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Wege in die weite Geo-Welt

Eine Karte zeigt verschiedene europäische Länder.
Die Welt, in der wir leben – damit beschäftigt sich die Geographie in vielfältigen Disziplinen, etwa der Kartographie.
Foto: Hans-Martin Issler

Ich will was machen mit Erdkunde

Wege in die weite Geo-Welt

Die Erde und ihre Bewohner – mit nichts Geringerem beschäftigen sich Geographen. Wer beruflich „etwas mit Erdkunde“ machen möchte, kann aus einem entsprechend breiten Spektrum an Ausbildungs-, Studienwegen und Berufsfeldern wählen. abi>> gibt einen Einblick in die interdisziplinäre Geo-Welt.

Jenaer Oasen für Hitzemonate dringend gesucht“ lautete die Überschrift eines Artikels in der Ostthüringer Zeitung. Darin wurde angekündigt, dass die Geographie-Studentin Sophie Köhler mit ihrem Team Fragebogen an Bürger verteilt, um zu erfahren, wo sie sich welche Art von „grünen Klima-Oasen“ wünschen. Die Umfrage diente einem Projekt der Stadt, dessen Ziel es ist, schattige Rückzugsorte in Jena zu schaffen. Zudem war sie Teil von Sophie Köhlers Bachelorarbeit im Studiengang Geographie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Mittlerweile hat die 23-Jährige dort den Masterstudiengang mit Schwerpunkt Migration, demographischer Wandel und regionale Entwicklung angeschlossen. Die 23-Jährige kann sich vorstellen, später in der Stadtentwicklung zu arbeiten: „Da kann ich mein Wissen anwenden, den Raum mitgestalten und habe Kontakt zu Menschen.“ Auch die Wirtschaftsgeographie, speziell der Bereich Unternehmensentwicklung, interessiert sie.

Von Kartographie bis VWL

Ein Porträt-Foto von Sophie Köhler

Sophie Köhler

Foto: privat

Die Geographie vereint viele komplexe wissenschaftliche Disziplinen – nicht zuletzt aufgrund dieser Vielseitigkeit hat sich Sophie Köhler für das Fach entschieden. In Jena stehen etwa Geoinformatik, Fernerkundung, Kartographie und Globalisierung, aber auch BWL, VWL, Soziologie und Statistik auf ihrem Modulplan.

Wie umfassend die Themen dieser interdisziplinären Wissenschaft sind, zeigt eine Definition der Deutschen Gesellschaft für Geographie: „In der Geographie geht es, allgemein ausgedrückt, um die Welt, in der wir leben.“ Sie verbinde natur- und gesellschaftswissenschaftliche Perspektiven und Methoden: „Die naturwissenschaftliche ‚Physische Geographie‘ untersucht die Struktur und Dynamik unserer physischen Umwelt. Die gesellschaftswissenschaftlich ausgerichtete ‚Humangeographie‘ befasst sich mit der Struktur und Dynamik von Kulturen, Gesellschaften, Ökonomien und der Raumbezogenheit des menschlichen Handelns.“

Entsprechend vielfältig sind die Zugangswege. Wer dem Schulfach verbunden bleiben möchte, kann sich für Erdkunde auf Lehramt entscheiden. Hier gilt es zu bedenken, dass man das Fach nach den Vorgaben des jeweiligen Bundeslands mit einem zweiten Schulfach kombinieren muss.

Vielzahl an Schwerpunkten

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Geo-Studiengänge mit unterschiedlichen Schwerpunkten. So beschäftigt sich beispielsweise die Kulturgeographie mit dem Einfluss der menschlichen Kultur auf die Erde. Wirtschaftsgeographie nimmt die wirtschaftlichen Entwicklungen in Regionen und Ländern in den Blick. Um die Darstellung raumbezogener Informationen in Karten und anderen Medien kümmert sich die Stadt- und Regionalplanung beziehungsweise die Kartographie.

Wer Einzelerscheinungen naturwissenschaftlich erforschen möchte, kann ein Fach im Studienbereich Geowissenschaften wählen. Hierzu zählen unter anderem Geophysik, Meteorologie, Ozeanographie oder Geoökologie. Technische Aspekte stehen vor allem in Geotechnik oder Geoinformatik im Fokus.

„Bauzeichner, Baustoffprüfer mit dem Schwerpunkt Geotechnik und Geomatiker sind passende Ausbildungsberufe für Abiturienten, die etwas mit Erdkunde machen wollen“, ergänzt Michael Hümmer, Berufsberater der Arbeitsagentur Fürth. Auch Ausbildungen bei öffentlichen Arbeitgebern wie Katasterämtern, Forst- und Umweltbehörden oder Autobahndirektionen können interessant sein. Dort finden zudem Studienabsolventen adäquate Anstellungen.

Mehr zu den möglichen Studien- und Ausbildungsberufen im Bereich Erdkunde erfährst du in der Übersicht „Berufe für Erdkunde-Fans“.

Berufliche Ziele früh abstecken

Wirtschaftsförderung, Stadtentwicklung, Tourismus- oder Immobilienmanagement, Klima- und Umweltschutz, Lehramt, Forschung – das sind nur einige Berufsfelder, in denen Absolventen Beschäftigung finden. Wegen der vielen Einsatzmöglichkeiten sollte man sich früh Gedanken machen, wohin es beruflich gehen soll, rät Michael Hümmer. Entsprechend könne auch der Schwerpunkt des Masters gewählt werden. Praktika helfen herauszufinden, ob einem Tätigkeit und Thematik liegen. Gerade für die Entwicklungszusammenarbeit seien erste Erfahrungen in den themenrelevanten Regionen Voraussetzung für eine Anstellung, weiß der Berufsberater.

Grundvoraussetzung für Ausbildung und Studium, ganz gleich in welchem Bereich, sei ein starkes Interesse an Naturwissenschaften. „Auch in der Humangeographie setzt man sich mit naturwissenschaftlich-mathematischen Fragestellungen auseinander.“ Gleiches gilt für IT-Tools, fügt Michael Hümmer hinzu und verweist auf die Informationssysteme, mit denen Geographen arbeiten. Welches weitere Rüstzeug man benötigt und eventuell neben dem Studium vertiefen sollte – zum Beispiel Fremdsprachen, Marketingkenntnisse, BWL-Grundlagen, Projektmanagement –, hänge wiederum mit den jeweiligen Berufswünschen zusammen.

Über den Tellerrand blicken

Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit rät ebenfalls, sich frühzeitig über das breite Spektrum an Einsatzmöglichkeiten zu informieren. Der eher kleine Arbeitsmarkt für Geographen mit 2.600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten entwickle sich ähnlich positiv wie der Arbeitsmarkt insgesamt, führt sie aus. Die Arbeitslosenzahl sei zwar im Vergleich zum Vorjahr im Jahresdurchschnitt 2018 um 21 Prozent auf 410 gesunken, falle aber höher aus als in vielen anderen Berufsgruppen. Mit 230 Stellenmeldungen im Jahresverlauf 2018 ist die Nachfrage um 13 Prozent gestiegen. Allerdings seien es eben nur wenige Stellenmeldungen, die sich explizit an Geographen richten. „Für einen guten Berufseinstieg muss man über den Tellerrand blicken. Und da man mit Absolventen anderer Studienfächer in Konkurrenz tritt, ist zu empfehlen, Kontakte zu knüpfen, Praxisluft zu schnuppern und beim Berufseinstieg flexibel zu sein“, betont die Expertin.

Weitere Informationen

berufsfeld-Info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung
www.berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild (Suchworte z.B. Erdkunde; Geo).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte z.B. Erdkunde; Geo).
www.studienwahl.de

Deutsche Gesellschaft für Geographie (DGfG)

Die DGfG ist die Dachorganisation der geographischen Verbände und Gesellschaften in Deutschland. Sie vertritt die Interessen von Geographen, die an Schulen, Hochschulen und in der Praxis tätig sind.
www.geographie.de

GeoDACH

GeoDACH ist der gemeinnützige Dachverband, der die Geographiestudierenden und deren Fachschaftsvertretungen im Raum Deutschland, Österreich und der Schweiz repräsentiert. Dabei versteht er sich als Organ zur Vernetzung der Geographiestudierenden.
www.geodach.org

Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG)

Der BDG vertritt die Interessen von Geologen, Geophysikern, Mineralogen und weiteren Geowissenschaftler/innen der festen Erde in Deutschland.
www.geoberuf.de

Deutscher Verband für Angewandte Geographie (DVAG)

Der DVAG ist die Plattform der Angewandten Geographie in Deutschland. Studierende können sich über potenzielle Berufsfelder und Chancen, Praktika und Arbeitgeber informieren und Kontakte zu Leuten zu knüpfen, die in diesem Feld bereits arbeiten.
www.geographie-dvag.de

abi>> 02.05.2019