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Studentenleben live

Studieren in Paris?

Mit Erasmus nach Paris zu gehen, das hatte ich mir vor kurzem überlegt. Wer in Frankreich was werden will, kommt an Paris kaum vorbei. Und wenn von irgendeiner großen Uni in Frankreich die Rede ist, dann ist das meist die Sorbonne in – genau: Paris.

Also bin ich für ein paar Tage dorthin gefahren und habe mir ein paar Unis angeschaut. Die Einrichtungen der Sorbonne sind über die ganze Stadt verteilt – es gibt die Sorbonne 4, Sorbonne 8 und so weiter. Die Nummern stehen dabei für die Stadtviertel, in denen das jeweilige Gebäude steht. Sorbonne 4 ist demnach im vierten Arrondissement, so werden die Stadtbezirke hier genannt. Die Erstsemester haben ihre Veranstaltungen in den eher außerhalb gelegenen Stadtvierteln in jüngeren Gebäuden. Da ich schon etwas länger studiere, bin ich zum alten Sorbonne-Gebäude im vierten Arrondissement gegangen.

Doch an jedem Eingang dieses alten Gebäudes aus dem 17. oder 18. Jahrhundert standen Wächter in blauer Uniform, denen man seinen Studentenausweis zeigen muss, um reingelassen zu werden. Ich habe es mit meinem Leipziger Studentenausweis probiert, aber der Wächter ließ mich nicht durch. Nur immatrikulierte Studenten hätten Zutritt. Ich bin also wieder gegangen – und habe einen jungen Kerl angesprochen, von dem ich dachte, er sei Student. Er meinte, ich solle es einfach noch mal bei einem anderen Wächter probieren und sagen, ich hätte meinen Ausweis vergessen, aber gleich eine Geschichtsvorlesung bei Professor XY. Das klang gut! Ich bedankte mich bei ihm und ging zu einem anderen Wächter. Dem gefiel meine Ausrede nicht so ganz, er zögerte, mich durchzulassen. Dann versuchte ich meine Geschichte ein bisschen auszuweiten und plötzlich sagte ich das Zauberwort – Erasmus. Je suis étudiant Erasmus... Ah! Erasmus! Fallait le dire tout de suite... Und was soll ich sagen: Es hat geklappt!

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Feb 6, 2014
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Rubrik: studium
Feb 6, 2014

Studentenleben live

Gruppenarbeit

Ich dachte immer, dass ich sehr friedfertig bin, ein Pazifist. Kein Gutmensch, der jegliche aggressive Neigung von sich weist, aber irgendwie locker. Ich dachte, ich sei jemand, der seine Emotionen selten herauskramt und der abgesehen von engsten Familienmitgliedern mit niemandem richtig streiten kann. Ich dachte auch immer, dass sich im Studium das Thema Gruppenarbeit entspannter gestalten würde, weil jeder dazu imstande wäre, eigenverantwortlich und teamfähig zu arbeiten.

… und dann kam ich in dieses Ethikseminar, in dem wir ein Wiki erstellen und anschließend unsere gewonnenen Erkenntnisse medial und kreativ umsetzen sollten. Zunächst lief alles ganz okay. Eine leichte Skepsis lag im Raum, weil ein Gruppenmitglied gerade im Praxissemester ist und es uns doch zunehmend wunderte, dass sie wirklich so ein aufwendiges Seminar mal eben so nebenbei belegen wollte. Ein anderes Gruppenmitglied entpuppte sich kurz darauf als chronisch krank und wenn sie mal gesund war, musste sie Hausarbeiten mit ihren Dozenten besprechen, Referate vorbereiten oder Babysitten gehen. Glaubwürdigkeit monoton fallend.

Unser Dozent hatte uns bereits gesagt, dass er dieses gemeinsame Arbeiten auch immer gehasst hatte wegen dieser Menschen, die die ganze Zeit über U-Boot-mäßig abtauchen, und dennoch dieselbe Bewertung erhalten wie die produktive Fraktion. Unter anderem daher hätte er diese Arbeitsform gewählt: Im Wiki ist immer direkt nachzuvollziehen, wer wann was schreibt und damit ließen sich also auch U-Boote schnell als solche identifizieren.

Lustig fand ich vor allem, dass genau diejenigen, die sich in den Besprechungen nie blicken ließen, am Ende ankamen und sich beschwerten, dass sie nicht auf dem Laufenden sind („Wie, wir wollen das jetzt als Film machen? Ich dachte, die Sequenz soll eine Live-Theater-Szene werden!“ - „Nein, schon seit zwei Monaten nicht mehr.“) oder sich über gefällte Urteile massiv beschweren („Das geht ja mal gar nicht, dass ihr eine Mitarbeiterin der Mensa fragen wollt, ob sie den Anfang der Geschichte erzählen kann! Für PH-Studenten ist eine dieser Angestellten eben echt Kult wegen ihres lustigen Dialekts.) Mein Highlight aber: Die chronisch Kranke meinte allen Ernstes eine Woche vor der Abgabe (und bevor sie überhaupt irgendetwas für dieses Projekt getan hatte), dass ihr das Ganze irgendwie zu aufwendig wäre. Ein seltsamer Zufall, dass einem das genau dann einfällt, wenn jeder andere seinen Part schon geleistet hat...

Ich bin auf jeden Fall gespannt auf das Endergebnis, das auch schon in den nächsten Tagen präsentiert werden muss und habe zwei wichtige Dinge gelernt: Erstens – nie wieder Gruppenarbeit mit Menschen, deren Zuverlässigkeit und Arbeitsmoral ich nicht einschätzen kann. Zweitens – ich habe doch manchmal mehr Emotionen, als ich denke. ARGH!

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Feb 5, 2014
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Feb 5, 2014

Studentenleben live

Zwei Welten mit einem Ziel

Es war eine Schnapsidee, wie man sie nur in der Prüfungsphase haben kann. Eine von solchen Aktionen, die dazu führen, dass am Tag vor der Klausur die ganze Wohnung blitzblank glänzt. Eine von den besten Lernverweigerungsaktionen überhaupt: Jedes Jahr findet am 16 Januar anlässlich des Jahrestags des Luftangriffs auf Magdeburg in der Hauptstadt Sachsen-Anhalts ein bundesweiter Naziaufmarsch statt. Damit die Neonazis ihr „Gedenken“ nicht inmitten der Innenstadt direkt neben dem Dom abhalten können, findet dort zur selben Zeit seit ein paar Jahren die Meile der Demokratie statt, eine Art Straßenfest mit Bratwurst, Bier und Informationsständen der vielen lokalen Vereine. Als Aktive im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hatten eine Freundin und ich die Gelegenheit, einen solchen Stand gegen Rechts zu betreuen. Folglich lautete die Preisfrage: Wie kommen wir günstig nach Magdeburg?!

Die Antifa karrte ihre Leute mit Bussen aus dem Süden an, um Nazis zu blockieren. Ein bisschen unwohl war uns schon bei dem Gedanken, mit den Krawallmachern zusammen zu fahren. Es fiel uns ein Stein vom Herzen, als wir erfuhren, dass deren Bus restlos ausverkauft war. Alternative: neun Stunden Regionalbahn. Wir packten unsere Lernsachen ein und auf gings. Ziemlich zerknautscht und keine einzige Vokabel schlauer kamen wir Freitagnacht an. Wir gönnten uns ein wohlverdientes Bierchen und ließen uns anhand des Grundgesetzes mehr spaßeshalber über unsere Rechte als Demonstranten und die der rechten Szene briefen. Der folgende Tag schien spannend zu werden. Spannender als Klausuren auf jeden Fall.

Autor: Inga  |  Rubrik: studium  |  Feb 5, 2014
Autor: Inga
Rubrik: studium
Feb 5, 2014