Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Testlauf als Juristin

Ein junger Mann geht alte Akten im Archiv durch
Ran an die Akten: Das Referendariat gibt einen Überblick über die Möglichkeiten, die einem als Jurist offenstehen.
Foto: Susanne Erler

Rechtsreferendariat

Testlauf als Juristin

Tosca Hohm ist Anwältin in einer Kanzlei. Das Rechtsreferendariat, das sie nach dem Ersten Staatsexamen absolviert hat, hat der 26-Jährigen geholfen, sich für einen juristischen Bereich zu entscheiden.

Ich habe Jura an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Kurz nach dem Ersten Staatsexamen begann ich mein Referendariat, das aus mehreren Stationen bestand, in denen ich zahlreiche mögliche Einsatzbereiche kennenlernen konnte. Die Aufteilung ist je nach Bundesland unterschiedlich. In Rheinland-Pfalz ging es für mich in den ersten fünf Monaten in die Zivilstation, wo man bei einem Land- oder einem Amtsgericht einem Richter zugeteilt wird.

Von Zivil- bis Strafrecht

Ein Porträt-Foto von Tosca Hohm

Tosca Hohm

Foto: privat

Ich habe mich für ein Landgericht entschieden, das sich mit Arzthaftungsfragen beschäftigt – ein spannendes Thema. Für mich als Referendarin bedeutete das, mich durch umfangreiche Akten mit Schriftsätzen der Anwälte durchzuarbeiten, Urteile zu schreiben und sie anschließend mit der Richterin zu besprechen. Ein- bis zweimal in der Woche habe ich mich in Arbeitsgemeinschaften mit anderen Referendaren auf das Zweite Staatsexamen vorbereitet.

Als nächstes folgte die viermonatige Verwaltungsstation. Diese kann man beispielsweise bei einer Behörde oder einem Verwaltungsgericht absolvieren. Ich habe mich alternativ für ein Ergänzungsstudium an der Verwaltungshochschule in Speyer entschieden, um in Seminaren und Arbeitsgemeinschaften bestmöglich auf das Zweite Staatsexamen vorbereitet zu werden. Meine Seminararbeit behandelte ein Thema aus dem Asylrecht.

In meiner Strafstation wäre ich gern zur Staatsanwaltschaft gegangen, habe aber keinen Platz bekommen. Im Nachhinein bin ich froh, weil die Arbeit in der ersten großen Strafkammer des Landgerichts Mainz am Schwurgericht sehr spannend war. Diese Kammer befasst sich hauptsächlich mit Tötungsdelikten. Unter anderem habe ich häufig an den Beratungen der Strafkammern zur Entscheidungsfindung teilgenommen.

Einblick in den Kanzleialltag

Meine neunmonatige Anwaltsstation habe ich bei der internationalen Kanzlei Linklaters absolviert, bei der ich zuvor schon als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig gewesen war. Hier lernte ich den Arbeitsalltag von Anwälten näher kennen. Ich arbeitete im Fachbereich ‚Dispute Resolution‘, der sich mit Prozessführung und alternativen Formen der Streitbeilegung beschäftigt. Dort entwarf ich Schriftsätze, nahm an Telefonkonferenzen mit Mandanten teil und führte Recherchen für Anwälte durch. Der Schwerpunkt meiner Tätigkeit lag dabei auf energierechtlichen Themen. Während dieser Station schrieb ich die Prüfungen meines Zweiten Staatsexamen. Außerdem konnte ich eine Woche im Stammhaus der Kanzlei in London arbeiten und dort internationale Kontakte knüpfen.

Meine dreimonatige Wahlstation verbrachte ich bei einer weiteren Großkanzlei, um das Wirtschaftsstrafrecht kennenzulernen. Hier ging es hauptsächlich darum, nach intensivem Aktenstudium und Erforschung verschiedenster Sachverhaltsfragen rechtliche Bewertungen der Fälle vorzunehmen.

Als Anwältin Fuß gefasst

Nachdem ich auch die mündliche Prüfung meines Examens absolviert hatte, kehrte ich als Junganwältin zu Linklaters zurück, weil mir hier von Anfang an das Team und die Arbeit sehr gut gefallen haben. Auch inhaltlich habe ich im Laufe meines Referendariats festgestellt, dass mir die Anwaltstätigkeit am meisten Spaß macht. Besonders gefällt mir dabei, dass Sprache eine besondere Rolle dabei spielt, wenn es darum geht, Dritte von meinen Ansichten zu überzeugen – wobei ich auch die Einblicke in den Richterberuf sehr spannend fand. Das Referendariat ist aus meiner Sicht eine gute Sache, um einen Überblick über die Möglichkeiten zu bekommen, die einem als Jurist offenstehen.“

abi>> 18.03.2019