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„Forscher sollten in Bewegung bleiben“

Abbildung einer Sonde im Weltall
Gravitationswellen sind Kräuselungen der Raumzeit, die ein Großereignis im fernen Universum hervorgerufen hat.
Foto: Gerhard Blank

Bruce Allen

„Forscher sollten in Bewegung bleiben“

Es war ein Paukenschlag der Wissenschaft: Am 11. Februar 2016 wurde bekannt, dass es Forschern gelungen ist, Gravitationswellen nachzuweisen. Der Nobelpreis für Physik winkt. Ein Interview mit Prof. Dr. Bruce Allen, Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Hannover, das dabei eine führende Rolle spielt.

abi>> Herr Professor Allen, was hat Sie dazu bewogen, in die Forschung zu gehen?

Bruce Allen: Schon als Kind habe ich gern getüftelt und konstruiert, habe Flugzeugmodelle und elektronische Dinge gebaut. Erst wollte ich Ingenieur für Elektrotechnik werden, aber dann habe ich mich in Physikbücher vertieft. Das hat mich gepackt. Mir gefiel es zu verstehen, wie bestimmte Dinge funktionieren.

abi>> Wie kamen Sie zu Ihrer heutigen Position am Max-Planck-Institut in Hannover?

Bruce Allen: Ich war in den USA Professor für Physik an der University of Wisconsin und musste dort viele verschiedene Aufgaben unter einen Hut bringen. Am Max-Planck-Institut erhielt ich die Gelegenheit, mich ganz auf Forschung und Lehre zu konzentrieren.

abi>> Nun gilt als bewiesen, was Albert Einstein vor 100 Jahren vorhergesagt hat – das noch fehlende Puzzleteil der Relativitätstheorie wurde gefunden. Zwei Wissenschaftler Ihrer Arbeitsgruppe sahen das Signal als erste. Was genau geschah in dem Moment?

Ein Porträt-Foto von Dr. Bruce Allen

Dr. Bruce Allen

Foto: Privat

Bruce Allen: Gravitationswellen sind Kräuselungen der Raumzeit, die ein Großereignis im fernen Universum hervorgerufen hat. In diesem Fall war es die Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher vor 1,3 Milliarden Jahren. Das dadurch ausgelöste Signal wurde nun vom Observatorium Advanced LIGO empfangen. Unsere Postdoktoranden Marco Drago und Andrew Lundgren saßen gerade am Rechner, als die Daten von aLIGO aus den USA übermittelt wurden.

abi>> Damit hatten Sie Grund zum Feiern und standen im Fokus der Weltpresse.

Bruce Allen: Natürlich war es ein erhebender Moment und ich bin stolz auf die führende Rolle, die unser Institut bei dieser spannenden Entdeckung spielt. Doch man darf nicht übersehen, dass an diesem Projekt rund 1.000 Forscher weltweit beteiligt sind. Allein unsere Arbeitsgruppe umfasst rund 40 Wissenschaftler.

abi>> Wie sieht Ihr Arbeitsalltag am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik konkret aus?

Bruce Allen: Wir sitzen vor allem an unseren Computern und analysieren Daten, die via Internet eintreffen. Ganz wesentlich ist auch der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen an den rund 100 Instituten weltweit, die an der Erforschung der Gravitationswellen beteiligt sind. Das bedeutet, dass viele von uns mindestens zwei bis drei Stunden täglich in Telefon- und Videokonferenzen diskutieren, natürlich auf Englisch.

abi>> Inwieweit kommt es dabei auf zündende Ideen und kreative Einfälle an?

Bruce Allen: Unsere Aufgaben sind sehr vielfältig. Wir entwickeln und implementieren unter anderem Datenanalyse-Methoden, die dazu geeignet sind, nach den schwachen Gravitationswellen-Signalen zu suchen. Manchmal müssen wir dabei ganz neue Wege finden und kreativ sein.

abi>> Was raten Sie Interessierten, die in die Forschung gehen möchten?

Bruce Allen: Man sollte bereit sein, den kompletten Weg über Bachelor- und Masterstudium mit anschließender Promotion zu gehen. Dies wird in der Wissenschaft normalerweise erwartet, genauso wie sehr gute Englischkenntnisse. Außerdem sollten junge Forscher Erfahrungen in unterschiedlichen Regionen oder Ländern sammeln. Wer in Bewegung bleibt, kommt mit anderen Denkweisen in Berührung. Daraus können dann wiederum neue zündende Ideen entstehen.

Prof. Dr. Bruce Allen

Bruce Allen, geboren am 11. Mai 1959 in den USA, studierte Physik am Massachusetts Institute of Technology (MIT). 1984 erwarb er in Großbritannien seinen Doktortitel (PhD) an der University of Cambridge. Zurück in den USA arbeitete er von 1987 bis 1989 als Research Assistant Professor an der Tufts University in Massachusetts. Anschließend lehrte und forschte er an der University of Wisconsin – Milwaukee, zuletzt als Professor of Physics. Seit 2007 leitet er am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Hannover eine Abteilung, die zentral an der Entdeckung von Gravitationswellen beteiligt ist. An der Leibniz Universität Hannover hat Bruce Allen eine Honorarprofessur inne.

abi>> 08.04.2016