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„Wo sind denn die ganzen Mädels?“

iPhone 4
Um eine App-Idee realisieren zu können, gründete Aya Jaff einen eigenen Programmier-Club.
Foto: Martin Rehm

Aya Jaff

„Wo sind denn die ganzen Mädels?“

„Bekannteste Programmiererin Deutschlands“, „Expertin der Tech-Branche“ – wer Informationen über Aya Jaff sucht, findet Superlative. Die 22-Jährige widerspricht jedem Klischee des männlichen Nerds und zeigt, dass Programmieren durchaus auch etwas für Frauen ist. abi» sprach mit der Studentin aus Nürnberg über Vorbilder, Zukunftspläne – und Männer.

abi>> Aya, du hast schon in jungen Jahren mit dem Programmieren angefangen. Wie kam es dazu?

Aya Jaff: Als ich 16 Jahre alt war, bin ich auf einen Ideenwettbewerb aufmerksam geworden. Ich wollte eine App entwickeln, durch die Schüler wissen, wann Schulstunden ausfallen und sie länger im Bett bleiben können. Nachdem ich für diese Idee 400 Euro gewonnen habe, habe ich bei verschiedenen Softwareentwicklern nachgefragt, was so eine App kostet. Ich war dann erst mal baff, wie teuer das ist. Da ich mit den 400 Euro nicht weit gekommen wäre, habe ich kurzerhand einen eigenen Programmierclub gegründet. Das war mein Start in die Programmier-Welt.

abi>> Dein erstes Projekt war dann aber nicht diese App, sondern das Online-Börsenspiel „Tradity“, das du mitentwickelt hast. Wie sind denn die Reaktionen darauf, dass du dich als Frau fürs Programmieren interessierst?

Ein Porträt-Foto von Aya Jaff

Aya Jaff

Foto: Hanzhi Chang

Aya Jaff: Bisher hat noch keiner gesagt: „Du bist ein Mädchen und du codest – das passt nicht.“ Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich eigentlich immer das einzige Mädchen war – sei es im Programmierclub oder auch bei Tradity. Da denkt man sich schon irgendwann: Wo sind denn die ganzen Mädels?

abi>> Wie kann man denn mehr Frauen für das Programmieren begeistern?

Aya Jaff: Man sieht inzwischen immer mehr Frauen auf Entwicklerkonferenzen. Und je mehr Frauen da sind, desto stärker werden sie wahrgenommen. Da ist es eine gute Sache, wenn man Frauen vergünstigte Tickets für solche Konferenzen anbietet.

abi>> Noch sind die meisten Programmierer aber Männer. Wie ist das für dich?

Aya Jaff: Bei Konferenzen kommt es manchmal vor, dass ich als „Quotenfrau“ angesehen werde. Wie mich dieser Begriff nervt! (lacht) Einige Männer glauben erst nicht, dass ich mich wirklich für das Programmieren interessiere. Manchmal gibt es auch ein paar bissige Kommentare wie: „Die wird doch nur gehypt, weil sie ein Mädchen ist.“ Das sind aber Ausnahmen. Im Großen und Ganzen habe ich positive Erfahrungen gemacht.

abi>> Warum spricht man denn überhaupt von „Frauenberufen“ und „Männerberufen“? Gibt es das wirklich?

Aya Jaff: Ja, aber nicht, weil Männer und Frauen gewisse Berufe nicht machen können. Ich glaube, das ist kulturell bedingt. Die ersten Programmiererinnen waren schließlich Frauen. Das hat sich dann irgendwann gewandelt und Programmieren wurde vor allem durch die Computerspieleindustrie zur Männersache erklärt. Aber allmählich ändert sich das wieder.

abi>> Gab es Vorbilder, die dir bei der Berufsorientierung geholfen haben?

Aya Jaff: Ich habe immer gern das Magazin „Fortune“ gelesen. Da gab’s einmal ein Bild von Marissa Mayer (Anm. der Redaktion: ehemalige CEO bei Yahoo, davor Vizepräsidentin bei Google), die total zuversichtlich und selbstbewusst in die Welt geblickt hat. Die schaut richtig gut aus, ist nicht arrogant, sie programmiert und hat Spaß dabei. Ich habe mir dann ihr Bild über meinen Schreibtisch gehängt.

abi>> Was rätst du Schülerinnen und Schülern für ihre Berufswahl?

Aya Jaff: Ich hab Menschen, die mir ein berufliches Vorbild waren, immer gegoogelt. Wie haben die ihre Karriere geplant? Was mache ich, um da hinzukommen? Dafür kann man seine Vorbilder auch mal direkt kontaktieren und sie fragen. Das hat mir immer viel gebracht.

abi>> Aktuell studierst du Wirtschaftswissenschaften und Sinologie. Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Aya Jaff: Ich will natürlich mein Studium abschließen, aber daneben arbeite ich ständig an Projekten. Momentan schreibe ich zum Beispiel ein Buch, das Jugendlichen Börsenwissen näher bringen soll. Dafür habe ich auch Hiphop-Songs analysiert, in denen oft wertvolle Investment-Tipps gegeben werden. Außerdem möchte ich gerne noch etwas Eigenes auf die Beine stellen, aber das ist noch nicht spruchreif.

Über Aya Jaff

Aya Jaff programmiert, seit sie 15 ist. Sie hat das Online-Börsenspiel „Tradity“ mitentwickelt und dessen Technik-Team geleitet. An dem Wettbewerb haben mittlerweile schon mehr als 13.000 Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland teilgenommen. Dank eines Stipendiums konnte Aya Jaff außerdem einige Wochen lang an der Draper Universität im Silikon Valley zur Zukunft der Logistik forschen. Danach bekam sie ein Jobangebot von Dirk Ahlborn, CEO des Unternehmens Hyperloop und arbeitete dort neben ihrem Studium der Wirtschaftsinformatik. Das Unternehmen entwickelt Transportmöglichkeiten, mit denen Menschen mit mehr als 1.000 km/h durch Unterdruckröhren befördert werden können. Inzwischen studiert sie Ökonomie und Sinologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – und arbeitet nebenbei als Head of Communications bei einem Gründerzentrum.

abi>> 01.03.2018