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Ein Instrument zur Selbsteinschätzung und Reflexion

Eine Gruppe Studenten sitzt auf einer Steintreppe im Campushof und hängen zusammen ab.
Der Berufswahlpass bietet nicht nur kurzfristige Hilfe, sondern begleitet Schüler über mehrere Jahre.
Foto: André Braun

Berufswahlpass: Interview

Ein Instrument zur Selbsteinschätzung und Reflexion

Anne Roth, Koordinatorin der Bundesarbeitsgemeinschaft Berufswahlpass, berichtet im Gespräch mit abi» über Aufbau und Nutzen dieses Instruments zur Berufsorientierung.

abi>> Frau Roth, was ist der Berufswahlpass?

Anne Roth: Der Berufswahlpass wurde vor 15 Jahren als Instrument entwickelt, um Schüler bei der Berufswahl zu unterstützen. Herauszufinden, welche Ausbildung oder welches Studium man absolvieren möchte, ist ja ein längerer Prozess. Und genau da setzt der Berufswahlpass an, indem er von der Mittelstufe bis zum Abitur regelmäßig die Interessen und zugleich die Entwicklung der Schüler abfragt.

Kernaufgabe des Passes ist es, diese Informationen zu strukturieren und zu filtern. Am Ende können die Nutzer die eigenen Kompetenzen und Interessen besser einschätzen und reflektieren und so dem Beruf näher kommen, der am besten zu ihnen passt. Diese intensive Auseinandersetzung schon zu Schulzeiten soll verhindern, dass die Schüler später eine Ausbildung oder ein Studium abbrechen, weil sie falsche Vorstellungen von ihren Wünschen und Talenten hatten.

abi>> Wie genau ist der Berufswahlpass aufgebaut?

Ein Porträt-Foto von Anne Roth

Anne Roth

Foto: Privat

Anne Roth: Der Pass gliedert sich in vier Teile: Im ersten Teil erfahren die Schüler, wo sie sich über mögliche Ausbildungen und Studiengänge informieren können. Sie bekommen Adressen und Webseiten von Kooperationspartnern, zum Beispiel von der Bundesagentur für Arbeit, von Hochschulen oder Bildungsträgern. Viele wissen gar nicht, dass sie eine Beratung in Anspruch nehmen können.

Der zweite Teil ist der Kernbereich des Passes. Er fragt ab, welche Interessen und Hobbys die Schüler haben und was ihnen wichtig ist. Er bietet Platz zum Reflektieren, zum Abklopfen der eigenen Stärken und Schwächen und hilft so dabei, Wunsch und Realität gegenüberzustellen: Bin ich eher am Tag aktiv, aber der angestrebte Job bringt auch viele Nachtdienste mit sich? Strebe ich einen kreativen Beruf an, bin aber tief in meinem Herzen ein Mensch mit starkem Sicherheitsbedürfnis? Am Ende ergibt sich so ein persönliches Profil, aus dem sich passende Berufsbilder ableiten lassen.

abi>> Und die letzten beiden Teile?

Anne Roth: Der dritte Teil ist die Dokumentation, in der die Schüler Unterlagen sammeln, die sie später gegebenenfalls für eine Bewerbung nutzen können. Das können Selbstbewertungen sein, ebenso wie Praktikumszeugnisse oder Empfehlungsschreiben von Arbeitgebern, wenn man zum Beispiel einen Nebenjob oder eine ehrenamtliche Tätigkeit ausübt. Darin listen Kollegen und Vorgesetzte Stärken und Potenziale der Schüler auf.

Der vierte Teil enthält praktische Hilfen, zum Beispiel einen Muster-Lebenslauf und ein Muster-Anschreiben, und erklärt, welche weiteren Unterlagen in eine Bewerbung gehören.

abi>> In welcher Klassenstufe an Gymnasien wird der Berufswahlpass üblicherweise eingeführt?

Anne Roth: Er startet ab der fünften Klasse und kann mittlerweile mit den Zusatzmaterialien, die im Jahr 2012 entwickelt wurden, bis zum Abitur genutzt werden.

abi>> Was unterscheidet den Berufswahlpass von anderen Instrumenten für die Berufsorientierung?

Anne Roth: Der Pass bietet den Schülern nicht nur kurzfristige Hilfestellung, sondern begleitet sie über mehrere Jahre und kann so besser auf Veränderungen der Interessen und Fähigkeiten eingehen. Ursprünglich war der Berufswahlpass übrigens ein Instrument für alle Schulformen – außer für das Gymnasium. Später kamen Lehrer und Kultusministerien mit dem Wunsch zu uns, ihn auch an Gymnasien einzuführen, denn man hatte gemerkt, dass auch dort die Schüler ein großes Bedürfnis nach mehr Orientierung im Dschungel der Berufswahl haben.

abi>> 09.10.2015