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Im virtuellen Bahnhofstrubel

Assistentin Medieninformatik bearbeitet Oberflächentexturen von 3D-Figuren am Computer
Virtuelle Welten erstellen und sie zur interaktiven Nutzung aufbereiten ist eines der möglichen Arbeitsfelder von Studierenden im Bereich Medientechnologie.
Foto: Axel Jusseit

Forschung im Bereich Virtual Reality

Im virtuellen Bahnhofstrubel

Für ihre Masterarbeit an der Technischen Universität (TU) Ilmenau programmierte Regina Koreng einen virtuellen Bahnhof. Sie untersuchte mit diesem, unter welchen Umständen sich Anwender am intensivsten in eine virtuelle Realität hineindenken können.

Dafür ließ die Studentin der Fachrichtung Medientechnologie ihre Testpersonen durch vier Varianten des Bahnhofs gehen. Dargestellt wurde die Szene jeweils auf drei Leinwänden des Projektionsraums im Kompetenzzentrum Virtual Reality der TU. Zusätzlich hielten die Tester einen Flystick in der Hand, der über Sensoren erfasst, in welche Richtung derjenige geht und schaut, und durch den man per Knopfdruck mit der virtuellen Welt interagieren kann.

Eine Variante ihres Bahnhofs gestaltete Regina Koreng statisch. Die Testpersonen konnten auf einer Anzeigetafel nach Abfahrtszeiten der Züge schauen oder zu den Gleisen gehen, aber nicht aktiv teilhaben. Im nächsten Schritt kamen dynamische Elemente dazu, wie per Videosequenz eingespielte Passanten oder das Geräusch einer Durchsage. Im dritten Szenario fehlten die dynamischen Elemente wieder, dafür konnten die Tester stärker interagieren, sich zum Beispiel ein Ticket an einem Fahrscheinautomaten kaufen. Der letzte, vierte Bahnhof war dynamisch und interaktiv erlebbar.

In der digitalen Welt versunken

Ein Porträt-Foto von Regina Koreng

Regina Koreng

Foto: Fotoatelier Rembrandt

„Am schlechtesten hat der statische Bahnhof abgeschnitten. Da war den Leuten klar, dass er nicht real ist. Je dynamischer und interaktiver die Szene wurde, desto stärker fühlte sich die virtuelle Welt für die Testpersonen real an“, fasst Regina Koreng das Fazit ihrer Masterarbeit zusammen. So hat ein Student gar versucht, einen vorbeigehenden Video-Passanten nach dem Weg zu fragen. Ein anderer lief aus Versehen aufs Gleis und sah dabei nicht, dass von hinten ein Zug anrollte: „Als der dann quasi durch ihn durchfuhr, ist er ziemlich erschrocken“, erzählt Regina Koreng. Dass sich jemand derart in der von ihr geschaffenen Welt verliert, „freut einen sehr“. Vor allem, weil sich die harte Arbeit im Vorfeld dadurch bezahlt macht.

Denn dreieinhalb Monate lang, rund 40 Stunden in der Woche saß die Masterstudentin im Kompetenzzentrum am Computer und tüftelte an ihrem Bahnhof. „Ich musste darauf achten, dass die Szene so realitätsnah wie möglich ist. Also müssen die Proportionen stimmen und eine Durchsage auf Gleis 3 muss auf diesem lauter zu hören sein als auf Gleis 1“, erklärt sie. Kam sie einmal nicht weiter – beim Programmieren oder dem Verfassen des Fragebogens für ihre Testpersonen – halfen ihr die Mitarbeiter des Kompetenzzentrums weiter.

Spannende Einsatzgebiete

Im Jahr 2009 begann Regina Koreng mit ihrem Studium der Medientechnologie an der TU Ilmenau. „Im Bachelor lernten wir die Grundlagen der Medientechnologie kennen, wie Programmieren, Physik, Elektrotechnik und die Entwicklung verschiedener Medien. Während meines Masterstudiums nahm ich an einem Kurs des Kompetenzzentrums Virtual Reality teil und fand das Thema so spannend, dass ich meine Masterarbeit in diesem Bereich machen wollte“, erzählt sie.

Zwei Einsatzgebiete dieser Technik interessieren sie dabei besonders: Zum einen die für Endkunden, wenn beispielsweise ein chronisch Kranker per Virtual-Reality-Brille eine virtuelle Routineuntersuchung erhalten und sich so den Gang zum Arzt sparen kann. Zum anderen für die Industrie, wenn realistische, aufwändige Prototypen dargestellt und entwickelt werden und Konstrukteure auch einmal eine bizarre Idee ausprobieren können, weil der virtuelle Prototyp nichts zusätzlich kostet.

„Ein kommender Zweig“

Im industriellen Einsatz der Virtual Reality sieht Regina Koreng eine gute Karrierechance für sich. Das liegt aber erst einmal in der Zukunft, denn nach ihrer erfolgreichen Masterarbeit nahm sie das Angebot ihrer Professorin an, an der TU Ilmenau zu promovieren. Seit April 2016 forscht sie an Technik für die virtuelle Produktentwicklung und arbeitet als wissenschaftliche Hilfskraft. „Die Technik wird erschwinglicher und in der Industrie immer etablierter: Aus meiner Sicht ist Virtual Reality ein kommender Zweig“, ist Regina Koreng überzeugt.

abi>> 06.12.2016