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Im Labor und vielen anderen Bereichen

Im Labor wird mit den verschiedenen Chemikalien experimentiert, die Anna Zeller als "Bausteine der Welt" bezeichnet.
In den Laborpraktika wird mit Chemikalien experimentiert.
Foto: Nicole Schwab

Ich will was machen mit Chemie – Hintergrund

Im Labor und vielen anderen Bereichen

Wer im Chemieunterricht an der Schule begeistert Experimente durchführt und Reaktionsgleichungen löst, überlegt vielleicht auch beruflich „etwas mit Chemie“ zu machen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Auch Anna Zeller (20) ging es so. Ein Chemiebaukasten weckte schon im Kindesalter ihr Interesse an der Naturwissenschaft. „Auch der spätere Schulunterricht hat mir immer Spaß gemacht und ich wollte noch mehr wissen. Also habe ich mich entschieden, Chemie zu studieren – um die Bausteine der Welt zu verstehen.“ Einen Platz fand sie an der Technischen Universität Braunschweig (TU) und ist inzwischen im vierten Bachelorsemester.

Alle Facetten der Chemie

Portröt-Foto von Anna Zeller

Anna Zeller

Roman Brodel

Das erste Semester beginnt an der TU Braunschweig mit einführenden Laborpraktika, um von Anfang an den verantwortungsvollen Umgang mit Chemikalien und Geräten zu üben. Im Laufe der folgenden Semester lernen die Studierenden alle Facetten der Chemie kennen – die Grundlagen der anorganischen, der organischen und der physikalischen Chemie bis zur Anwendung in der technischen Chemie. Auf die Grundpraktika folgen Fortgeschrittenen-Praktika, in denen bereits erste Schwerpunkte gesetzt werden. Anna Zeller entschied sich als erstes für die organische Chemie. „Mein Fortgeschrittenen-Praktikum dazu habe ich im dritten Semester absolviert und dabei Violacein-Derivate synthetisiert. Violacein ist ein chemischer Stoff, der wegen seiner biologischen Aktivität von Interesse ist.“ Die Substanz besitzt antibiotische Eigenschaften und wirkt beispielsweise gegen Amöben.

Neben weiteren Fächern wie Biochemie und Computerchemie werden auch nicht-naturwissenschaftliche Kenntnisse und Schlüsselqualifikationen vermittelt, zum Beispiel im Bereich Sprache oder Vortragstechniken. Auch gesellschaftliches Engagement ist möglich: „Ich nehme etwa an einer interessanten Veranstaltung teil, die sich ‚Bridges4Refugees‘ nennt. Dabei begleite ich ein Jahr lang eine syrische Geflüchtete auf ihrem Weg, Deutsch zu lernen und sich in unserem Land einzufinden.“

Das Studium schließt regulär nach sechs Semestern und einer Bachelor-Arbeit ab. Deren Thema kann aus den Bereichen anorganische, organische, physikalische oder technische Chemie gewählt werden. Anna Zeller plant bereits ein Masterstudium und möchte auch gern promovieren. „Zurzeit kann ich mir vorstellen, entweder selbst Professorin zu werden oder die organische Chemie in der Industrie anzuwenden.“

Das Fach steckt in vielen Studiengängen

Welche Wege die Chemie noch bietet, erläutert Birgit Tschense von der Agentur für Arbeit Düsseldorf: „Zunächst einmal kann man allgemeine Chemie auch auf Lehramt für verschiedene Schulformen studieren. Dabei muss in der Regel ein zusätzliches Fach studiert beziehungsweise später unterrichtet werden. Dieses Studium sieht in jedem Bundesland etwas anders aus.“

Doch das Chemie-Spektrum ist noch weitaus größer. „Dazu gehören auch Studiengänge, die man vom Namen her nicht unbedingt mit Chemie verbindet, die aber inhaltlich doch sehr viel damit zu tun haben – etwa Pharmazie, Ernährungswissenschaften oder ‚Water Science‘, in dem es auch um die Analytik also Chemie des Wassers geht“, sagt die Berufsberaterin. „Außerdem gibt es eine ganze Reihe von Schnittstellenstudiengängen wie Biochemie, Wirtschaftschemie, Chemische Technik oder Chemieingenieurwesen.“

Auch ein duales Studium ist möglich, etwa an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg oder der Technischen Hochschule Köln (TH). „Dabei lässt sich zum Beispiel ein Bachelorabschluss im Bereich Angewandte Chemie, Technische Chemie oder Pharmazeutische Chemie mit der Ausbildung zum Chemielaboranten, Chemikanten oder Lacklaboranten kombinieren.“ Ebenso ist es denkbar, ausschließlich eine der genannten dualen Berufsausbildungen zu absolvieren – oder eine andere wie die zum Chemisch-Technischen Assistenten, zum Textillaboranten, Pharmakanten oder eine schulische Ausbildung zum Diätassistenten.

Erst Ausbildung, dann Studium?

Ein Hochschulstudium ist für Abiturienten auch nach einer Ausbildung noch möglich. Dabei gibt Birgit Tschense jedoch zu bedenken: „Ein Chemiestudium ist sehr zeitintensiv und dauert mit Bachelor- und Masterabschluss nicht selten sechs Jahre. Zudem erwarten viele Arbeitgeber im Bereich Forschung und Entwicklung auch eine Promotion. Diese umfasst nochmals circa zwei bis drei Jahre.“ Um den passenden Chemie-Beruf für sich zu finden, rät sie Interessierten, abzuwägen, welche persönlichen Neigungen dabei eingebracht werden können. „Möchte man eher wie ein Ingenieur handeln, wie ein Betriebswirt arbeiten oder beratend tätig sein, etwa in der Ernährung – solche Fragen können weiterhelfen.“

Auch einige Fähigkeiten, die im Bereich Chemie grundsätzlich zielführend sind, nennt Birgit Tschense. „Man sollte ein Faible für Mathematik sowie andere Naturwissenschaften haben, also auch für Physik und Biologie. Wichtig ist bei vielen Aufgaben auch eine Neigung zu sehr exaktem Arbeiten, Respekt vor Gefahrstoffen und ein hohes Sicherheitsbewusstsein – und vor allem Neugier, wenn es etwa darum geht, neue Stoffe oder Materialien zu entwickeln.“

Arbeitsmarkt entwickelt sich positiv

Grundsätzlich sind die Karrierechancen für Akademiker im Bereich Chemie gut. „Für Absolventen und Absolventinnen hat sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt seit 2015 verbessert“, bestätigt Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Die Arbeitslosenzahl bei Chemikern sowie Ingenieuren für Chemie- und Pharmatechnik ist seither gesunken, von 2.700 im Jahr 2015 auf 2.500 im Jahresdurchschnitt 2017.“ Die sich explizit an Chemiker richtenden Stellenangebote, die der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wurden, steigerten sich von 287 im Jahr 2016 auf 350 im Monatsdurchschnitt des Jahres 2017. „Da Naturwissenschaftler in vielen Berufen zu Hause sind, ist das Angebot für Hochschulabsolventen der Chemie jedoch viel breiter.“ Sprich: Sie können in unterschiedlichen Branchen und Bereichen arbeiten. Ähnlich verhält es sich nach Einschätzung der Expertin mit den Ausbildungsberufen im Bereich Chemie. „Die Arbeitslosenquoten für Chemikanten, Pharmakanten, Chemisch-Technische Assistenten und Chemielaboranten sind sehr niedrig. Die Arbeitslosigkeit ist in den vergangenen Jahren gesunken und die Nachfrage gestiegen.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Chemie)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Chemie)
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

Verband der Chemischen Industrie

www.vci.de

Gesellschaft Deutscher Chemiker

www.gdch.de

Bundesarbeitgeberverband Chemie

www.bavc.de

Infos zu Studiengängen

www.chemie-studieren.de

Infos zu Chemieberufen

www.gdch.de/berufsbilder

Infos zu Ausbildungsberufen

www.elementare-vielfalt.de

abi>> 24.09.2018

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