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Studentenleben live

Schuldgefühle

Bald schon werde ich am Flughafen in Kapstadt sein und verzweifelt nach Anne Ausschau halten. Wir werden unser Mietauto abholen und in unser kleines Afrika-Abenteuer starten. So oder so ähnlich zumindest sollte es laufen.

Wenn ich jetzt gefragt werde, was ich die Ferien über mache, lasse ich mir aber lieber alles aus der Nase ziehen anstatt konkret zu werden. Und das hat den so simplen wie törichten Grund, dass ich mich mittlerweile wirklich ein wenig schuldig fühle. Von einer Arbeitskollegin wurde ich mit diesem neidvollen Blick angeschaut, der mir ziemlich genau zu verstehen gab, was sie dachte: Dass es ja wohl unglaublich sei, dass Studierende sich Afrika-Urlaube leisten können, während die Festangestellten Urlaubssperre hätten und am 10. Januar auch noch verkaufsoffener Sonntag sei.

Auch als ich dem Pärchen, bei dem ich babysitte, erklärte, dass ich meine Ferien ein wenig verlängern würde, hatte ich das Gefühl mich dafür rechtfertigen zu müssen, dass ich genügend Geld für eine solche Reise besitze. Als sie Studenten waren, hätten sie sich gefreut, spartanischen Urlaub in Südfrankreich zu machen, an andere Kontinente wäre ja gar nicht zu denken gewesen.

Ein bisschen kann ich das auch verstehen: Ich wäre ja auch neidisch auf mich selbst und ich war auch oft genug neidisch auf Menschen, die mehr Geld hatten als wir. Ich komme nun wirklich nicht aus einer reichen Familie, vielleicht muss ich ein bisschen die Reisen nachholen, die wir nie hatten. Aber hauptsächlich geht es wohl darum, dass ich sich bietende Gelegenheiten nicht verstreichen lassen will, weil ich Angst habe, dass sie so nicht wiederkommen.

Meine Mitbewohnerin sagt, dass es okay wäre, weil ich ja nicht einfach so nach Afrika reisen würde, sondern dort eine Freundin besuche. Eine gute Freundin wiederum sagt, Geld für Reisen auszugeben sei doch immerhin besser als sein Geld an teure Markentaschen zu verlieren. Und was sage ich? Ich weiß es nicht. Ein bisschen bleibt immer dieses Schuldgefühl und ich bin ganz froh, dass ich keine reichen Eltern habe und es mir erst jetzt im Studium begegnet.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Jan 4, 2016
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Jan 4, 2016

Studentenleben live

Mathe vs. Deutsch

Bislang habe ich erst zwei Studentinnen getroffen, die auch die Kombination Mathe und Deutsch auf Lehramt studieren. Mathe-Geographie, Mathe-Physik oder Mathe-Religion sind die üblichen Kombinationen, die ich schon unzählige Male gehört habe. Mathe und Deutsch sind eben zwei Fächer, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Es war sicherlich kein Zufall, dass an meiner Schule die Leistungskurs-Kombination Mathe/Deutsch nicht möglich war.

Nachdem ich jetzt seit gut zwei Monaten Mathe studiere, kann ich zwar eine erste Bilanz ziehen, aber mich irgendwie nicht so richtig entscheiden, welches Studium mir besser gefällt. An Deutsch beziehungsweise Germanistik mochte ich die Arbeit mit der Sprache. Es gab viele Inhalte, die mich sehr interessiert haben und ich merke noch jetzt, dass ich beispielsweise bei Produktnamen direkt erkenne, ob es sich um eine Entlehnung oder ein Kunstwort handelt. Momentan bin ich aber trotzdem froh, dass ich nicht so viel lesen muss wie früher. Und auch nicht so viel schreiben – was damals der Grund war, dass ich Mathe statt Deutsch als Leistungskurs gewählt habe.

Außerdem ist der kognitive Aufwand in Mathe deutlich höher. Germanistik ist eher ein Studienfach, in dem man sich mit einem Thema zwar sehr intensiv befassen muss, wenn man es wirklich durchdringen will, aber es ist oft irrelevant, ob man zuerst den epochalen Hintergrund betrachtet und diesen danach mit philosophischen Ansätzen in Zusammenhang bringt, die der Autor in vielen seiner Werke verwendet, oder umgekehrt. In Mathe baut innerhalb eines Themas alles kleinschrittig aufeinander auf und man muss erst das vorherige verstanden haben, weil man sonst kaum mitkommt. Ich stehe momentan auch ein bisschen unter Druck, weil ich in zwei Vorlesungen ein wenig hinterherhinke – aber hoffe, dass ich die Weihnachtsferien nutzen kann, um den Stoff nachzuarbeiten. Einigen anderen ist dieser Stress schon zu viel geworden. In meinem Bekanntenkreis haben bereits drei Leute das Studium abgebrochen oder gewechselt.

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Dec 31, 2015
Autor: Janna
Rubrik: studium
Dec 31, 2015

Studentenleben live

Durchhalten!

Gerade erst waren wir mit der schriftlichen Prüfung durch, da stand auch schon die Mündliche kurz bevor. Durchhalten und Nerven behalten war angesagt, denn unser Professor hat vor zwei Wochen noch ein Thema, dass er eigentlich ausgeschlossen hatte, für die mündliche Prüfung wieder mit einbezogen. Vor der Klausur hatte das natürlich niemand mehr wiederholt, aber dann stand dieser dicke Brocken noch vor uns – ganz abgesehen von den Themen, die sowieso nur für die Mündliche relevant waren, und bei denen man eigentlich auch gute volkswirtschaftliche Kenntnisse haben sollte, um das alles zu verstehen!

Aber ich dachte mir: nicht aufgeben, eines nach dem anderen machen. Und nach einem lernintensiven Wochenende hatte ich mich auch wieder einigermaßen gut vorbereitet gefühlt. Eigentlich hasse ich mündliche Prüfungen, aber diesmal ließ ich mich erstaunlich wenig aus der Ruhe bringen! Gute Laune war sowieso angesagt, denn nach ein paar Stunden war sowieso alles vorbei.

Zu dritt wurden wir 60 Minuten lang von unseren Professoren abgefragt – kleine Wissensabfragen und kleine Fälle lösen standen auf dem Programm. Hier kam endlich unser aller Lieblingsthema: Darf Frankreich aus völkerrechtlicher Sicht in Syrien eingreifen? Und schneller als gedacht, war der mündliche Teil auch schon wieder vorbei.

Dann stand uns nachmittags nur noch die Verteidigung der Bachelorarbeit bevor, die wir im Sommer geschrieben hatten. Die Bachelorverteidigung war wirklich der einfachste Programmpunkt der letzten Wochen, und nach zehn Minuten war auch das geschafft.

Unglaublich! Vorbei! Mit Jubelschreien wurden alle, die aus der Bachelorverteidigung kamen, in der Coffee Lounge empfangen. Sektkorken knallten, während wir auf unsere Prüfungsergebnisse warteten. Alle zusammen saßen wir aufgeregt im Raum, haben unseren Umschlag ausgehändigt bekommen und saßen Schulter an Schulter, als wir nervös unsere Umschläge aufgerissen haben. Geteiltes Leid ist doch immer noch halbes Leid! Und von Leid konnte man eigentlich auch nicht sprechen, denn die Ergebnisse waren für die meisten von uns richtig gut ausgefallen. Nur auf die Noten von der schriftlichen Prüfung müssen wir jetzt noch warten.

Es ist vorbei. Der erste Teil vom Staatsexamen ist geschafft. Und jetzt? Erstmal ausschlafen. Mal wieder einkaufen und putzen. Und auf den Weihnachtsmarkt gehen. Jetzt kann die Weihnachtsstimmung losgehen!

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Dec 31, 2015
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Dec 31, 2015