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„Mit BWL-Kenntnissen wäre es einfacher gewesen“

Süßigkeiten im Supermarkt
Geht es nach Milena Glimbovski, gehören solche Bilder schon bald der Vergangenheit an. In ihrem Supermarkt "Original Unverpackt" verkauft sie unverpackte Lebensmittel und vermeidet so unnötige Müllproduktion.
Foto: Martin Rehm

Berufe im Handel – Interview

„Mit BWL-Kenntnissen wäre es einfacher gewesen“

abi>> sprach mit Milena Glimbovski (27), Gründerin und Geschäftsführerin des Supermarkts Original Unverpackt in Berlin.

abi>> Frau Glimbovski, was ist das Besondere an Ihrem Supermarkt-Konzept?

Milena Glimbovski: Wir verzichten dort, wo es möglich ist, auf Plastikverpackungen und verkaufen alles lose oder in Mehrwegverpackungen. Unsere Kunden können ihre eigenen Behälter mitbringen, sodass kein unnötiger Müll entsteht.

Mit unseren Lieferanten mussten wir für viele Produkte eigene Lösungen entwickeln. Unsere losen Produkte kommen zum Beispiel in großen 25-Kilo-Säcken aus Papier bei uns an und werden in Spender umgefüllt. Dabei fällt zwar immer noch ein bisschen Müll an, aber weit weniger als in herkömmlichen Supermärkten.

abi>> Wie kamen Sie auf die Idee, einen so speziellen Supermarkt zu eröffnen?

Ein Porträt-Foto von Milena Glimbovski

Milena Glimbovski

Foto: privat

Milena Glimbovski: Eine Freundin und mich hatte es schon lange genervt, dass wir nach dem Einkaufen immer so viel Müll produziert haben. Wir wollten das gern ändern, sahen aber bei den bestehenden Supermärkten keine Möglichkeit dazu. Also setzten wir uns zusammen, schrieben einen Businessplan, sammelten über Crowdfunding das Startkapital und eröffneten 2014 einen eigenen Laden. Mittlerweile beschäftigen wir 15 Mitarbeiter.

abi>> Hatten Sie berufliche Erfahrung im Handel, bevor Sie sich mit der Idee beschäftigt haben?

Milena Glimbovski: Nein. Ich habe eine Ausbildung als Mediengestalterin gemacht und danach Wirtschaftskommunikation studiert. Zur Zeit der Gründung habe ich mein Studium abgebrochen, um mich nur noch auf unser Geschäft zu konzentrieren. Ich hatte also keinerlei BWL-Kenntnisse – und das war auch das Schwierigste. Wir haben leider erst sehr spät jemanden ins Boot geholt, der sich mit betriebswirtschaftlichen Fragen auskennt. Das hätten wir viel früher machen sollen.

abi>> Was sind für Sie die größten Herausforderungen im Handel?

Milena Glimbovski: Stationärer Einzelhandel ist kein einfaches Geschäft: Man hat hohe Fixkosten und nur niedrige Margen, also Gewinnspannen. Unser Laden hält sich, wir haben viele Stammkunden, aber wir werden es wohl nicht schaffen, weitere Filialen zu eröffnen. Als kleiner Einzelhändler können wir einfach nicht so gute Einkaufspreise bekommen wie die Großen der Branche.

abi>> Glauben Sie, dass sich auch bei den Großen in Sachen Verpackung etwas ändern wird?

Milena Glimbovski: Wir sehen ja jetzt schon Veränderungen: Immer mehr Supermärkte schaffen Plastiktüten ab, und in den Regalen liegen häufiger auch unverpackte Bio-Produkte.

abi>> Was wäre Ihr Rat für jemanden, der sich im Handel selbstständig machen möchte?

Milena Glimbovski: Ich würde ihm raten: Mach dir erst einmal viele Gedanken zu deinem Konzept und absolviere ein Praktikum bei einem Einzelhändler, um zu schauen, ob dir die Arbeit im Handel überhaupt liegt. Erst dann bekommst du eine Idee davon, was auf dich zukommt.

abi>> 29.05.2017