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„Jurist und Psychologe in einem“

Eine junge Frau in einer Richterrobe bespricht sich mit zwei Kollegen in einem Büro.
Wer Richter werden möchte, braucht neben guten Noten vor allem viel Geduld für die zeitaufwändige Studien- und Vorbereitungsphase.
Foto: Martin Magunia

Richter

„Jurist und Psychologe in einem“

Verhandlungen in Robe führen, Urteile schreiben und verkünden, Gütetermine moderieren: Jakob Schmidkonz (32) ist Richter für Mietrecht am Amtsgericht München.

Darf der Vermieter wegen Eigenbedarf kündigen? Ist die Nebenkostenabrechnung korrekt? Muss der Mieter noch ausstehende Zahlungen leisten? Diese Fragen sind Alltag für den seit eineinhalb Jahren als Richter tätigen Juristen Jakob Schmidkonz. Immer an seinen Verhandlungstagen, dienstags und freitags, spricht er in Robe im Sitzungssaal Recht oder versucht, in sogenannten Güteterminen eine Einigung ohne Beweisaufnahme zu erzielen. „Ich bin ein Streitrichter, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt“, erklärt der 32-Jährige. Die anderen Tage der Woche nutzt er zur Vor- und Nachbereitung, zum Vereinbaren von Verhandlungsterminen, zum Einholen von Gutachten und für andere ergänzende Tätigkeiten.

Langer Weg zur Richterstelle

Ein Porträt-Foto von Jakob Schmidkonz

Jakob Schmidkonz

Foto: Amtsgericht München

Um die Stelle zu bekommen, hat Jakob Schmidkonz einen langen Ausbildungsweg hinter sich gebracht. Begonnen hatte er in München mit einem Politikstudium, bevor er sich für Jura entschied. „Als Schwerpunkte habe ich Kriminologie und Jugendstrafrecht gewählt“, erzählt der heutige Richter. „Strafrecht ist immer noch meine fachliche Leidenschaft. Im Staatsdienst wird man aber eher als Allrounder eingesetzt.“

Nach dem ersten Staatsexamen war Jakob Schmidkonz zunächst zwei Jahre als externer Doktorand an der Universität Göttingen eingeschrieben. Um sich zu finanzieren, jobbte er in einer Kanzlei und als Korrektor für Klausuren. Es folgte der juristische Vorbereitungsdienst mit Stationen in Heilbronn und Stuttgart sowie die letzte Prüfung zum zweiten Staatsexamen, ungefähr zehn Jahre nach Studienbeginn.

„Ich wollte schon während des Studiums gerne Richter oder Staatsanwalt werden“, erzählt Jakob Schmidkonz. In Bayern bewirbt man sich für die Justiz, in anderen Bundesländern auch speziell für das Richteramt oder die Staatsanwaltschaft, direkt bei den Landesbehörden. „Die Note ist für die Einstellung das entscheidende Kriterium. Zwar werden auch die Soft Skills beachtet, aber ohne den entsprechenden Notendurchschnitt kommt man nicht rein“, meint der Richter.

Konstruktive Lösungen erarbeiten

Hat man die Zusage für eine Stelle, kann es dann ganz schnell gehen. „Man ist sehr lange in der Ausbildung und hat die Praxis nur als Referendar kennengelernt. Dann bekommt man eine Stelle als Richter und darf nach Studium und zweijähriger Referendarzeit mit erfahrenen Fachanwälten verhandeln und gegebenenfalls entscheiden. Das war schon eine faszinierende Herausforderung“, erzählt Jakob Schmidkonz.

Er schätzt die Unabhängigkeit seines Berufs. „Meine Vorgabe ist, dass ich eine gewisse Anzahl von Fällen im Monat bearbeiten muss, das sogenannte Pensum. Wann und wie ich das mache, kann ich im Wesentlichen selbst bestimmen. Da kann ich im Rahmen der Gesetze viel selbst gestalten“, berichtet er. Ein hohes Maß an Flexibilität braucht der Richter für Mietrecht auch bei den Verhandlungen, in denen es oft nicht nur um die Sache geht: „Das Menschliche steht in dem Beruf sehr im Vordergrund. Da gibt es oft angestaute Wut und Missstimmung zwischen den Parteien. Wenn man es da schafft, einen Vergleich zu schließen und so auch den Streit aufzulösen, hat man für die Zukunft viel Konstruktives geschaffen“, meint Jakob Schmidkonz. „Da ist man zu 70 Prozent Jurist und zu 30 Prozent Psychologe.“

In der Zukunft warten noch weitere Tätigkeiten auf den Münchner Juristen: In den ersten vier Jahren im bayerischen Staatsdienst sind zwei Jahre Richteramt und zwei Jahre Tätigkeit für die Staatsanwaltschaft vorgesehen, die er im Frühjahr beginnt. Danach wird individuell und nach Personalbedarf entschieden, mit welcher Stelle die Karriere weitergeht.

abi>> 14.08.2017

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