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„Man muss dafür brennen“

Aufnahme eines Schaufensters
In ihrem Blog befasst sich Anna Frost unter anderem mit Beautythemen und Modetrends.
Foto: Jessica Braun

Anna Frost

„Man muss dafür brennen“

Anna Frost ist eine der erfolgreichsten Modebloggerinnen Deutschlands. Im Interview mit abi» spricht sie über Verdienstmöglichkeiten, Schreibblockaden und aktuelle Modetrends.

abi>> Anna, du bist bereits seit neun Jahren als Modebloggerin im Internet unterwegs. Wie ging es eigentlich los?

Anna Frost: Nach meinem Abitur und einer Ausbildung zur Erzieherin war es mein Wunsch, mich beruflich in Richtung Schreiben zu entwickeln. Schon in der Schulzeit hatte ich bei der Schülerzeitung gearbeitet und Praktika bei Tageszeitungen gemacht. Da ich mich vor allem für Mode interessiere, schrieb ich mich an der Akademie für Mode & Design (AMD) in Düsseldorf für Mode- und Designmanagement ein. Bald merkte ich jedoch, dass das Fach nichts für mich ist und brach das Studium nach drei Semestern ab. Rückblickend war das die richtige Entscheidung. Generell rate ich dazu aber niemandem; das muss jeder selbst abwägen. Ohne Berufsausbildung in der Tasche, auf die ich im Notfall hätte zurückgreifen können, hätte ich mich wohl auch anders entschieden.

abi>> Wie ging es weiter?

Ein Porträt-Foto von Anna Frost

Anna Frost

Foto: privat

Anna Frost: Ich hatte damals schon meinen Blog „Fashionpuppe“ gestartet und bereits länger darüber nachgedacht, ihn hauptberuflich zu betreiben. Während ich den Sprung in die Selbstständigkeit plante, absolvierte ich ein halbjähriges Praktikum in einer Werbeagentur. Das war sinnvoll, da ich dort viel über Unternehmensführung lernte: Wie mache ich die Buchhaltung? Wie schreibe ich Rechnungen? Aber auch kreative Fragen spielten eine Rolle, zum Beispiel: Wie baue ich eine Kampagne auf? Das alles hilft mir für meinen Blog sehr.

abi>> Als du mit „Fashionpuppe“ angefangen hast, gab es noch nicht viele Modebloggerinnen in Deutschland.

Anna Frost: Nein, ich war eine der ersten und es lief von Anfang an sehr gut. Ich wurde zu vielen Events eingeladen. Dort traf ich andere Bloggerinnen und merkte: Das ist es, das ist meine Leidenschaft, dafür brenne ich.

abi>> Wie ging es nach deinem Praktikum weiter?

Anna Frost: Ich war damals schon mit meinem heutigen Mann Jakob zusammen, der ebenfalls selbstständig war und mich in der Anfangsphase finanziell unterstützte. Doch schon nach drei Monaten stand ich auf eigenen Beinen und konnte von meinem Blog leben. Viel wichtiger war aber, dass Jakob mich zu inhaltlichen Fragen beraten hat. Gemeinsam überlegten wir, wie der Blog sich entwickeln könnte und auf welchen Social-Media-Kanälen ich sichtbar sein sollte. Das war viel Learning by Doing – damals konnte ich einfach loslegen und mich ausprobieren.

abi>> Ist das heute anders?

Anna Frost: Definitiv. Wer heute einen Blog startet, sollte ein konkretes Konzept haben: Mit welchem Thema beschäftigt sich der Blog? Gibt es in diesem Bereich überhaupt noch Platz für weitere Blogger oder ist er bereits überlaufen? Es reicht nicht, einen Blog zu haben. Auch auf Twitter, YouTube, Instagram und Snapchat sollte man präsent sein.

abi>> Das klingt nach viel Arbeit.

Anna Frost: Das stimmt. Die Dauerpräsenz auf vielen Kanälen kann anstrengend sein, vor allem weil man auf Knopfdruck kreativ sein muss. Ich selbst war Anfang des Jahres total ausgebrannt und hatte plötzlich eine Schreibblockade. Ich wollte – und musste – Texte schreiben, aber mir fiel nichts ein. Die Blockade ging vorüber, auf diese Erfahrung hätte ich allerdings gerne verzichtet.

abi>> Was muss man mitbringen, wenn man Modebloggerin werden möchte?

Anna Frost: Neben Spaß an Mode und Schreiben braucht man viel Kreativität, Biss und Durchhaltevermögen. Man hat nicht von heute auf morgen Tausende Leser oder Follower in den sozialen Medien. Man sollte mutig sein und sich trauen, auf potenzielle Auftraggeber zuzugehen. Wenn ich eine Idee für eine mögliche Kooperation habe, kontaktiere ich Unternehmen, zu denen das Konzept passen könnte und frage, ob man sich eine Zusammenarbeit vorstellen könnte. Es kann außerdem nicht schaden, ein dickes Fell zu haben. Wenn man sein Privatleben im Internet thematisiert, bietet man eine Angriffsfläche und böse Kommentare gehören fast schon zum Alltag. Ich versuche Leute, die mich und meine Arbeit gezielt beleidigen, zu ignorieren.

abi>> Wie sieht dein Alltag aus?

Anna Frost: Mein Beruf ist alles andere als ein Nine-to-five-Job. Kommt abends eine wichtige Mail rein, dann beantworte ich diese eben noch. Einige Male im Monat besuche ich Veranstaltungen, über die ich berichte, und manchmal werde ich zu Pressereisen eingeladen – zuletzt war ich zum Beispiel zwei Tage in Frankfurt.

Diese Flexibilität ist toll, fordert aber ein gutes Organisationsvermögen. Nächste Woche fahre ich zum Beispiel mit meiner Familie in Urlaub, daher bereite ich bereits seit drei Wochen Texte vor, die in dieser Zeit online gehen. Im Urlaub werde ich aber trotzdem ein bisschen arbeiten, denn ein neues Umfeld inspiriert mich natürlich. Und Fotos auf Instagram lade ich eigentlich immer hoch. Das gehört einfach dazu.

Wenn ich nicht unterwegs bin, versuche ich jeden Tag eine bestimmte Zeit lang am Schreibtisch zu sitzen, meistens von 9 bis 16 Uhr. Dann schreibe ich eigene Artikel oder für Beiträge für Kunden, die ein neues Produkt, zum Beispiel eine Creme oder ein Getränk, auf den Markt bringen.

abi>> Bei solchen Aufträgen handelt es sich um sogenannte Advertorials, also Artikel, für die du bezahlt wirst. Womit verdienst du sonst dein Geld?

Anna Frost: Den Großteil verdiene ich tatsächlich mit solchen Advertorials. Angebote, die nicht zu meinem Blog passen, lehne ich ab. Das ist wichtig, denn die Leser sollen nicht den Eindruck haben, dass ich gegen Geld über alles schreibe – dann würde ich mich unglaubwürdig machen. Spannend ist außerdem das sogenannte „Affiliate Marketing“: Ich poste Kleidungsstücke oder Accessoires, die mir gefallen, und setze den Link zum Shop, in dem sie zu erwerben sind. Kauft jemand über diesen Link, erhalte ich eine Provision, die je nach Vertragspartner unterschiedlich hoch ausfällt. Manchmal bezahlt mich ein Unternehmen dafür, dass ich ihre Kleidung trage und auf dem Blog präsentiere. Und ich war zum Beispiel das Gesicht der Kosmetikfirma Clarins.

abi>> Welche Ziele und Wünsche hast du für deine berufliche Zukunft? Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Anna Frost: Puh, das ist eine schwierige Frage. Das Internet ist schnelllebig, man weiß nie, was kommt. Wegen dieser Unabwägbarkeit haben mein Mann und ich zusätzlich zum Blog eine Beratungsfirma gegründet, die Firmen und Agenturen unterstützt, die mit Bloggern arbeiten möchten. Wir entwickeln Strategien, wie ein Unternehmen mit Hilfe von Blogs seine Produkte bestmöglich verkaufen kann. Prinzipiell kann ich mir viel vorstellen. Vielleicht setzen wir uns aber auch nächstes Jahr ins Ausland ab und machen einen Hot-Dog-Stand am Strand auf (lacht).

abi>> Du musst uns natürlich noch verraten, welche Trends im Kommen sind.

Anna Frost: Oh, das sind so viele. Große Muster sind zum Beispiel zurzeit angesagt. Auf der letzten Fashion Week hat man viele Blumen gesehen. Bei Schuhen sind Babouche im Trend – marokkanische Lederschlappen, die vorne spitz zulaufen. Generell sage ich aber: Tragt was gefällt.

Über Anna Frost

Anna Frost wurde 1986 in Bochum geboren. 2007 startete sie als eine der ersten in Deutschland ihren Blog „Fashionpuppe by Anna Frost“, den sie seit 2011 hauptberuflich betreibt. Sie schreibt über Mode, Lifestyle und Beautythemen. Anfang 2016 gab es einen Relaunch – seitdem heißt der Blog „Fafine“, was übersetzt „Frau“ bedeutet. Seit 2014 ist Anna Frost Mutter einer Tochter, gibt Einblicke in ihr Familienleben und berichtet über Erziehungsthemen. Gemeinsam mit ihrem Mann Jakob betreibt sie zudem eine Beratungsfirma. Die beiden entwickeln Strategien und Konzepte für Unternehmen, die mit Hilfe von Bloggern ihre Produkte vermarkten möchten. Als erste deutsche Bloggerin hat sie seit 2014 ein eigenes Parfum. Regelmäßig ist Anna Frost in den Medien und im Fernsehen zu sehen. So stand sie bereits für einen Werbespot des Telekommunikationsdiensteanbieters Klarmobil vor der Kamera und war Jury-Mitglied bei „Fashion Queen“ (SAT.1 Gold). Auf ihrem YouTube-Kanal berichtet sie zudem von Events oder testet Beautyprodukte, gewährt einen Einblick in ihre Handtasche oder zeigt ihre neueste Shoppingausbeute.

abi>> 23.06.2016