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Gemeinsam für globale Themen

Hier ist ein Globus abgebildet.
Globale Themen wie Klimawandel, Konfliktbearbeitung oder Armutsbekämpfung stehen im Zentrum der Entwicklungszusammenarbeit.
Foto: Nicole Schwab

Berufe in der Entwicklungszusammenarbeit

Gemeinsam für globale Themen

Als Lehrer nach Malawi, als Ingenieur nach Indien, als Friedensfachkraft in den Südsudan oder mit einer kaufmännischen Ausbildung nach Papua-Neuguinea – die Wege in die Entwicklungszusammenarbeit sind vielfältig. Auch für Nachwuchskräfte gibt es zahlreiche Möglichkeiten.

Vanessa Hartmann hat es geschafft: Nach vielen Bewerbungen hat sie einen Praktikumsplatz in der Entwicklungszusammenarbeit ergattert. Sie arbeitet für ein halbes Jahr im Landesbüro der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH in Colombo auf Sri Lanka. „Ich bekomme hier die Möglichkeit, sowohl die Projektarbeit als auch administrative Prozesse kennenzulernen. Dabei bin ich ins Team eingebunden; meine Tätigkeiten reichen von Presse- und Kommunikationsarbeit bis hin zum Verfassen von Berichten und der Organisation von Veranstaltungen“, erzählt die 23-Jährige.

Alle Vorlesungen auf Englisch

Für den Aufenthalt auf Sri Lanka hat Vanessa Hartmann in ihrem Masterstudium ein Freisemester eingelegt. Sie studiert „International Economics and Public Policy“ in Mainz. „Mein Studiengang ist sehr international ausgelegt. Alle Vorlesungen werden auf Englisch gehalten. Das bereitet mich auf eine Arbeit im internationalen Umfeld vor; zudem sind rund 70 Prozent meiner Kommilitonen aus dem Ausland, sodass wir eine bunt gemischte Gruppe sind“, berichtet sie.

Ein Porträtfoto von Vanessa Hartmann

Vanessa Hartmann

Foto: privat

Nach dem Abitur absolvierte Vanessa Hartmann zunächst den dualen Bachelorstudiengang „International Business“ an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mannheim. Der Arbeitsalltag im Unternehmen während der Praxisphasen ihres dualen Studiums, wo sie vor allem für Marketing und Vertrieb zuständig war, stellte sie jedoch nicht zufrieden. „Was mich in der Entwicklungszusammenarbeit besonders anspricht, ist die Arbeit im internationalen Umfeld und der Sinn, der dahintersteht. Es gibt, denke ich, wenige Berufsfelder, in denen man abends nach Hause kommt und beispielsweise behaupten kann: Dank meiner Arbeit können jetzt mehr Kinder zur Schule gehen.“

Ihr Praktikum hat Vanessa Hartmann darin bestärkt, den beruflichen Weg in der Entwicklungszusammenarbeit weiterzugehen. Zunächst hat sie noch drei Semester ihres Masterstudiums vor sich. Welche Richtung sie danach genau einschlägt, ist noch offen: „Ich kann mir vorstellen zu promovieren. Es gibt unterschiedliche Traineeprogramme für Nachwuchskräfte in der Entwicklungszusammenarbeit, die teilweise einen Doktortitel voraussetzen.“

Von Agrar- bis Sozialberufen

Um in der Entwicklungszusammenarbeit tätig zu werden, bieten sich verschiedene Möglichkeiten. Einige Hochschulen bieten Masterstudiengänge wie den von Vanessa Hartmann an. Die meisten Beschäftigten im Entwicklungsdienst haben jedoch andere Abschlüsse. „Es werden Agrarberufe genauso gebraucht wie Wirtschaftswissenschaftler und Volkswirte. Sozialberufe und Experten aus dem Bereich der Medizin wie Ärzte, Gesundheits- und Krankenpfleger oder Hebammen sind für viele Einsatzgebiete gefragt. Aber auch Berufsgruppen wie Psychologen, Lehrer, Politologen oder Ingenieure sind in der Entwicklungszusammenarbeit beschäftigt“, fasst Heiner Nolte von der Agentur für Arbeit Bonn zusammen. „Die meisten Stellen gibt es für akademische Fachkräfte. Aber auch Handwerksmeister werden benötigt. Wichtig ist, dass die Bewerber einen passenden Berufsabschluss für den Auslandseinsatz haben und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung mitbringen.“

Eingestellt werden Mitarbeiter in der Entwicklungszusammenarbeit von verschiedenen Entsendeorganisationen. Sie schreiben Stellen auf ihrer Homepage oder in Stellenbörsen aus und nennen entsprechende Anforderungen. „Die Arbeitgeber verlangen neben der fachlichen Qualifikation und dem Beherrschen von Fremdsprachen ein hohes Maß an Offenheit, sozialer Kompetenz und Flexibilität“, sagt Heiner Nolte. „Man muss in der Lage sein, sich auf ein anderes Arbeits- und Lebensumfeld einzustellen. Das meint nicht nur gesundheitliche Voraussetzungen wie Tropentauglichkeit, sondern dass man sich mit anderen Mentalitäten auseinandersetzt und vielleicht an einem nicht sicheren Ort lebt.“

Positive Wirkung erzielen

Ein Porträtfoto von Bernhard Felmberg

Dr. Bernhard Felmberg

Foto: @ Foto Kirsch/Andreas Kirsch

Die Arbeit im Entwicklungsdienst bedeutet jedoch nicht nur für jeden einzelnen Mitarbeiter eine Herausforderung. Schließlich handelt es sich um große Aufgaben weltweit: „In der Entwicklungszusammenarbeit geht es um globale Themen, wie sie auch in den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen formuliert sind: Klimawandel, Konfliktbearbeitung, Armutsbekämpfung, Teilhabe und Gerechtigkeit“, erklärt Dr. Bernhard Felmberg vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. „Das sind große und komplexe Anliegen, die in einer globalisierten Welt von vielen unterschiedlichen Akteuren gemeinsam angegangen werden müssen. Die größte Herausforderung ist es, über Projekte und Programme der Entwicklungszusammenarbeit eine positive, nachhaltige Wirkung zu erzielen, von der möglichst viele Menschen profitieren.“

Die Fachkräfte, die ins Ausland gehen, können auf unterschiedliche Weise angestellt werden. Entweder sind die Mitarbeiter in ihrem Beruf bei entsprechendem Gehalt im anderen Land tätig oder sie gehen als Entwicklungshelfer nach Übersee. „Ein Entwicklungshelfer verknüpft solidarisches mit professionellem Engagement und arbeitet ohne Erwerbsabsicht“, erläutert Bernhard Felmberg. „Während der mindestens zwölfmonatigen Dienstzeit gibt es jedoch eine gute soziale Absicherung. Der Arbeitsplatz ist oft bei einer Partnerorganisation angesiedelt.“

Der erste Aufenthalt eines neuen Mitarbeiters in der Entwicklungszusammenarbeit dauert dagegen meist zwei bis sechs Jahre. Die Entsendeorganisationen bereiten ihre Mitarbeiter in mehrwöchigen Schulungen auf ihren Einsatz vor und betreuen sie auch während ihres Aufenthalts und nach der Rückkehr. Im vergangenen Jahr waren Fachkräfte in 1.300 Projekten im Entwicklungsdienst aktiv. Allein der größte deutsche Träger, die GIZ, entsendet jedes Jahr etwa 600 Fachleute ins Ausland.

Programme für Nachwuchskräfte

Für Nachwuchskräfte gibt es verschiedene Traineeprogramme, die in Tätigkeiten in der Entwicklungszusammenarbeit einführen. Wer schon vor seinem Abschluss im Ausland tätig werden möchte, für den bietet sich ein Praktikum an. Mit dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst können besonders engagierte Menschen ab 18 Jahren erste Auslandserfahrungen sammeln und ihre künftigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen, wie Heiner Nolte berichtet: „Die meisten Fachkräfte, die später in der Entwicklungszusammenarbeit tätig werden, haben schon vorher Praktika absolviert oder waren freiwillig im Ausland tätig.“

Info

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.

www.kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

www.bmz.de

Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

www.giz.de

Stellenbörse für Jobs und Praktika im Entwicklungsdienst

www.epojobs.de/

abi>> 20.01.2017