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Nächster Halt: Ausbildung

Auf dem Foto ist eine Regalwand mit Reisekatalogen zu sehen.
Reisekataloge ansprechend zu präsentieren ist eine der Aufgaben von Tourismuskaufleuten.
Foto: Sonja Trabandt

Ausbildung zum Tourismuskaufmann

Nächster Halt: Ausbildung

Nebras Nassar (25) wollte sich nicht in der syrischen Armee verheizen lassen. Seine Familie organisierte die Flucht nach Deutschland. In Koblenz hat er in zwei Jahren eine Wohnung gefunden, die deutsche Sprache gelernt und gerade eine Ausbildung zum Tourismuskaufmann für Privat- und Geschäftsreisen begonnen.

Als der Brief von der Armee kam, wusste Nebras Nassar, dass er weg musste. Weg aus Damaskus, der „ältesten Hauptstadt der Welt“, wie der 25-Jährige stolz sagt. Weg aus seinem alten Leben, in dem er Abitur gemacht und ein Hochschuldiplom in Tourismus erworben hatte. Weg von seinen Freunden, die teilweise schon seit sechs Jahren in der syrischen Armee kämpfen müssen und von denen manche dabei umgekommen sind. „Vor dem Krieg hat der Militärdienst ein bis zwei Jahre gedauert“, erzählt er. „Jetzt kommt man nie wieder raus.“

Ein Foto von Nebras Nassar

Nebras Nassar

Foto: privat

Seine Familie machte einen Fluchtplan. Mit dem Auto fuhr Nebras Nassar im März 2014 in den Libanon, von Beirut aus flog er nach Rom. Ein Cousin wohnte in Carrara, der besorgte ihm einen Studienplatz. Doch schon nach einer Woche war klar, dass Nebras Nassar in Italien keine Aufenthaltsgenehmigung bekommen würde. Er flog weiter nach Düsseldorf, zu einem anderen Cousin. Seinen Asylantrag stellte er wiederum in Dortmund, wo man ihm einen Platz in einer Erstaufnahmeeinrichtung zuwies.

Eigene Wohnung und Deutschkurse

„In der ersten Nacht hatte ich großes Heimweh“, erzählt er. „Ich war mit neun Männern in einem Zimmer und der einzige Christ.“ Mehrmals wurde er verlegt, schließlich kam er nach Koblenz. Im Oktober 2014 wurde sein Asylantrag genehmigt und er machte sich auf die Suche nach einer Wohnung. Ehrenamtliche Mitarbeiter der evangelischen Christuskirche halfen ihm dabei. Dort leitet er inzwischen das Musikteam, in dem er Mitglied ist.

Acht Monate später konnte Nebras Nassar in seine erste eigene Wohnung in Koblenz ziehen, zunächst bezahlt vom Jobcenter. Seinen ersten Sprachkurs, der ihn auf Niveau B1 brachte, bezahlte die Agentur für Arbeit, den zweiten das Bürgeramt in Koblenz. Sein Deutsch ist jetzt auf Niveau B2. Nach wie vor hilft er in Flüchtlingsheimen, dolmetscht und gibt den Leuten Tipps, an wen sie sich wenden müssen. „Ich habe selbst erlebt, wie schwierig das ist“, sagt er.

Vom Praktikum zum Ausbildungsplatz

Mit Hilfe der Caritas schrieb Nebras Nassar Bewerbungen und einen Lebenslauf auf Deutsch, gab beides bei der Agentur für Arbeit ab. Die Sachbearbeiterin vermittelte ihm ein Praktikum in einem Reisebüro in Koblenz. „Mein Chef hat gesagt: Mach eine Woche Praktikum und danach bekommst du einen Ausbildungsplatz als Tourismuskaufmann. Ich kann immer noch nicht glauben, dass das geklappt hat“, sagt er. „Das war mein erster richtig guter Schritt in Deutschland.“ Im Juli 2016 fing er im Reisebüro an, er telefoniert schon mit Kunden, berät sie im Geschäft und sortiert Urlaubskataloge. In den nächsten drei Jahren wird er lernen, Privat- und Geschäftsreisen zu planen, Angebote zu erstellen, Preise zu kalkulieren und Rechnungen zu schreiben. „Ohne Arbeit ist man nichts“, ist seine Erfahrung. „Mit Arbeit fühlt man sich besser.“

Seine Aufenthaltsgenehmigung gilt bis Oktober 2017, aber mit seiner Ausbildung und seinen Sprachkenntnissen hat er gute Chancen, dass sie verlängert wird. Nach der Ausbildung möchte er in Deutschland bleiben. „Deutschland hat ,Herzlich Willkommen’ gesagt, und man muss mit dem Herzen Danke sagen“, findet er. „Deshalb will ich hier bleiben und arbeiten, mich weiterentwickeln und etwas zurückgeben.“ Vielleicht, sagt er, kann ja seine Familie irgendwann nachkommen. „Das wäre meine Hoffnung.“

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abi>> 31.08.2016