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Mission: Durst löschen

Getränke stehen nebeneinander in einer Reihe.
Ob als Brauer, Winzer oder bei der Arbeit in der Fruchtsaftindustrie: Die Arbeitsfelder in der Getränkeindustrie sind vielfältig.
Foto: Katharina Kemme

Ich will was machen mit Getränken: Hintergrund

Mission: Durst löschen

Gepflückt, gepresst, gegärt, gekeltert, gefiltert – Getränke werden auf unterschiedlichste Art und Weise hergestellt und ständig kommen neue Varianten auf den Markt. Für jede Getränkegruppe – Kalt- oder Heißgetränk, alkoholisch oder nicht alkoholisch – gibt es Spezialisten und damit eine Vielfalt an beruflichen Möglichkeiten.

Na denn, Prost! Das hat sich auch Peter Frieden gedacht, der als Prozesskoordinator im Bereich Produktion, genauer in der Abfüllung von Mineralwasser und alkoholfreien Erfrischungsgetränken der Gerolsteiner Brunnen GmbH & Co. KG tätig ist. „Durch meine Eltern, die ein Weingut besitzen, bin ich gewissermaßen getränketechnisch vorbelastet“, meint der 27-Jährige. Während seines Studiums der Getränketechnologie in Geisenheim und Gießen hat er in einer Gasthausbrauerei gearbeitet und darüber hinaus ein Praktikum bei einem Aromenhersteller absolviert. Hier konnte er bereits detaillierte Einblicke in die Getränkeherstellung nehmen.

Produktionsabläufe optimieren

Ein Porträtfoto von Peter Frieden

Peter Frieden

Foto: Jennifer Foltin

An der Stellenausschreibung seines jetzigen Arbeitgebers hat ihn besonders die Bandbreite der Aufgaben angesprochen. Als Prozesskoordinator arbeitet er daran, Produktionsabläufe wie den Abfüllungsprozess technisch zu optimieren. Wenn beispielsweise neue Flaschenformen eingeführt werden, gehört es zu seinen Aufgaben sicherzustellen, dass diese problemlos und lebensmittelsicher befüllt werden können. Außerdem qualifiziert er Mitarbeiter, indem er sie mit neuen Abläufen und Verfahren vertraut macht. Zudem ist er mitverantwortlich für die Arbeits- und Lebensmittelsicherheit. So sorgt er dafür, dass die einwandfreie Qualität der Produkte lückenlos maschinell geprüft und garantiert wird.

Neben ausgeprägtem technischem Know-how benötigt Peter Frieden wirtschaftliche und rechtliche Kenntnisse, um die Produktion möglichst effizient und nach geltenden Vorschriften gestalten zu können. Außerdem sind Verhandlungsgeschick und soziale Kompetenz gefragt, da er an den Schnittstellen zwischen mehreren Abteilungen arbeitet und die Abläufe unter den entsprechenden Mitarbeitern koordinieren muss. Auch wenn er nicht direkt am Produkt Getränk arbeitet, steht es jedoch stets im Fokus: „Mich reizt die Vielfalt der Getränke. Jedes hat spezielle Anforderungen, auf die man sich immer wieder neu einlassen muss. Es gibt keine Universalrezeptur.“

Technisch orientierte Berufe

Ein Porträt-Foto von Reiner Spittka

Reiner Spittka

Foto: privat

Wasser, Milch, Früchte, Getreide, Gemüse –unterschiedliche Grundstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse können die Basis für ein Getränk bilden. Danach kommt es auf die Weiterverarbeitung an. Hier wird zum Teil althergebrachtes Wissen herangezogen, zum Beispiel wenn es um Vergärungsmethoden beim Bierbrauen oder um Konservierungsmethoden von Fruchtsäften geht. Insgesamt werden Getränke heutzutage jedoch vor allem im industriellen Umfang, hochtechnisiert und unter hohen hygienischen Anforderungen hergestellt. „Die Berufe in der Getränkeindustrie sind ganz klar technisch ausgerichtet. Daher sollten die Abiturienten Interesse an Naturwissenschaften zeigen. Mathematik und Physik spielen dabei eine Rolle, ebenso werden Biologie und Chemie benötigt, um die biochemische Zusammensetzung der Getränke analysieren zu können“, fasst Reiner Spittka zusammen, Berufsberater der Agentur für Arbeit Landau.

Für Abiturienten eröffnen sich interessante Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten. Zu den klassischen Ausbildungsberufen in diesem Bereich zählen Winzer/in oder Brauer/in und Mälzer/in. „Vor allem letzterer wird nicht zuletzt aufgrund des Trends des ,Craft Brewings‘ stärker von Abiturienten nachgefragt“, erläutert Reiner Spittka seine Erfahrungen. Craft Brewing steht für eine handwerkliche Produktion in kleinen Mengen, bei der oft spezielle Biersorten oder Biermischgetränke hergestellt werden. In den vergangenen Jahren wurden viele neue, vor allem kleine Unternehmen gegründet.

Neue Absatz- und Marketingwege und eine Betonung von Qualität vor Quantität machen den Weinbau für Schulabgänger wieder attraktiv, meint Dirk Müller, Berufsberater der Agentur für Arbeit Trier. Hier sind Weintechnologen oder Winzer gefragt. Ohne Alkohol hingegen haben es Fachkräfte für Fruchtsafttechnik zu tun, die überwiegend in der Fruchtsaftindustrie tätig sind.

Eigeninitiative und Mobilität

Ein Porträt-Foto von Dieter Müller

Dieter Müller

Foto: privat

Duale Studiengänge wie etwa „Weinbau und Oenologie“ an der Hochschule Geisenheim University oder „Brau- und Getränketechnologie“ an der Hochschule Weihenstephan bieten ebenfalls einen guten Start ins Berufsleben. Studierende können parallel eine Berufsausbildung und einen Studienabschluss machen. „Duale Studiengänge in diesem Bereich sind gefragt und die Hochschulen orientieren sich an diesem Nachfrageverhalten“, weiß Reiner Spittka. Daneben gibt es rein universitäre Studiengänge wie etwa Brauwesen und Getränketechnologie an der TU München. Auch im Bereich Maschinen- und Anlagenentwicklung sind Fachkräfte wie Maschinenbau-, Elektroingenieure sowie Ingenieure für Automatisierungs- oder Verfahrenstechnik gefragt.

Dirk Müller empfiehlt Schülern, die sich nicht von vornherein auf die Getränkeindustrie fokussieren wollen, ein Studium der Lebensmitteltechnologie oder -chemie oder der Ökotrophologie, die Absolventen auch für die Getränkeindustrie qualifizieren. Nach dem Studium oder der Ausbildung zählen Eigeninitiative und die Bereitschaft zu Mobilität, ergänzt Reiner Spittka, denn die Branche ist nicht flächendeckend in Deutschland vertreten. „Außerdem muss man bereit sein, körperlich zu arbeiten, eventuell in Schichtarbeit, wenn Erntesaison ist, beispielsweise beim Wein. Man sollte Interesse am Produkt und gute Geschmacksnerven haben.“

Zahl der Arbeitsplätze stabil

Die Getränkeindustrie ist eine relativ stabile Branche. Laut Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit, „bewegt sich die Arbeitslosigkeit in Getränkeberufen auf einem sehr niedrigen Niveau. Im Jahresdurchschnitt 2015 waren knapp 300 Getränkehersteller arbeitslos gemeldet“. Die Zahlen zeigen allerdings auch, dass es sich um eine Lebensmittelsparte mit einer überschaubaren Zahl an Arbeitsplätzen handelt: „Nach letzten Angaben aus dem Jahr 2015 waren rund 14.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Getränkehersteller – dazu zählen unter anderem Brauer und Mälzer, Weinküfer, Destillateure oder Fachkräfte für Fruchtsafttechnik – in Deutschland tätig. Die Zahl der Arbeitsplätze ist in den vergangenen Jahren stabil. Der Anteil der Getränkehersteller mit Hochschulabschluss oder Weiterbildungsabschluss – Meister oder Techniker – ist leicht steigend, aber mit 16 Prozent insgesamt gering“, fasst Ralf Beckmann zusammen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z.B. „Getränke“)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit (Suchwort z.B. „Getränke“)
www.kursnet-finden.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Verband des deutschen Getränke-Einzelhandels

www.getraenke-einzelhandel.com

Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels e.V.

www.bv-gfgh.de

Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V.

www.fruchtsaft.de

 Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke e.V. (wafg)

www.wafg.de

abi>> 31.10.2016

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