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Die perfekte Hülle

Die Verpackungstechnikerin am Computer.Hier werden die Maße der zuvor entworfenen Verpackung für den Plotter eingegeben.
Die Verpackungsindustrie kümmert sich um die Gestaltung und Entwicklung verschiedener Produktverpackungen. Vor allem Funktionalität und optische Ansprüche stehen im Vordergrund.
Foto: Frank Pieth

Ich will was machen mit Verpacken – Hintergrund

Die perfekte Hülle

Blechdosen, Kartons oder Folien: Denkt man an Waren im Supermarkt, stellt man fest, dass fast alles verpackt daherkommt. Verpackungen müssen je nach Produkt ganz bestimmte Anforderungen erfüllen und sind innovativer, als sie auf den ersten Blick erscheinen mögen. Wer sie entwickeln, herstellen oder recyceln möchte, hat vielfältige berufliche Möglichkeiten.

Für Formeln und Experimente konnte sich Svenja Grummt schon zu Schulzeiten begeistern, Chemie war ihr Lieblingsfach. Auf der Suche nach einem naturwissenschaftlichen Studiengang besuchte sie den Tag der offenen Tür an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig, bei dem sie auf die Verpackungstechnik aufmerksam wurde. „Verpackungen sind ein faszinierender Bereich. Sie haben hauptsächlich die Funktion, das Produkt zu schützen, die Haltbarkeit zu verlängern und es lager- und transportfähig zu machen“, fasst die 22-Jährige zusammen. Auch Aspekte wie Wiederverwendbarkeit, einfache Handhabung und Recycling von Verpackungen spielen eine große Rolle. „Verpackungen, die als Werbeträger dienen, müssen außerdem ansprechend bedruckt und funktional gestaltet sein, um die Kaufentscheidung des Kunden positiv zu beeinflussen.“

Der Lebenszyklus einer Verpackung

Ein Porträt-Foto von Svenja Grummt

Svenja Grummt

Foto: Janna Degener

Die ersten beiden Semester des Bachelorstudiengangs Verpackungstechnik an der HTWK Leipzig sind naturwissenschaftlich-technisch ausgerichtet. Auf dem Stundenplan stehen unter anderem Chemie, Physik und Mathematik. Zudem werden Grundlagen im Verpackungswesen vermittelt. Später wird es zunehmend interdisziplinärer. „Das Studium deckt den Lebenszyklus einer Verpackung ab – von der Verpackungsentwicklung und -konstruktion über die Verpackungsprüfung, Herstellung, Entsorgung und das Recycling von Verpackungen bis hin zu Modulen wie Qualitätsmanagement und Marketing“, erklärt Svenja Grummt.

Die Studierenden beschäftigen sich mit unterschiedlichen Werkstoffen, Druck- und Verpackungsmaschinen, aber auch mit Disziplinen wie Elektrotechnik und Maschinenbau. BWL und Projektmanagement gehören ebenso zu den Inhalten. „Aufgrund der angebotenen Modulvielfalt ist das Studium sehr abwechslungsreich“, betont die Studentin.

Von der Pille bis zum Müsli

Erste Praxiserfahrungen sammelte Svenja Grummt während einiger Praktika. In einem sechsmonatigen Praktikum im Pharmabereich in der Schweiz konnte sie bereits Verantwortung für eigene Projekte übernehmen. Ihre Bachelorarbeit schrieb sie bei einem Schweizer Müsli-Hersteller: „Ich habe verschiedene Prüfmethoden an Folien durchgeführt, die an Verpackungsmaschinen zu Beuteln verarbeitet werden. Der Schwerpunkt lag darauf, Ursachen für die Undichtheiten in Beuteln zu finden. Dabei habe ich Probleme im Verarbeitungsprozess analysiert und entsprechende Lösungen erarbeitet“, erzählt sie.

Ein besonderes Highlight im Studium war für Svenja Grummt die Teilnahme an zwei internationalen Verpackungswettbewerben: „Im Team mit anderen Studierenden habe ich zwei unterschiedliche Verpackungen entwickelt. Besonders herausfordernd war es, den Entwicklungsprozess von der Idee bis zur Herstellung einer Verpackung selbst zu gestalten. Es hat Spaß gemacht, Kreativität mit technischem Know-how zu verbinden“, schwärmt die Studentin. Sehr interessant fand sie auch die Exkursionen zu Fachmessen und Firmen der Verpackungsbranche, die von der Hochschule angeboten wurden.

Nach ihrem bevorstehenden Bachelorabschluss will Svenja Grummt eine kurze Auszeit in Australien einlegen, bevor sie den Master machen und schließlich in die Pharma- oder Kosmetikbranche einsteigen möchte: „Ich könnte mir vorstellen, in der Verpackungsentwicklung und -optimierung zu arbeiten und hoffe, dass ich dazu beitragen kann, Verpackungen verbraucher- und umweltfreundlicher, innovativer und effizienter zu gestalten.“

Viele Möglichkeiten für Verpackungsprofis

Neben der Lebensmittel-, der Pharma- und der Kosmetikindustrie bietet die Welt der Konsumgüter vielfältige berufliche Perspektiven für Verpackungsspezialisten. Denn egal ob es sich um Lebensmittel, Autoteile oder Kosmetika handelt – fast alle Produkte werden verpackt. Es gibt Unternehmen, die Verpackungen produzieren, andere wiederum liefern die nötigen Rohmaterialien wie Papier, Pappe, Glas, Holz, Kunststoffe oder Metall.

Zu den Berufen, die in der Regel mindestens ein Bachelorstudium voraussetzen, zählen Industrie- und Produktdesigner. Diese überlegen sich, wie Verpackungen aussehen könnten. Ingenieure für Verpackungstechnik verbessern Verpackungen und deren Herstellungsprozess. Papiertechnologen bedienen und überwachen die Maschinen in der Produktion. Auch Betriebswirte sind in den Prozess eingebunden; sie haben die Ausgaben im Blick und sorgen gemeinsam mit Vertriebsingenieuren für die Präsentation der fertigen Verpackungen. Auf eine Tätigkeit in der Verpackungsindustrie vorbereiten können auch Studiengänge wie Lebensmitteltechnologie, Druck- und Medientechnik, Maschinenbau, Chemie oder Werkstofftechnik.

Wer statt eines Studiums lieber eine Ausbildung machen möchte, hat ebenfalls mehrere Möglichkeiten. „So bieten eine Ausbildung zum Tischler oder eine metallverarbeitende Ausbildung eine gute Basis“, sagt Michael Hümmer, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Fürth. Auch eine Ausbildung zum Chemielaboranten sei eine interessante Option. Ebenso gebraucht würden Außenhandelsassistenten, Handelsfachwirte, Mediengestalter oder Marketingfachkräfte.

Gute Berufsaussichten

Unabhängig davon, ob Abiturienten sich für eine Ausbildung oder ein Studium entscheiden – die beruflichen Perspektiven für Fachleute mit Verpackungsberufen sind gut. „Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die einen Beruf in der Papier- und Verpackungstechnik ausüben, hat in den vergangenen Jahren zugenommen“, sagt Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit.

„2016 übten 72.000 Personen eine entsprechende sozialversicherungspflichtige Tätigkeit aus. Das waren elf Prozent mehr als noch 2013. Mit 44.000 Beschäftigten übt der Großteil eine Tätigkeit aus, die einen qualifizierten Berufsabschluss erfordert. Darunter sind 4.400 mit einem Weiterbildungs- oder Hochschulberuf.“ Die Arbeitslosigkeit sei mit rund 700 (ohne Helfer) gering. Gleichzeitig seien knapp 500 Stellenangebote gemeldet gewesen.

Innovativ verpackt

Ein Porträt-Foto von Kim Cheng

Kim Cheng

Foto: Cathrin Bach

Werden Verpackungen auf den ersten Blick oft nicht als besonders wahrgenommen, so stecken sie doch voller Innovationen. „Ein Lippenstift zum Beispiel besteht aus einer Farbcreme, die in eine zylindrische Form gepresst und in eine Hülse gesteckt wird. Die Hülse hebt den Stift beim Drehen auf und ab. Man braucht keinen Pinsel, alles ist wieder verschließbar und so klein und kompakt, dass es in jede Hosentasche passt“, verdeutlicht Kim Cheng, Geschäftsführerin des Deutschen Verpackungsinstituts e.V. (dvi).

Auch künftig steht die Verpackungsbranche vor einer Vielzahl von Herausforderungen, die sich laut Kim Cheng in erster Linie durch gesellschaftliche Entwicklungen ergeben. E-Commerce, Mobilität oder die wachsende Zahl von Single-Haushalten und eine alternde Bevölkerung treiben die Innovationen voran. „Diese reichen vom hochsterilen Glas für die neueste Generation von Medikamenten über holzbasierte Dämmstoffe für den Online-Frischeversand bis hin zur gedruckten Elektronik für das Internet der Dinge oder modulare Verpackungsmaschinen mit 3D-Scannern“, erklärt die Expertin und ergänzt: „Sogenannte ‚intelligente‘ und/oder ‚aktive‘ Verpackungen überwachen die Qualität des verpackten Guts und greifen regulierend ein, wenn kritische Werte oder Bestimmungen nicht eingehalten werden.“

So können scheinbar kleine Innovationen eine große Wirkung entfalten: Zum Beispiel der Sicherheitsverschluss für Kinder bei Medikamenten und Reinigungsmitteln, der Nachfüllpack, der bis zu acht Prozent Material spart, oder spezielle Beschichtungen für Tuben und Töpfe, die für eine bessere Entleerbarkeit sorgen. Verpackungsinnovationen kann man fast überall finden. Und es gibt bis heute keine andere Produktgruppe, die so effizient und umfassend recycelt werden kann wie die Verpackung.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Verpackung)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

BERUFE TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit.
www.berufe.tv

KURSNET

Die Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte: Verpackung)
www.studienwahl.de

Deutsches Verpackungsinstitut e.V.

www.verpackung.org

Bund deutscher Verpackungsingenieure e.V.

www.bdvi.org

Verband Deutscher Papierfabriken

www.vdp-online.de

abi>> 22.06.2017