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Auszeit vom Studium

Die Menschen geben den Inhalt – Teil 1

Shanti wird vor allem durch die Geschichten der dort lebenden und arbeitenden Menschen geprägt. Jeder von ihnen hat Unvorstellbares erleben und erleiden müssen, es überstanden und sich ein Leben aufgebaut. Jede Biografie hätte es verdient, gehört und verbreitet zu werden. Julia und ich merkten schnell, dass wir nur eine dieser Lebensgeschichten am Tag anhören können, um sie verarbeiten und richtig einordnen zu können. Es ist schwer, eine kleine Auswahl zu treffen, doch versuche ich, ein paar Shanti-Biographien hier niederzuschreiben.
Beginnen wir mit Siddharta, benannt nach dem ersten Buddha. Er ist schätzungsweise 16 Jahre alt und lebt mit den anderen Kindern zusammen in der obersten Etage der Klinik. Seine Familie hat ihn auf der Straße am Tempel Pashupatinath ausgesetzt, wo er traumatisiert und mit Wunden übersät aufgefunden wurde. Inwieweit er tatsächlich geistige und körperliche Behinderungen hat, ist schwer auszumachen, da vieles auch von seinen traumatischen Erlebnissen herrühren kann. Er ist überaus wissbegierig und merkt sich Dinge, indem er sie etliche Male wiederholt, was zuweilen manchen Volontär verzweifeln ließ. Laufen kann er nur mit großer Unterstützung, manchmal versucht er es selbst, sich am Geländer hochzuziehen, ein paar Schritte zu tun, was aber meistens darin endet, dass er vornüber auf seine Hände fällt. Morgens steht er dennoch oft an der Brüstung der Klinik, um auf die Straße zu schauen und auf uns zu warten und uns zuzuwinken, wenn wir zur Arbeit kommen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  Feb 12, 2018
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
Feb 12, 2018

Auszeit vom Studium

Ein nepalesischer Freund

Drei Stunden hat der nepalesische Gottesdienst gedauert, zu dem ich von Pabi und Purnima, zwei jungen Frauen bei Shanti, die starke körperliche Einschränkungen haben, eingeladen wurde. Es fiel auf, dass sich erstaunlich viele Menschen mit Behinderungen in dieser Kirche befanden. Selbst die beiden Pastoren saßen im Rollstuhl. Sie alle sind Menschen, die in der nepalesischen Gesellschaft keinen Platz finden, sondern Verstoßene sind. Als ich mich während des Gottesdienstes umschaute, sah ich in strahlende Gesichter. Die Menschen tanzten zu den Liedern der jungen nepalesischen Band, mit Tränen in den Augen, oft jubelnd und klatschend. Christen gibt es in Nepal praktisch keine, diese Religion kommt von außen. Ich sehe Missionierung sehr kritisch, doch hier wurde ein Platz für Menschen geschaffen, die sonst keinen hätten.
Es sind Ausflüge wie dieser, die mir als Lichtblicke im nicht immer einfachen Alltag in Nepal dienen. Auch der nach Boudhanilkanta ist mir im Gedächtnis geblieben. In diese Stadt nahe Kathmandu machten wir uns auf, um an einem freien Tag auf den Shivapuri zu steigen, dem höchsten der Berge, die das Kathmandu-Tal umgeben. Stattdessen landeten wir zufällig im Homestay eines gemeinnützigen Projektes, das von Nepali geführt wird. Wir lernten Sujan kennen, der Wirtschaft studiert hatte, aber hier wenig berufliche Perspektiven sieht. Deshalb widmet er sich vollständig dem Projekt: Seine Familie hat eine kleine Schule für Waisenkinder eingerichtet. Auch ist Sujan für das Volontärs- und Gästehaus zuständig, in dem wir mit einer rumänischen Volontärin übernachten durften.
Am nächsten Tag führte er uns zu nahegelegenen Wasserfällen, zeigte uns einige religiöse Stätten und machte diverse Bilder und Videos von und mit uns, um damit Werbung für seine Organisation zu machen.
Kurz vor unserem Abschied aus Nepal entschieden wir uns dazu, mit zwei weiteren Volontärinnen nach Nagarkot zu fahren, um von dort aus den Mount Everest wenigstens aus weiter Ferne gesehen zu haben. In diesen zwei Tagen hatten wir unseren ersten Autounfall mit einem Roller, liefen durch kleine Dörfer auf einem Bergkamm entlang und schauten gemeinsam mit einem riesigen sitzenden Buddha ins Tal hinein, dabei kein einziger Tourist weit und breit. Schließlich durften wir noch ein letztes Mal den Sonnenauf- und -untergang über dem Himalaya genießen.
All das zeigte uns noch einmal: Nepal hat viel zu bieten und ist auch immer wieder krass – in jeder Hinsicht.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  Feb 6, 2018
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
Feb 6, 2018

Auszeit vom Studium

Auf zu Trek Nummer zwei! Teil 2

Von all den Dörfern, die wir auf unserem zweiten Trek im Himalaya durchquert haben, hat uns das Dorf Samagaun am meisten zum Staunen gebracht und geprägt. Mehrfach hatten wir den Eindruck, uns inmitten der Kulisse eines mittelalterlichen Filmes zu befinden. Die Menschen dort leben in einfachen Steinhäusern, teils mit Wellblechen oder Brettern als Dach und tragen abgetragene und schmutzige Kleidung. Die Kinder hatten stark gerötete und ausgetrocknete Wangen und spielten mit einem Eimerdeckel, den sie als Frisbee verwendeten. Nur ein Gletscher trennt das Dorf vom Achttausender Manaslu und auch sonst ist es umringt von 6.000 und 7.000 Meter hohen Bergen. Deshalb gibt es nur wenige Stunden am Tag Sonne, meistens ist es grau und trist, dunkel und kalt. Diesen Ort umgibt eine Magie, die mich bis in meine Träume verfolgte.
Wir haben hier drei Volontärinnen kennengelernt, die in der Schule arbeiten, um Englischunterricht zu geben oder bei Hausaufgaben zu helfen. Ebenso leisten sie medizinische Hilfe, denn der Ort ist nur über einen kleinen Pfad erreichbar und damit recht schlecht versorgt. Wir hatten etwa neun Tage gebraucht, bis wir hierher gelangten. Allerdings gibt es tatsächlich eine Hubschrauberverbindung, um den Transport von Gütern zu gewährleisten. Man möchte sich nicht ausmalen, wie es den Menschen hier gehen würde, wenn nicht der Tourismus ein wenig Geld brächte und die Versorgungslage verbesserte.
Oben angekommen, gab uns unser Guide Äpfel, die er extra in einem der niedriger gelegenen Dörfer für uns gekauft hatte. Wir setzten uns auf die Steine, machten Fotos und genossen den Ausblick auf die Berge um uns herum und ins Tal hinein.
Julia und ich sind uns einig: Der Himalaya ist das Schönste, was wir bisher in unserem Leben gesehen haben. Nichts ist so überwältigend, faszinierend, herausfordernd und im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend wie dieses Gebirge mit den höchsten Bergen der Welt. Wir sind auf 5.106 Meter gestiegen, höher als der höchste Berg Europas – das war eine ganz besondere Erfahrung.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  Jan 29, 2018