Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Umweltgerecht in die Zukunft

Stadtansicht
Immer mehr Menschen ziehen in die Städte. Dadurch werden auch die Umweltbelastungen immer größer.
Foto: Sonja Trabandt

Stadtökologie: Hintergrund

Umweltgerecht in die Zukunft

Die ökologische Seite der Stadt- und Regionalplanung rückt zunehmend in den Fokus. Wer als Stadtökologe tätig werden möchte, hat dazu über verschiedene Studiengänge die Chance.

Weltweit ziehen immer mehr Menschen in die Städte, die Bevölkerung auf dem Land hingegen schrumpft – auch in Deutschland. „Im Jahr 2050 werden laut aktueller Prognosen mehr als 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben“, sagt Professor Dr.-Ing. Dieter Genske, Studiendekan für das Fachgebiet „Energetisch-ökologischer Stadtumbau“ an der Hochschule Nordhausen. „Besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern entstehen Megastädte mit weit mehr als zehn Millionen Einwohnern“, schildert der Experte.

In Europa ist die Lage weniger dramatisch. Aber auch hier sind die Herausforderungen groß: Umweltbelastungen wie etwa Abgase und Lärm nehmen zu. Weil dichter bebaut wird, verkleinern sich die Erholungsflächen. Und durch Monokulturen in der Landwirtschaft herrscht weniger Artenvielfalt. „Um solchen Problemen entgegenzuwirken und dem Trend zur Verstädterung nachzukommen, müssen Ballungsräume zukünftig möglichst ressourcenschonend gestaltet werden“, ist sich Dieter Genske sicher. Eine umweltgerechte und nachhaltige Entwicklung im Sinne der Energiewende werde daher immer wichtiger.

Bodenchemie, Baubestand, erneuerbare Energien

Ein Porträt-Foto von Dieter Genske

Dieter Genske

Foto: Privat

„Die ökologische Seite der Stadt- und Regionalplanung bildet ein neues Betätigungsgebiet“, erklärt Dieter Genske. Stadtökologen sollten heutzutage das Wissen verschiedener Fachgebiete miteinander vernetzen: „Stadtplaner müssen sich nicht nur mit traditionellen ökologischen Aspekten wie Bodenchemie und Ökosystemanalyse auskennen, mittlerweile kommen auch Kenntnisse zum Baubestand und zu erneuerbaren Energien hinzu“, schildert er. „Denn Neubauten bleiben die Ausnahme, man muss hauptsächlich die bereits bestehenden Gebäude in die Planung einbeziehen.“ So sollten zum Beispiel viel mehr Fassaden bepflanzt und Solaranlagen auf Dächern mit Grünflächen kombiniert werden.

In Berlin sind mittlerweile oft vertikale Gärten an Häuserfassaden zu sehen – auch hier finden Bienen, Schmetterlinge und andere nützliche Insekten Nahrung. Ein weiteres Thema, mit dem sich Stadt- und Regionalplaner beschäftigen, ist urbane Landwirtschaft – auch Urban Farming genannt. „In Ballungsgebieten bauen Menschen Obst und Gemüse auf dem Balkon, auf Privatflächen oder Brachflächen an“, weiß Dieter Genske. Der Vorteil: Transportwege sind kürzer, somit ist auch der Ausstoß von Kohlendioxid geringer.

Einstieg über verschiedene Studiengänge

Wer sich vorstellen kann, als Stadtökologe zu arbeiten, findet über verschiedene Studiengänge den Einstieg. „Der Klassiker ist Geografie – hierbei werden Ökologie sowie Stadt- und Regionalplanung aber nur am Rande thematisiert“, erklärt Dieter Genske. Geeignet seien außerdem Studiengänge wie Landschaftsarchitektur, Stadt- und Regionalplanung oder Umweltwissenschaft. „An einigen Hochschulen – darunter in Berlin, Dresden und Nordhausen – gibt es auch Masterstudiengänge, in denen man sich auf den Bereich Stadtökologie spezialisieren kann.“

Beschäftigung finden Stadtökologen beispielsweise in öffentlichen Einrichtungen von Kommunen, Ländern und Bund oder in Planungsbüros. Zu weiteren potenziellen Arbeitgebern zählen Umweltverbände und Forschungseinrichtungen. Allerdings sind Stadtplanung und -ökologie eher kleine Beschäftigungsfelder. „Die Arbeitslosigkeit ist derzeit zwar niedrig, aber es gibt auch nur wenige Stellen“, schildert Susanne Lindner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Darum sollten Interessierte frühzeitig praktische Erfahrungen sammeln und Kontakte zu möglichen Arbeitgebern knüpfen.

abi>> 11.12.2015