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Integration dank Patenschaften

Eine Frau mit Kopftuch schreibt das Wort Freiheit an eine Tafel.
Von Behördengängen über Sprachkurse bis hin zum Aufbau sozialer Netzwerke: Integration besteht aus zahlreichen kleinen Schritten.
Foto: Martin Rehm

Projektreferentin einer Menschenrechtsorganisation

Integration dank Patenschaften

Geflüchtete Frauen und ehrenamtliche Patinnen zusammenbringen, ihr Miteinander fördern und damit die Integration erleichtern – darum geht es in dem Projekt „Connect“, das Naïla Chikhi (37) für die Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes e.V. mitentwickelt hat und nun betreut.

Gewalt gegen Frauen wie Genitalverstümmelung, andere Benachteiligungen im oftmals patriarchalisch geprägten Herkunftsland und keinen Zugang zur Bildung: Viele geflüchtete Frauen teilen ein ähnliches Schicksal. Für sie ist es besonders schwierig, sich in Deutschland zurechtzufinden und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Unterstützung bietet das Projekt „Connect“. Es stellt geflüchteten Frauen nach ihrer Ankunft in Berlin ehrenamtliche Patinnen zur Seite.

Vom Konzept bis zur Umsetzung

Ein Porträt-Foto von Naïla Chikhi

Naïla Chikhi

Foto: Terre des Femmes

Die Projektreferentin Naïla Chikhi erinnert sich noch gut an die Entstehung des Programms: „Meine erste Aufgabe bestand darin, es auf die Beine zu stellen“, erzählt sie. „Dazu habe ich mich mit bereits aktiven Ehrenamtlichen oder Sozialarbeitern ausgetauscht und Notunterkünfte besucht, um herauszufinden, wie hier am besten geholfen werden kann.“ Auf der Basis ihrer Rechercheergebnisse entwickelte sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen ein Schulungskonzept für Patinnen. Die entstandenen Kurse führt die 37-Jährige nun selbst durch. „Dabei bekommen die Patinnen grundlegende Informationen über die Lage der geflüchteten Frauen und erfahren, wie sie sie am besten unterstützen können.“

Hilfreich sind beispielsweise die Begleitung bei Behördengängen und der Beistand bei der Suche nach einer Arbeitsstelle, einem Wohnraum oder Sprachkurs. Aber auch gemeinsame Unternehmungen und der Aufbau eines sozialen Netzwerks sind von großer Bedeutung.

Die Realität im Blick

Naïla Chikhi betreut die Patenschaften von Anfang an. Mit potenziellen Patinnen, die sich bei ihr melden, führt sie erste Gespräche zum Kennenlernen und um die zeitlichen Kapazitäten auszuloten. Es folgen die Schulung und das sogenannte „Matching“ der Patin mit der geflüchteten Frau. „Die Patenschaft wird dann von den beiden selbstständig geplant. Bei Fragen oder Problemen bin ich aber weiterhin für sie da“, erklärt sie. Auch organisiert sie regelmäßig Gruppentreffen, bei denen sich die Patinnen untereinander austauschen können.

Die geflüchteten Frauen kommen aus unterschiedlichen Ländern. Um ihnen das Projekt vorzustellen, besucht die 37-Jährige ihre Unterkünfte. „Es ist wichtig, auch vor Ort zu sein, um immer den Bezug zur Realität zu haben“, betont sie. Außerdem kommuniziert sie mit Akteuren anderer Initiativen und macht auf Veranstaltungen auf das Projekt aufmerksam. So gewinnt sie weitere Patinnen und Unterstützer. All dies erfolgt in engem Austausch mit ihren Kolleginnen, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmern, die Homepage www.connect-women.de betreuen und Berichte zu den Aktivitäten verfassen.

Umfassend qualifiziert

„Als Projektreferentin hat man immer Ideen, wie etwas aussehen sollte oder könnte. Aber man arbeitet hier für Menschen und muss daher auch flexibel und anpassungsfähig sein“, erläutert Naïla Chikhi. Sie stammt selbst aus Algerien und die Erfahrung, im Alter von 19 Jahren zugewandert zu sein, hilft ihr sehr. Und auch die Kenntnisse aus ihrem Studium der Angewandten Sprach- und Kulturwissenschaften an der Universität Mainz kommen ihr zugute. Darin hat sie sich auf die Sprachen Deutsch, Französisch und Arabisch sowie den Schwerpunkt interkulturelle Kommunikation konzentriert. Zudem engagierte sie sich im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Hochschule als Frauenreferentin.

Nach ihrem Diplomabschluss unterrichtete Naïla Chikhi zunächst in Integrationskursen Deutsch als Fremdsprache, anschließend kam sie zu Terre des Femmes. Mit ihren Qualifikationen konnte sie die Projektstelle im Referat „Flucht und Frauenrechte“ der Bundesgeschäftsstelle antreten. Eine wesentliche Voraussetzung für ihre Arbeit ist, dass sie komplett hinter der Organisation und dem Projekt steht. „Besonders gefällt mir die Möglichkeit, dass sich Patinnen und geflüchtete Frauen im Tandem direkt kennenlernen und auf diese Weise besser ihre jeweiligen Lebensweisen verstehen können“, sagt sie und resümiert: „So kann Integration funktionieren.“

abi>> 21.11.2017