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Zurück ins Heute

Ein Mann studiert ein altes Buch.
Dank historischer Quellen können sich Geschichtswissenschaftler ein Bild davon machen, wie Menschen früher gelebt und gedacht haben.
Foto: Sebastian Reimold

Ich will was machen mit Geschichte

Zurück ins Heute

Was kam bei den alten Römern auf den Tisch? Wie verlief die Französische Revolution? Warum gibt es Linksverkehr? In der Geschichtsforschung geht es darum, historische Zusammenhänge zu verstehen – und damit auch unsere Gegenwart. Der Weg zu einem „Beruf mit Geschichte“ führt meist über ein Studium, aber auch bei einigen Ausbildungen ist historisches Interesse gefragt. Später selbst Geschichte zu unterrichten, ist nur eine von vielen beruflichen Möglichkeiten.

Inken Bischoff (23) wollte Lehrerin werden, als sie vor dreieinhalb Jahren ein Studium der Fächer Geschichte und Anglistik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt begann. „Ich hatte während der Schulzeit sehr gute Geschichtslehrer und wollte später anderen ebenfalls beibringen, dass Geschichte nicht nur Jahreszahlen auswendig lernen ist“, erinnert sie sich. Nach einem siebenmonatigen Praktikum in einer Schule in Großbritannien stand für die Studentin jedoch fest, tiefer in vergangene Epochen eintauchen zu wollen, als es im Schulunterricht möglich ist.

Porträt von Inken Bischoff

Inken Bischoff

Foto: privat

Deshalb wechselte sie in ein interdisziplinäres Bachelorstudium und studiert seitdem Geschichte im Haupt- und Anglistik im Nebenfach. Von vorn beginnen musste sie allerdings nicht, alle bisherigen Studienleistungen wurden ihr angerechnet. In den ersten Semestern besuchte die 23-Jährige vor allem Einführungsveranstaltungen, die einen Überblick über die Hauptepochen vermitteln, angefangen bei der griechisch-römischen Antike über das Mittelalter bis hin zur Gegenwart.

Inzwischen hat sie sich für einen Schwerpunkt entschieden: „Ich belege viele Vorlesungen und Seminare zur Alten Geschichte. Es gibt hier zwar nicht so viele Quellen wie für andere Epochen, das erleichtert aber auch den Überblick. Wegen der alten Sprachen muss man allerdings viel genauer mit den Schriftstücken arbeiten“.

Lesefreudig sollte man sein

Der Umgang mit diesen „Spuren der Vergangenheit“ spielt im Geschichtsstudium eine zentrale Rolle. Mit Hilfe von Urkunden, Briefen, Bildern, Zeitungsartikeln oder Gegenständen können sich Historiker ein Bild davon machen, wie Menschen früher gelebt und gehandelt haben. Studieninteressierte sollten sich demnach für historische Quellen begeistern und gerne lesen. Das sind für Jens Homberg, Berufs- und Studienberater bei der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven, die wichtigsten Voraussetzungen.

Eine Leidenschaft für Sprachen sollten Abiturienten ebenfalls mitbringen, denn viele Texte sind in „alten Sprachen“ wie Latein oder Griechisch, aber auch in modernen Fremdsprachen verfasst. „Allein mit Deutsch kommt man in diesem Fach nicht weit, der Blick würde sehr eingeengt“, bestätigt Inken Bischoff, die Latein als Schulfach hatte und nun auch Altgriechisch lernt, um Schriftstücke aus der Antike im Original lesen zu können.

Alternative Studiengänge und Ausbildungen

Neben den Geschichtswissenschaften kommen Studiengänge wie Archäologie, Anthropologie, Denkmalpflege, Kunstgeschichte oder Restaurierung beziehungsweise Konservierung und natürlich das Lehramtsstudium in Frage.

„Aber auch Ausbildungen können in Berufe führen, in denen geschichtswissenschaftliche Erkenntnisse zumindest eine wichtige Grundlage bilden“, ergänzt Studienberater Jens Homberg. Dazu zählen Berufe wie Denkmaltechnischer Assistent, Maler und Lackierer der Fachrichtung Kirchenmalerei und Denkmalpflege oder Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste der Fachrichtung Archiv. Anschließend sind Weiterbildungen, etwa zum Techniker der Fachrichtung Grabungstechnik, möglich.

Nicht nur Lehrer oder Wissenschaftler

Bei den „Berufen mit Geschichte“ bilden die Geschichtslehrer immer noch die größte Gruppe der Erwerbstätigen, weiß Susanne Lindner, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit. Daneben gibt es aber auch eine Reihe kleinerer Berufsgruppen, beispielsweise den Bereich Museumstechnik und -management mit rund 8.000 Beschäftigten. In diesem Bereich hat sich die Arbeitsmarktlage zuletzt etwas aufgehellt, denn Beschäftigung und Nachfrage sind auf niedrigem Niveau gestiegen und die Zahl der Arbeitslosen ist nahezu unverändert. „Bei den Geschichtswissenschaftlern ist die Situation hingegen derzeit angespannt. Es gibt knapp 1.000 Beschäftigte, Stellenmeldungen sind äußerst rar und die Arbeitslosigkeit ist hoch“, sagt Susanne Lindner.

Die Berufsperspektiven sind trotzdem vielseitig, denn wie bei nahezu allen geisteswissenschaftlichen Studiengängen, sind auch Historiker nicht auf ein bestimmtes Arbeitsfeld festgelegt. „Es sind zum Beispiel Tätigkeiten als Kulturreferenten oder Kuratoren denkbar, aber auch in Museen, Sammlungen und Archiven oder in den Medien“, erläutert Studienberater Jens Homberg. Ein passender Master kann bei der Weichenstellung helfen. Das findet auch Inken Bischoff, die nach ihrer Bachelorarbeit ein Masterstudium anschließen möchte – um Geschichte „vollends zu studieren“.

Weitere Informationen

abi>> Infomappen

Willst du wissen, welche Studienberufe es in diesem Bereich gibt? Dann schau mal in die abi>> Infomappe „Gesellschaft und Geschichte“ in deinem Berufsinformationszentrum (BiZ). Den Online-Katalog zur Auswahl interessanter Mappen gibt es unter www.biz-medien.de/abi

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Geschichte u.a.)
www.berufenet.arbeitsagentur.de/

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
www.kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V.

Unter dem Menüpunkt „Nachwuchs“ können sich Abiturienten u.a. über Studiengänge informieren.

www.historikerverband.de

Verband der Geschichtslehrer e.V.

Auf der Webseite finden sich Links für den Geschichtsunterricht, Buchtipps und Rezensionen sowie unter dem Menüpunkt „Arbeitsbereiche“ Informationen über die Lehrerbildung.
www.geschichtslehrerverband.de

Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. (VdA)

Interessierte können sich unter „Stellenmarkt“ über Stellenangebote einzelner Archive und Institutionen informieren, der Blog gibt Auskunft über archivrelevante Themen.
www.vda.archiv.net

Verband deutscher Kunsthistoriker e.V.

Unter dem Menüpunkt „Kunstgeschichte“ kann man sich über das Berufsbild sowie Studiegänge und -orte informieren.
www.kunsthistoriker.org

abi>> 09.02.2017