch für Privatpersonen tätig. In seinem Berufsalltag geht es in erster Linie darum, Gebäude zu begutachten.

Wenn es um Streitfälle rund um eine Immobilie geht, bekommt Dirk Schäfer einen Begutachtungsauftrag von Gerichten aus dem Kammerbezirk Bonn. Aber auch von Privatleuten, Hausverwaltungen und Bauträgern, die aus verschiedenen Gründen ein Gutachten benötigen, wird er gebucht. Manchmal geht es dann um die Abnahme eines Neubaus, manchmal um Schäden an einer bestehenden Immobilie oder darum, zu bewerten, ob Reparaturen notwendig sind. „Häufig ist Feuchtigkeit das Problem“, weiß der selbstständige Sachverständige.

Ein Porträt-Bild von Dirk Schäfer

Dirk Schäfer

Foto: Privat

„Mein wichtigstes Werkzeug bei der Begutachtung sind meine Augen und ein Fotoapparat. Damit kann ich oft schon feststellen, woran es liegt und ob oder was getan werden muss.“ Manchmal verwendet er auch Feuchtigkeits- oder andere Messgeräte, um den Zustand eines Baustoffs oder eines Bauteils zu analysieren. „Oder ich entnehme einen Bohrkern und schicke diesen zur Untersuchung in ein Labor“, sagt er.

Als Generalist kennt sich Dirk Schäfer mit vielen Regelwerken aus, die im Immobiliengeschäft eingesetzt werden. „Aber in manchen Details bin ich kein Experte. Wenn es um ganz bestimmte Fragestellungen geht, etwa um Schallschutz oder Statik, ziehe ich einen weiteren Fachmann hinzu“, sagt er.

Schriftliche Gutachten erstellen und Gerichtstermine wahrnehmen

Arbeitet er für das Gericht oder auch für ein Versicherungsunternehmen, muss Dirk Schäfer ein schriftliches Gutachten erstellen, das bestimmte Kriterien erfüllt. „Es muss technisch korrekt, aber trotzdem für den Laien verständlich sein“, erklärt er. Manchmal wird er in Streitfällen auch mündlich vor Gericht vernommen. Bei Privatterminen reicht es oft, ein kurzes Protokoll oder eine gutachterliche Stellungnahme anzufertigen.

Zu seiner heutigen Tätigkeit kam Dirk Schäfer auf Umwegen. Ursprünglich wollte er Bauleiter werden. Das war sein Ziel in der Schule, während seiner Ausbildung zum Stahlbetonbauer (heute: Beton- und Stahlbetonbauer) und während seines Studiums im Bereich Bauingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Baubetrieb an der Technischen Hochschule Köln. Nach dem Diplomabschluss war Dirk Schäfer als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule in einem Forschungsprojekt zur Baustoffkunde tätig. „Mit meinem Professor, der als Leiter des Baustofflabors auch als Bausachverständiger arbeitete, war ich öfter auf Ortsterminen. Diese Baustoffprüfungen haben mich fasziniert und so änderte ich meine beruflichen Pläne“, erinnert er sich.

Lehrgang nach dem Studium

Er stieg als Leiter der Betonprüfstelle beim Bauunternehmen Strabag ein und besuchte berufsbegleitend einen Lehrgang zum Bausachverständigen beim Institut für Sachverständigenwesen (IfS) e.V. In diesem Lehrgang, der heute in drei Modulen angeboten wird, erlernen die Teilnehmer an insgesamt 28 Seminartagen das theoretische Rüstzeug für ihre spätere Tätigkeit. Auf dem Plan stehen etwa Wärmeschutz, Feuchtigkeitsschutz und Abdichtungstechnik, Schall- und Brandschutz.

„Innerhalb des Jahres musste ich damals für zehn Module lernen und Prüfungen ablegen, abschließend folgte eine Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer“, erinnert sich der 39-Jährige. Voraussetzungen für die Teilnahme am Lehrgang sind ein abgeschlossenes Studium der Architektur beziehungsweise des Bauingenieurwesens sowie fünf Jahre Berufserfahrung, möglichst in Bauplanung oder Bauleitung. „Nach bestandener Prüfung arbeitete ich anteilig in einem Ingenieurbüro, bis ich mich schließlich in der Nähe von Bonn ganz als Sachverständiger selbstständig machte“, erzählt Dirk Schäfer, der seine Berufswahl bis heute nicht bereut.

abi>> 05.10.2015