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Medizin studieren

Auf Wiedersehen, Münster!

Zehn Monate bin ich erst wieder hier gewesen. Und nun, recht spontan, soll es für das kommende Sommersemester nach Riga, Lettland gehen. Wieder ein Abschied von meiner Wahlheimat Münster, meinen Freunden, meinem Nebenjob, meiner Band, meinem Verein und meiner Wohngemeinschaft.
Die letzten Wochen vor der Reise hatten es nochmal in sich: Von den Klausuren hab ich schon erzählt, nebenbei musste ich noch arbeiten. Dabei habe ich mich oft gefragt, ob ich den Job in der Tumororthopädie nach meinem Auslandssemester weiterführen möchte. Was mir an der Tätigkeit gefällt, ist der Bezug zu meinem Studium. Doch das Klima im Operationssaal hat mir nicht immer gut gefallen. Darüber hinaus hat es mir gefehlt, mit den Patienten in richtigen Kontakt zu treten. Dennoch haben die vier Monate gezeigt, dass ich der Chirurgie nicht ganz abgeneigt bin. Wenn ich nicht zufällig auf etwas Interessanteres stoße, werde ich die Arbeit wohl wieder aufnehmen.
Fiel mir der Abschied leichter als letztes Mal? Eigentlich schon, aber ich habe mir selbst einen großen Stein in den Weg gelegt oder in den Weg legen lassen. Denn zu meinem großen Glück habe ich einen wirklich tollen Menschen kennengelernt, was mir den Abschied nun doch schwerer macht.
Bezogen auf meine Freunde war der Abschied doch recht unspektakulär. Insbesondere, weil klar war, dass mancher von ihnen schon angekündigt hat, mich in Riga besuchen zu wollen. Und ich werde selbst auch mal auf einen Besuch nach Deutschland kommen. Selbst meine Eltern haben meinen Abschied ganz locker hingenommen, obwohl mein Bruder auch noch in Irland war. Man gewöhnt sich wohl an alles.
Jetzt bin ich gespannt auf all das, was kommt. Auf die Menschen, die ich kennenlernen werde, auf die Universität, das Studieren auf Englisch, auf das Land, die Kultur und auf meine eigenen Entwicklungen. Also, Münster, mach es gut, bis bald!

 

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  May 16, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
May 16, 2019

Medizin studieren

Bereits ein halber Arzt?

Ich überfliege meine Antworten noch einmal, schließe die Klausur ab, werfe einen Blick in die Runde, lächle, stehe auf und verlasse den Raum. Das sechste Semester ist beendet. Und damit das dritte von sechs Studienjahren. Man könnte sagen: die Hälfte ist geschafft.
Die letzten Wochen des Semesters hatten es noch einmal in sich, vor allem die Rechtsmedizin forderte uns alle sehr. Wir wurden zwei Wochen lang jeden Tag mit Todesfällen konfrontiert, sahen etliche Bilder von Leichen, untersuchten selbst eine sorgfältig, um die Todesursache herauszufinden, mussten uns aber zeitgleich auf die anstehenden Klausuren vorbereiten. In all dem Stress gingen die einzelnen Schicksale in der Masse unter – auch wenn ich mich ihnen gerne intensiver gewidmet hätte. In diesem Semester hatten wir Kardiologie, Onkologie und Lungenmedizin und haben damit recht große Bereiche der inneren Medizin abgedeckt. Wir waren oft im Krankenhaus, haben viele Patientinnen und Patienten gesehen und durften in manchen kleinen Übungen schon bereits so tun, als seien wir fertige Ärztinnen und Ärzte. Man könnte meinen, ich sei meinem Ziel, Arzt zu werden schon ganz nahe. Aber das entspricht nicht der Wahrheit, denn der Großteil des Lernens und Werdens kommt erst noch, bisher wurde nur der Grundstein gelegt. Anstatt in Sorgen und Ängste zu verfallen, mache ich mir lieber bewusst, dass ich die Basis, um Arzt zu werden, bereits gelegt habe. Ich freue mich, dass ich diese schweren drei Jahre, in denen ich mich oft selbst überwinden musste, geschafft habe und ich gestärkt aus ihnen hervorgehe. Deshalb blicke ich optimistisch auf die nächsten Semester, Blockpraktika und Famulaturen.
Nun werde ich Münster wieder für ein Semester verlassen, nach Riga ziehen und am Erasmus-Programm teilnehmen, von dem so viele schwärmen. Ich bin gespannt auf alles, das ich lernen, erfahren und genießen darf. Doch zuerst heißt es Abschied nehmen. Und das fällt mir schwer.

 

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  May 3, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
May 3, 2019

Medizin studieren

Wo Fehler folgenlos bleiben

Ich stecke meine ID-Karte ein, melde mich am PC vor dem Behandlungszimmer an, lege mir das Stethoskop um den Hals, schnappe mir meinen Notizblock und öffne die Tür. Drinnen sitzt eine Patientin, circa 30 Jahre alt, etwas schwer atmend. Ich stelle mich vor und frage sie, warum sie in die Praxis gekommen ist. Sie schildert einen Aufenthalt in Indien für drei Wochen. Seit dem Flug gestern Abend habe sie Schmerzen im Bereich der linken Wade. Sie selbst vermutet, dass sie beim Yoga-Kurs, den sie in Indien gemacht habe, umgeknickt sei oder schlicht und einfach ihren Fuß überlastet habe, es werde schon nichts Schlimmes sein. Ich bitte die Patientin, sich hinzulegen, denke dabei an meine Famulatur in der Orthopädie in Leipzig und lasse mir Zeit bei der Untersuchung der Knochen, des Fußgelenkes und der Muskulatur, kann aber nichts Auffälliges finden. Dann kommt mir in den Sinn, dass es sich um Thrombose handeln könnte. Ich rate der Patientin, sich in nächster Zeit wenig zu setzen und selten zu stehen, sondern lieber in Bewegung zu bleiben oder zu liegen und entlasse sie mit einem verschriebenen Blutverdünner.
Der beschriebene Fall ist zum Glück kein echter. Und deshalb ist es auch nicht fatal, dass ich die Gefahr der Lungenembolie bei der Patientin nicht erkannt habe – obwohl sie schwer atmete. Hätte ich sie wie beschrieben nach Hause entlassen, wäre sie vermutlich an der Lungenembolie gestorben. Es war ein Szenario im Rahmen der sogenannten „Limette“, in der wir Schauspielpatient*innen behandeln, ähnlich wie wir es im fünften Semester im Studienhospital getan haben. Wir werden bewusst in Situationen gebracht, die wir eigentlich schon lösen könnten, da unser Wissen aus den bisherigen Seminaren und Vorlesungen ausreichen sollte. Wir sollen jetzt Fehler machen, damit wir wissen, weshalb wir sie gemacht haben, und sie somit nicht bei echten Patient*innen wiederholen.
Mich erinnern diese Szenen sehr an den einen Nachmittag in der Notaufnahme in Leipzig, den ich mit einem Assistenzarzt verbringen durfte. Es ging darum, innerhalb kürzester Zeit alle relevanten Informationen von einem Menschen zu bekommen und notwendige körperliche Untersuchungen zu machen – und anschließend muss eingeschätzt werden, ob die Person risikoreich erkrankt ist oder schlicht eine Erkältung vorliegt. Auf diese Situation bereitet die „Limette“ wirklich gut vor. Und mir wird mein Fehler nicht erneut passieren. Da bin ich mir sicher.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Apr 15, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Apr 15, 2019