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Ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl

Ein Gesetzbuch steht auf einem Tisch neben einem Stapel Gerichtsakten.
Zivilstation, Strafstation, Anwaltsstation: Am Landgericht Stuttgart durchlaufen Rechtsreferendare verschiedene Abteilungen.
Foto: Ingo Wagner

Rechtsreferendariat

Ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl

Seit einigen Monaten ist Lea Kuhr (26) Rechtsreferendarin beim Landgericht Stuttgart. Die zweijährige Ausbildung in den unterschiedlichen Praxisstationen wird von wöchentlichem Unterricht und Klausuren begleitet.

Lea Kuhr bearbeitet derzeit Mandate einer großen Anwaltskanzlei in Stuttgart: Sie schreibt Berichte über Gerichtstermine, verfasst Klagen oder Klage-Erwiderungen. Ihre Arbeit bespricht sie hinterher mit ihrem Chef. „Mir wird hier ermöglicht, relativ viel eigenverantwortlich zu arbeiten, nicht nur bloße Recherche. So kann ich die Arbeit eines Rechtsanwalts wirklich kennenlernen“, findet die 26-Jährige. Als Rechtsreferendarin am Landgericht Stuttgart durchläuft sie in zwei Jahren verschiedene Stationen nach einem festgelegtem Ausbildungsplan: Zivilstation, Strafstation, Anwaltsstation I, Verwaltungsstation, Anwaltsstation II und eine Wahlstation. In jeder Station wird sie von einem ausgebildeten Juristen angeleitet – für Richter bereitet sie zum Beispiel Urteile vor, für Staatsanwälte die Anklageschriften. Während ihrer Ausbildung erhalten die Rechtsreferendare in Baden-Württemberg eine monatliche Unterhaltsbeihilfe von circa 1.000 Euro netto.

Urteile bearbeiten

Ein Porträt-Foto von Lea Kuhr

Lea Kuhr

Foto: privat

Parallel zu den ein bis zwei Praxistagen pro Woche nimmt die Rechtsreferendarin am Unterricht teil, der vom ausbildenden Landgericht organisiert wird. „Einmal pro Woche habe ich Unterricht in Arbeitsgemeinschaften: Zivilrecht, Strafrecht, öffentliches Recht, immer im Wechsel und mit Fokus auf die Ausbildungsstation, in der ich gerade bin“, sagt sie. Zu Stationsarbeit und der Arbeit in den Arbeitsgemeinschaften kommen regelmäßige, zumeist freiwillige Übungsklausuren: Unter Examensbedingungen werden Fälle bearbeitet.

Lea Kuhr wollte immer schon Juristin werden, weil sie gerne mit Menschen zusammenarbeitet und ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl hat. „Man muss den Beruf wirklich wollen, weil man sich schon auch durchquälen muss durch die lange Ausbildung mit der ganzen Lernerei“, meint sie. Die Vorbereitung auf das Zweite Staatsexamen findet sie noch schwieriger als auf das Erste: „Man muss alles unter einen Hut bringen, viel aus den Stationen mitnehmen und noch Zeit zum Lernen finden.“ Das erfordert viel Selbstdisziplin und Eigenverantwortung. „Meine Freunde beneiden mich aber darum, dass ich in alle Berufszweige hineinschnuppern kann. Es ist auch sinnvoll, dass man die Sichtweise von allen Berufsgruppen kennenlernt – als Anwalt hat man ja auch viel mit Richtern zu tun und umgekehrt.“

Zweite juristische Staatsprüfung

Im Sommer nächsten Jahres stehen dann die acht Klausuren der Zweiten juristischen Staatsprüfung an: Vier in Zivilrecht, zwei in Strafrecht und zwei in öffentlichem Recht. Die Bearbeitungszeit beträgt jeweils fünf Stunden. „Man muss nicht alles auswendig können, aber man muss wissen, wo die entsprechenden Paragrafen zu finden sind, die Rechtsprechung und den Aufbau der Urteile kennen. Es gibt sehr viele unterschiedliche Rechtsgebiete, die abgefragt werden können.“

Allein die Examensergebnisse bestimmen die Abschlussnote. Nach den schriftlichen Prüfungen folgen noch die Wahlstation und der mündliche Teil des Staatsexamens. Dann, nach neun Semestern Studium an der Uni Freiburg und zwei Jahren Rechtsreferendariat, wird Lea Kuhr ausgebildete Juristin sein. „Ich würde gerne in einer Kanzlei anfangen, später dann vielleicht in den Staatsdienst oder in ein Unternehmen gehen“, schildert sie ihre Karrierepläne.

abi>> 10.10.2016