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Was tun nach dem Abi?

Wattenmeer

Während der Abiturvorbereitung schwirrte mein Kopf vom Lernen von Formeln, Interpretationsaspekten und Auslösern der 48er-Revolution. Um über meine Pläne nach dem Abitur nachzudenken, hatte ich keine Zeit und schon gar nicht, um Bewerbungen zu schreiben. Doch dann stand ich plötzlich beim Abiball auf der Bühne, mein 2,0-Zeugnis in der Hand und das dreimonatige Praktikum bei der Naturschutzgesellschaft am Wattenmeer in Sicht.
Beim Dorffest in meiner Heimat feierte ich mit Schulfreunden meinen Abschied. Ich war der erste aus unserer Clique, der in die große, weite Welt gehen sollte. Wenige Tage später setzte ich mich für acht Stunden in den Zug, ehe ich Büsum an der Nordsee erreichte. Die „alten“ Ganzjahresfreiwilligen lernten ihre Nachfolger sowie mich als Praktikanten ein. In unserer kleinen WG organisierten wir alles selbst: Wir kochten gemeinsam (meistens vegan), schauten Dokus und genossen den Sommer. Ich fand es sehr interessant, an diesem komplett alternativ-grünen Lebensstil teilzunehmen – zum Beispiel vermieden wir Plastik oder verwerteten auch nicht mehr ganz so ansprechend aussehende Lebensmittel.
Auch die vielfältigen Tätigkeiten im Auftrag der Naturschutzgesellschaft waren sehr abwechslungsreich und gewinnbringend. Wir machten Wattwanderungen mit Touristen und Schulklassen, um ihren Blick für die Einzigartigkeit des Lebensraumes zu schärfen. Wir hielten Vorträge im Museum am Meer in Büsum. Und auch der aktive Naturschutz kam nicht zu kurz: Alle zwei Wochen kontrollierten wir „unseren Bereich“, einen 40 Kilometer langen Küstenstreifen, auf gestrandete Meeressäuger, auffällig viele Totvögel, Paraffinrückstände und Müll. Für Forschungsprojekte notierten wir auf einer Teststrecke am Büsumer Hafen jedes einzelne Müllteil. Und alle 14 Tage zählten und bestimmten wir jeden einzelnen See- und Watvogel an der Küste. Aber auch spontane Erlebnisse waren immer etwas Besonderes: Ob mit dem Seehundjäger eine Robbe vom Badestrand retten oder ein gutes Gespräch mit einem Touristen oder Backpacker führen, in Büsum war immer etwas los.
Nach meinen drei Monaten als Praktikant war aus uns Freiwilligen eine richtige Familie geworden. Der Abschied fiel mir deswegen extrem schwer. Die anderen blieben, ich zog weiter. Doch wohin?

Was tun nach dem Abi?

Wohin?

Da ist er also, mein eigener Blog über die aufregende Zeit, durch die ich gerade gehe. Bevor ich aber in der Gegenwart einsteige, möchte ich euch einen Überblick darüber geben, was ich seit dem Abi im vorigen Jahr alles erlebt habe - und wie ich nun in Tansania gelandet bin:
Mein Name ist Hannes und ich bin in einer schwäbischen Kleinstadt in der Nähe von Stuttgart geboren und aufgewachsen. Ich besuchte ein Gymnasium in Ludwigsburg und war auf direktem Weg zum Abitur, welches ich im Sommer 2017 erlangen sollte. Die Welt sollte bald mir gehören. Das Problem war, das ich nicht genau wusste, was ich mit dieser Welt oder vielmehr mit mir anfangen sollte.
So verstrich der Herbst 2016 und mit ihm meine ersten Möglichkeiten, im nächsten Sommer durchzustarten – etwa die Fristen zur Bewerbung auf duale Studiengänge. Studieren, ja, das wollte ich – aber was? Ich fühlte mich von den unendlichen Entscheidungsmöglichkeiten überfordert und spürte in mir den Wunsch aufkommen, erst mal ein Jahr Pause vom ewigen Lernen zu nehmen. Ich wollte reflektieren, meine Stärken und Schwächen ausloten, um dann eine qualifizierte Entscheidung über meinen weiteren Lebensweg zu treffen. Ich wollte einen Freiwilligendienst machen, am liebsten im Ausland; etwas Neues, Aufregendes entdecken und viel für mich mitnehmen – am besten gleich ein ganzes Jahr.
Afrika, das wäre doch spannend, dachte ich mir. Doch es war mittlerweile Januar. Ich bewarb mich im Nachrückverfahren bei Brot für die Welt für einen Freiwilligendienst, der vom Bundesprogramm „weltwärts“ gefördert wird. Ich hatte mein Motivationsschreiben extra von meiner Englischlehrerin Korrektur lesen lassen, doch ich bekam eine Absage.
Was nun? In dieser Krise erinnerte ich mich an einen Urlaub in Büsum an der Nordseeküste. Dort hatte uns die junge Freiwillige einer Naturschutzgesellschaft bei einer Wattwanderung geführt, uns die Wunder des Nationalparks gezeigt und auf die Gefahren hingewiesen, die ihn bedrohen. Das war beeindruckend! Ich beschloss kurzerhand, mich in dieser Richtung zu informieren. Doch auch hier war ich bereits zu spät, es gab nur wenige Restplätze. Bei einer Schutzstation in Büsum kam ich bis zum Vorstellungsgespräch, doch einige Wochen später erhielt ich den ernüchternden Anruf: Sie hatten sich für jemanden anderen entschieden und konnten mir nur noch ein dreimonatiges Praktikum anbieten – na ja, besser als nichts.

Autor: Hannes  |  Rubrik: orientieren  |  Mar 20, 2018
Autor: Hannes
Rubrik: orientieren
Mar 20, 2018

Was tun nach dem Abi?

Gewissheit ist etwas Schönes

In meinem Briefkasten lagen vier Verträge für mein FSJ, die allesamt identisch waren. Ich weiß nicht genau, warum ich vier Mal dasselbe unterschreiben sollte, aber wenn die Diakonie das so möchte, wird das schon richtig sein. Darüber hinaus lag ein Schreiben dabei, das mir Auskunft darüber gab, dass ich am 1. Oktober um 10 Uhr in Dienstkleidung im Krankenhaus anzutreten habe. In Dienstkleidung! Wie mich das mit Stolz erfüllt, meine eigene Arbeitskleidung zu haben, auf der mein Name steht. Auch erfuhr ich, wann ich meine ersten Seminare haben werde, wann die Hygieneschulung stattfindet und wann ich in Sachen Notfälle unterrichtet werde. Das ist alles so aufregend! Doch weiß ich auch, wie hart die Zeit im Krankenhaus werden kann. Aber diese Erfahrungen will ich machen. Ich will wissen, wie es ist, von Tag zu Tag aufs Neue über acht Stunden zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und mit vielen Kollegen zu tun zu haben.

Es ist merkwürdig, dass ich ungefähr vor einem Monat noch komplett anders über das Thema FSJ gedacht habe. Ich hielt es sogar für Zeitverschwendung. Und plötzlich kann ich mir nichts Besseres vorstellen, als dieses FSJ zu machen und dann im nächsten Jahr mit dem Studium zu beginnen. Ich denke, dass es vor allem die Angst vor Absagen war, die mich dazu brachte, mich mit einer Alternative auseinanderzusetzen, die vorher nicht mal als Notfalllösung in Frage kam. Aber damit kann ich nun ganz gut leben.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  Oct 21, 2014
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
Oct 21, 2014