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Versicherungsmathematik für Fortgeschrittene

Ein Planungsbesprechung mit Mitarbeitern
Aktuare ermitteln Versicherungsprämien, zum Beispiel in Fällen von Krankheit, Diebstählen oder Erdbeben.
Foto: Axel Jusseit

Aktuarin

Versicherungsmathematik für Fortgeschrittene

Direkt nach ihrem Studium der Wirtschaftsmathematik begann Vera Schneider (27) berufsbegleitend mit der Weiterbildung zur Aktuarin.

Aktuare sind bei Versicherungsunternehmen aufgrund ihrer hohen Expertise begehrte Mitarbeiter. Die Versicherungs- und Finanzmathematiker berechnen Risiken wie Diebstähle, Erdbeben oder Krankheitskosten. Auf der Grundlage ihrer Berechnungen werden die Versicherungsprämien ermittelt, die die Kunden zahlen. Auch Vera Schneider rannte mit ihrem Berufswunsch offene Türen ein: „Ich wollte gern direkt nach der Uni mit der Weiterbildung anfangen, weil einem dann das Lernen noch leicht fällt.“

Und sie hatte Glück, denn an der Universität Ulm, wo Vera Schneider ihr Bachelor- und Masterstudium in Wirtschaftsmathematik absolviert hatte, wurde schon früh der Beruf des Aktuars gefördert. „Einige der Prüfungen, die ich an der Uni gemacht habe, konnte ich mir bei der Aktuarsausbildung anrechnen lassen“, berichtet die 27-Jährige, die inzwischen bei der Hannover Rück als Underwriter für die Lebenssparte im Marktbereich Deutschland arbeitet, das heißt sie übernimmt die Risikoprüfung und analysiert und beurteilt Versicherungsverträge.

In die Lebenssparte gehören alle Versicherungen, die den Menschen absichern, also zum Beispiel Kranken-, Renten- oder Lebensversicherungen.

Hohe Anforderungen in der Ausbildung

Ein Porträt-Foto von Vera Schneider

Vera Schneider

Foto: privat

Für die Weiterbildung zum Aktuar müssen die Teilnehmer zehn Prüfungen bestehen, unter anderem in den Fächern wirtschaftliches und rechtliches Umfeld, Angewandte Stochastik, Finanzmathematik und Risikobewertung sowie Versicherungsmathematik. Es gibt jeweils zwei Prüfungsphasen pro Jahr. „Mehrmals im Jahr besuche ich Seminare, außerdem nehme ich mir vor den Prüfungen immer eine Woche zum Lernen frei“, erklärt die Wirtschaftsmathematikerin. Hinzu kommt das Studium zu Hause nach der Arbeit und am Wochenende – alles in allem ist eine Aktuarsausbildung, die insgesamt drei Jahre dauert, also mit einem recht hohen Aufwand verbunden.

Noch befindet sich Vera Schneider zwar in der Ausbildung – aber schon heute bearbeitet sie als Underwriter die gleichen Aufgaben wie ihre Aktuarskollegen. „Durch die Ausbildung lerne ich die Versicherungsmathematik noch mal viel tiefer kennen.“ Derzeit entwickelt die angehende Aktuarin zusammen mit Erstversicherern, den Kunden eines Rückversicherers Konzepte, um Kapitalkosten zu optimieren und Risiken zu reduzieren. „Wir verhandeln mit den Erstversicherern die Konditionen oder unterstützen sie bei der Entwicklung neuer Produkte, weil wir auf mehr Daten zugreifen und die Risiken besser berechnen können.“

Da die Rückversicherung ein internationales Geschäft ist, stehen hin und wieder auch Auslandseinsätze an. Vor einer Weile war Vera Schneider zum Beispiel für sechs Wochen in Spanien, um die Arbeitsweise ausländischer Märkte kennenzulernen. „Ich mag bei meiner Arbeit vor allem die Mischung aus Berechnungen am Computer und der Zusammenarbeit mit den Kunden“, sagt die Underwriting-Spezialistin.

Analytisches Denken gefragt

Für ihren Job braucht die künftige Aktuarin viel Durchhaltevermögen, weil die Suche nach Lösungen sich schon mal länger hinziehen kann. „Man muss analytisch denken können und je nach Markt, in dem man arbeitet, die passenden Sprachkenntnisse mitbringen.“ Sobald sie ihre Aktuarsausbildung abgeschlossen hat, wird Vera Schneider in die Deutsche Aktuarsvereinigung aufgenommen. „Die Mitglieder können regelmäßig an Fachvorträgen, Tagungen und Kongressen teilnehmen, wo man sich gut mit anderen Versicherungs-mathematikern vernetzen kann“, erklärt Vera Schneider. „Außerdem müssen wir als Aktuare unser Wissen immer wieder auffrischen, um den Titel weiter führen zu dürfen.“

abi>> 12.11.2018