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„Leidenschaft an erster Stelle“

Ein junger Mann mit einem Spielecontroller
Als Gamer Geld verdienen – das gelingt nur wenigen.
Foto: Sonja Brüggemann

PietSmiet

„Leidenschaft an erster Stelle“

Mit Let’s-Play-Videos erreicht PietSmiet auf YouTube Millionen spielbegeisterter Abonnenten. abi» sprach mit Gründer und Namensgeber Peter Georg Smits über seinen Werdegang, die Begeisterung fürs Spielen und die Herausforderungen der Gaming-Szene.

abi>> PietSmiet steht für ein Team aus Gamern, das mit Let’s-Play-Videos Milliarden Klicks auf YouTube bekommt. Wie schafft man das?

Peter Georg Smits: Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Als Praktikant beim Computerspiele-Magazin GameStar und freier Newsautor habe ich mich sehr für die Videoberichterstattung über Games interessiert und wollte das Thema vorantreiben. Anfang 2011 habe ich das erste Mal von Let‘s Plays gehört, die das Spiel und die Reaktionen des Spielers ungefiltert zeigen. Das wollte ich unbedingt ausprobieren. Da man dafür nur einen guten Rechner, ein Mikrofon und eine Internetplattform wie YouTube braucht, waren die ersten Let‘s Plays schnell gemacht.

Aus der Masse herausgestochen sind wir als Team aus alten Freunden, das durch Interaktion in den Videos nicht nur über Spiele informiert, sondern auch unterhält. Man kann allerdings auf YouTube noch so unterhaltsam sein – um erfolgreich zu sein, benötigt man sehr viel Glück. Dafür, dass es mit dem Erfolg geklappt hat, sind wir alle sehr dankbar.

abi>> „Etwas mit Medien machen“ – ein häufig geäußerter Berufswunsch nach dem Abi. Wollten Sie auch in diese Richtung?

Peter Georg Smits: Tatsächlich war das mein grober Plan. Deshalb habe ich nach meinem Praktikum bei GameStar Medienwissenschaften studiert. Das war mir aber zu theoretisch, daher habe ich es auch vorzeitig beendet. Ich wollte lieber praktisch arbeiten. Und es hat mir in den Fingern gejuckt, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Daraus sind schließlich die Aktivitäten auf YouTube entstanden.

abi>> Aber vom Gamen leben können – wie funktioniert das?

Peter Georg Smits: Reichweite ist das Stichwort. Wie sie generiert wird, ist zunächst egal. Ob man nun Fußballspieler in der Nationalmannschaft, Z-Promi im Dschungelcamp oder eben YouTuber ist: Sobald man viele Leute erreicht, wird man für Werbekunden relevant. Vor unseren Videos laufen Werbespots, deren Einnahmen zwischen YouTube und YouTubern aufgeteilt werden.

abi>> Wie sieht der Alltag eines professionellen Let‘s Players aus?

Ein Porträt-Foto von Peter Georg Smits

Peter Georg Smits

Foto: Privat

Peter Georg Smits: Es wird sehr viel gespielt – das ist wenig überraschend. Für mich ist es einfach ein Traumjob, zu dem aber erstaunlich viel gehört, an das man vielleicht nicht unmittelbar denkt. So erhalten wir zum Beispiel täglich eine Flut an E-Mails, die beantwortet werden müssen. Wir haben eine Unternehmensstruktur mit Mitarbeitern, da muss viel Zeit investiert, Gehaltsabrechnungen geschrieben und Mitarbeiterfeedback gegeben werden. Jede Woche stehen Meetings mit Partnern oder potenziellen Kunden an – und wir führen Interviews (lacht). Außerdem halten wir Anteile an anderen Unternehmen, weswegen wir an Gesellschafterversammlungen teilnehmen. Und natürlich müssen die aufgenommenen Spielszenen bearbeitet, mit Metadaten versehen und hochgeladen werden. Hinzu kommt, dass man als „Selbstständiger“ nie wirklich aufhört zu arbeiten. Wenn ich ein bisschen Luft habe, checke ich Twitter oder lese Kommentare auf YouTube und Facebook. Für mich ist es der beste Job der Welt, hinter dem aber auf jeden Fall mehr steckt als einfach nur zocken.

abi>> Welche Games begeistern Sie bis heute?

Peter Georg Smits: Die „Metal Gear Solid“-Spiele haben meine Liebe zu Videospielen genauso gefestigt wie die „Gothic“-Serie. Großartige Spiele mit besonderen Stärken, die ich hier nicht alle aufzählen kann. Dafür gibt es schließlich die Videos auf unserem Kanal.

abi>> Und Ihr erfolgreichstes Let’s-Play-Video …?

Peter Georg Smits: … ist die erste Folge unserer „Adventure-Map“-Serie, in der wir in Minecraft Jump’n‘Run-Maps gespielt haben …

abi>> … also Aufgaben gelöst und Abenteuer bestanden, die andere Spieler in Minecraft eingebaut und online verfügbar gemacht haben …

Peter Georg Smits: … und uns dabei über Gott und die Welt unterhalten haben.

abi>> Welche Tipps haben Sie für die kommenden Let’s-Player-Generationen?

Peter Georg Smits: Der Markt für klassische Let‘s Plays ist abgegrast. Generell würde ich von der „Karriere YouTube“ abraten, da nur ein Bruchteil der YouTuber in Deutschland überhaupt davon leben kann. Hinzu kommt, dass nahezu alle erfolgreichen Gamer auf YouTube nicht mit der Intention gestartet sind, aus ihrem Hobby einen Beruf zu machen. Was zählt ist die Leidenschaft, die immer an erster Stelle stehen muss. Besitzt man diese Leidenschaft, muss man einen Weg finden, sie mit einem anderen Beruf zu verbinden. Sollte man bei YouTube tatsächlich durchstarten, kann man diesen immer noch aufgeben. Aber so lange braucht man eine Alternative.

Über Peter Georg Smits

Peter Georg Smits alias PietSmiet, geboren am 28.03.1989, wuchs in Weeze in Nordrhein-Westfalen auf und besuchte ein Gymnasium in Kevelaer. Nach seinem Studium der Medienwissenschaften an der Universität zu Köln war er zunächst als Redakteur bei der Rheinischen Post und der GamesZeitung aktiv sowie als Programmierer tätig. Im Anschluss arbeitete er drei Jahre lang als Content-Manager bei GameStar. Seit 2007 hat er einen eigenen YouTube-Channel. Handelten die ersten Videos noch von Themen rund um sein Abitur, begann die Karriere als Let‘s Player 2011 mit einem kommentierten Jahresrückblick aus der Gamingszene. Im gleichen Jahr starteten auch die Let’s-Play-Videos – gemeinsam mit dem inzwischen nicht mehr zum Kollektiv PietSmiet gehörenden Hardi (Denis Hartwig) kommentierte er Szenen des Rollenspiels EVE Online und lud dies auf seinem YouTube-Channel hoch: Das war der Startschuss für das Team PietSmiet, das sich zum Großteil schon aus der Schul- und Studienzeit kannte. Neben Peter Georg Smits sind das die Gamer Br4mm3n (Dennis Brammen), Chris (Christian Stachelhaus), Dr. Jay (Jonathan William Moritz Apelt) und Sep (Sebastian Lenßen). Aktuell hat PietSmiet fünf YouTube-Channels mit insgesamt über 2,5 Millionen Abonnenten – die Videos wurden mehr als 1,5 Milliarden Mal aufgerufen. 2015 war Peter Georg Smits Teil der Hauptjury des Deutschen Computerspielepreises.

 
 

Let's Play

Let‘s Play („Lasst uns spielen“) bezeichnet Videos, in denen sich Gamer live beim Spielen filmen. Der Zuschauer sieht, was auf dem Bildschirm der Spieler passiert. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kommentare der Spieler. Anders als bei Spieletests oder Videos mit Komplettlösungen geht es hier auch um den Unterhaltungsfaktor – so können sich die Kommentare um Themen drehen, die mit dem Inhalt des Spiels nichts zu tun haben.

Das im Jahr 2008 in den USA entstandene Format ist offen gehalten: ob der Gamer im Video Gesicht zeigt oder nicht, ob alleine oder in einer Gruppe, mit- oder gegeneinander – alles ist möglich.

Die in der Regel 15 bis sechzig Minuten langen Ausschnitte werden auf Videoplattformen wie YouTube oder Twitch auf eigene Channels hochgeladen und können weltweit aufgerufen werden. Je nach Klickzahlen und Abonnenten kann sich das für den oder die Gamer dank geschalteter Werbung durchaus lohnen.

Allerdings schaffen das nur die wenigsten. In Deutschland erfolgreich sind neben PietSmiet zum Beispiel Gronkh und Sarazar. International ist der Schwede PewDiePie der Star der Let’s-Play-Szene: Er ist mit mehr als 40 Millionen Abonnenten einer der erfolgreichsten YouTuber überhaupt.

abi>> 26.05.2016