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Ein langer Weg

Auf dem Foto ist ein Teil einer Festplatte zu sehen.
Für ein Studium der Informatik sind Mathe und Physik wichtig. Das Fach wird oft auch als duales Studium angeboten.
Foto: Julien Fertl

Duales Studium Informatik

Ein langer Weg

Seit ihrer Flucht aus dem Iran hat Sara Manzari (33) in Deutschland viel gekämpft – um ihre Anerkennung als Asylbewerberin, für ihre Zukunft und die ihrer Tochter. Nun hat sie in Karlsruhe einen Studienplatz in Informatik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg bekommen und sucht noch ein Unternehmen für die Praxisphasen.

Sara Manzari war im Iran eine erfolgreiche Frau. Sie hatte ihr Abitur in Mathematik und Physik gemacht und Mediendesign studiert. Sie arbeitete als Modedesignerin, unternahm Geschäftsreisen nach Europa. Und sie war als Journalistin tätig: Unter anderem traf sie in Frankreich den letzten iranischen Präsidenten vor der islamischen Revolution von 1979 und schrieb über ihre Gespräche mit ihm. Das aber ist im heutigen Iran verboten – und gefährlich. „Ich habe einen Fehler gemacht, der mein Leben zerstört hat“, sagt die 33-Jährige.

Zwei Monate lang saß Sara Manzari im Gefängnis. Sie durfte nicht mehr arbeiten, verlor ihre Versicherung, man nahm ihr den Pass ab und verbot ihr, Teheran zu verlassen. „Meine Familie und meine Freunde hatten Angst, sich mit mir abzugeben“, erzählt sie.

Ein Mann bot ihr schließlich Hilfe an und organisierte ihre Flucht. Mit dem Bus schmuggelte man sie in die Türkei. Am Flughafen Istanbul drückte ihr jemand einen spanischen Reisepass in die Hand und sagte zu ihr: „Wohin willst du? Deutschland? Frankreich? Großbritannien? Entscheide dich jetzt!“ Völlig überrumpelt sagte Sara Manzari: „Deutschland.“ Sie schaffte es durch die Passkontrollen in Istanbul und Hamburg. Dort nahm ihr ein dritter Mann den Pass wieder ab und verschwand. Sara Manzari stellte bei der Polizei einen Asylantrag. Das war im November 2012.

Unterstützung für Geflüchtete

„Das erste Jahr in Deutschland war sehr schwer für mich“, erzählt sie. Seit ihrer Ankunft wurde sie mehrmals verlegt. Heute wohnt sie mit ihrer kleinen Tochter in einer eigenen Wohnung in der Nähe von Karlsruhe. Zwei Jahre dauerte es, bis Sara Manzaris Antrag auf Asyl schließlich anerkannt wurde. „Ich habe immer gekämpft“, sagt sie.

Zweimal pro Woche besucht sie selbst Geflüchtete in einem Wohnheim. „Ich berate schwangere Frauen, helfe bei der Suche nach einem Kindergarten, bei Arztbesuchen oder der Anmeldung beim Jobcenter“, erzählt die 33-Jährige.

Gesucht: Stelle bei einem Unternehmen

Ihre Tochter ist in einer Kinderbetreuung untergebracht, sodass Sara Manzari endlich einen „richtigen“ Deutschkurs machen kann. Außerdem hat sie über das „Café Asyl“ in Karlsruhe, wo sie jeden Donnerstag andere Geflüchtete, und Ehrenamtliche trifft, Kontakte zur Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) geknüpft. Sie hat beschlossen, ein duales Studium der Informatik aufzunehmen.

Beim Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe hat sie ein Praktikum gemacht und an der Hochschule einen Kompetenztest absolviert. „Ich musste mir dort zum Beispiel ein Bild von einer Brücke oder einem Gebäude anschauen und es als Modell nachbauen“, erzählt sie. Dabei konnte sie Holz, Garn, Leim und sogar Spaghetti verwenden.

Zugelassen zum Studium ist sie schon, ein weiterer Deutsch-Intensivkurs soll sie auf das Sprachniveau B2/C1 bringen. Jetzt fehlt ihr nur noch ein Unternehmen, bei dem sie ihre Praxisphasen absolvieren kann. Wenn sie in diesem Jahr noch keines findet, kann sie trotzdem schon Kurse an der DHBW belegen. „Ich möchte aber nicht noch ein Jahr verlieren“, sagt sie.

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abi>> 31.08.2016