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„Die Einsatzmöglichkeiten sind enorm vielfältig“

Eine Chemikerin misst verschiedene Substanzen im Labor ab.
Immer wieder versuchen Chemiker ihre Produktionsabläufe zu optimieren.
Foto: Nicole Schwab

Ich will was machen mit Chemie – Interview

„Die Einsatzmöglichkeiten sind enorm vielfältig“

Welche Trends dominieren die Branche? Welche Anforderungen werden an Bewerber gestellt? Angela Pereira Jaé weiß, was in der Chemie läuft. Im abi>> Interview steht die Teamleiterin Karriereservice und Stellenmarkt bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh) Rede und Antwort.

abi>> Frau Pereira Jaé, welche aktuellen Trends zeichnen sich in der Branche derzeit ab?

Angela Pereira Jaé: Die Chemie befindet sich stets im Wandel, da sie ein sehr dynamisches Feld ist. Zwei allgegenwärtige Haupttrends prägen derzeit auch unsere Branche und bringen neue Herausforderungen mit sich. Zum einen sind es Konzepte zur Nachhaltigkeit – sie werden von der Gesellschaft ausdrücklich gefordert. Es gilt also, Lösungen zu finden – sei es bei der Ernährung, Gesundheit, Lebensqualität oder Energieversorgung. Das sind ganz wichtige Aspekte, an denen sich die Branche momentan stark orientiert, auch was die Arbeitsfelder und Technologien betrifft. Im alltäglichen Leben betrifft dies Themen wie Recycling, Rückgewinnung von Energie, klimaschonende Herstellung. Ein weiteres großes Schlagwort in der Industrie ist Chemie 4.0, also die Aufgabe im Rahmen der Digitalisierung neue Konzepte für Produktionsabläufe zu entwickeln. Begriffe wie Smart Factory, also die intelligente Fabrik, und Robotik werden auch in Bezug auf Fachkräfte diskutiert.

abi>> Diese Trends prägen derzeit wohl alle Branchen. Wie zeigen sie sich konkret in der Chemie?

Ein Porträt-Foto von Angela Pereira Jaé

Angela Pereira Jaé

Foto: privat

Angela Pereira Jaé: Sie zeigen sich etwa, indem Produktionsabläufe optimiert werden. Hier ist ein Schlagwort natürlich die Automatisierung von Anlagen. Durch digitale Prozesssteuerung können Ressourcen gespart werden, somit werden auch Reststoffe reduziert. Oder sehen Sie sich ein klassisches Forschungslabor an: Hier werden viele Arbeitsschritte noch manuell erledigt, etwa das Abwiegen von Versuchskomponenten oder das Führen des Laborbuchs. Dabei werden große Datenmengen von unterschiedlichen Geräten erzeugt, die nicht miteinander vernetzt sind. Der Einfluss der Digitalisierung kann sich hier zum Beispiel in der Einführung von Datenbrillen und cloudbasierten Laborbüchern zeigen, um so die Effizienz zu steigern. Automatisierte und vernetzte Geräte zu bedienen wird in Zukunft ebenfalls mehr den Laboralltag prägen. Das ist aber ein Prozess, den wir mit Blick auf die nächsten fünf bis 15 Jahre beobachten.

abi>> Welche Anforderungen werden grundsätzlich an Absolventen vonStudiengängen oder Ausbildungen im Bereich Chemie gestellt?

Angela Pereira Jaé: Spaß an der Chemie ist ganz wichtig. Man muss neugierig sein, gern experimentieren und ausprobieren wollen. Auch Durchhaltevermögen ist gefragt, weil etwa Versuche häufig wiederholt werden müssen und auch mit Fehlergebnissen verbunden sind. Zunehmend kommt es auch auf Interdisziplinarität an, also Überschneidungen mit Fächern wie Physik und Biologie. Das Feld wird immer heterogener, daher sollte man auch Freude an den anderen Naturwissenschaften mitbringen.

abi>> Und wie gelingt der Berufseinstieg?

Angela Pereira Jaé: Indem man flexibel ist und sich bewusst macht, wie enorm vielfältig die Einsatzmöglichkeiten in der Chemie sind. Sie reichen von der Analytik über das Patentwesen bis hin zum Vertrieb. Es muss also nicht immer das klassische Arbeiten im Labor sein. Für alle, die sich gern tiefer mit dem Thema auseinandersetzen möchten, empfehle ich zum Studium die Website www.chemie-studieren.de, für Chemieberufe allgemein www.gdch.de/berufsbilder und für Ausbildungsberufe www.elementare-vielfalt.de. Unsere Gesellschaft bietet jede Menge Unterstützung, etwa ein Mentoringprogramm für junge Chemiker im Studium, Angebote wie Fortbildungen oder wissenschaftliche Tagungen, bei denen man viele Kontakte knüpft. Außerdem verfügen wir über ein Netzwerk aus 31.000 Chemikern – Networking kann viele Türen öffnen. Es ist gerade in der Chemie ein wichtiger Bestandteil für einen erfolgreichen Berufseinstieg.

abi>> Inwiefern ist nach einem Chemiestudium noch eine Promotion erforderlich?

Angela Pereira Jaé: Fakt ist, dass ein Großteil der Universitätsabsolventen promoviert – konkret über 80 Prozent. Allerdings verzeichnen wir hier seit einigen Jahren eine leichte Rückläufigkeit. Man hat aber auch mit dem Masterabschluss sehr gute Jobmöglichkeiten.

abi>> 24.09.2018

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