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Bachelor live

Auslandsüberlegungen

Ab dem Beginn des Studiums wurde an meiner Universität für einen Auslandsaufenthalt geworben. Auslandssemester auf dem europäischen Kontinent können mithilfe des Erasmus+-Programms finanziert und organisiert werden. Weiter weg kann man durch Universitätspartnerschaften. Jedes Institut hat eigene Erasmus-Plätze und jeder Studierende der Universität kann sich auf den Pool der Plätze der Unipartnerschaften bewerben.
Ich habe im zweiten Semester angefangen, mich mit dem Thema zu beschäftigen, obwohl ich erst im fünften Semester ins Ausland möchte. Das mag sehr früh wirken, aber ich muss mich ja bereits ein Jahr vor dem Austausch bewerben muss und dafür ist ganz schön viel zu tun. Auch habe ich erst einmal herausfinden wollen, wohin ich überhaupt will und ob ich die geforderten Anforderungen erfülle. So hätte ich im Zweifelsfall auch noch Zeit für Intensiv-Sprachkurse gehabt, um das geforderte Sprachniveau zu erreichen. Zusätzlich fallen „kleinere“ Angelegenheiten an, zum Beispiel zwei Hochschullehrergutachten. Einige von euch haben vielleicht schon mit Dozenten Mail-Kontakt gehabt und wissen daher, dass sich die Kommunikation sehr ziehen kann. Es schien mir daher sinnvoll, die betreffenden Hochschullehrer einen bis anderthalb Monate vor Abgabeschluss um ein solches Gutachten zu bitten. Doch: Nur weil man danach fragt, bedeutet das lange noch nicht, dass auch ein Gutachten ausgestellt wird. Ich habe mir deshalb Alternativen überlegt und immer wieder nachgehakt.
Entschieden habe ich mich nun für ein Auslandssemester in Seoul, Südkoreas Hauptstadt, und mir davor viele Gedanken gemacht: Was will ich von einem Auslandssemester mitnehmen? Worauf kann ich nicht verzichten und wo kann ich Abstriche machen? Wo kann ich mich akademisch und persönlich am besten weiter entwickeln? Die Wahl für Südkorea war keine offensichtliche für mich. Ich spreche zwar ganz ordentlich koreanisch, habe jedoch insgesamt in meinem Leben vielleicht vier Monate dort verbracht. Südkorea ist nicht meine Heimat, wenn auch mein kultureller Hintergrund. Letztendlich haben mich mehrere Aspekte völlig begeistert von der Idee: Neben einer tollen Uni mit einem großartigen Angebot an Kursen kann ich meine Sprachkenntnisse verbessern und das Land meiner Eltern intensiver kennen lernen. Ich hoffe sehr, dass es klappt. Und falls nicht, werde ich mich wohl über Erasmus+ auf einen nicht ganz so fernen Ort bewerben. Wünscht mir Glück!

Autor: Bo  |  Rubrik: studium  |  Dec 7, 2017
Autor: Bo
Rubrik: studium
Dec 7, 2017

Bachelor live

Wenn Gäste kommen

Wie geht ihr damit um, wenn Besuch kommt? Die Frage habe ich mir immer wieder gestellt, als ich an einem Workcamp in einem Vorort der südafrikanischen Millionenstadt Kapstadt teilgenommen habe. Wie würde die Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin, damit umgehen, wäre eine Gruppe südafrikanischer Jugendliche bei der lokalen Kirche zu Besuch?
In Südafrika jedenfalls war ich überwältigt von all der Gastfreundlichkeit. Während meines mehrstündigen Flugs konnte ich kaum glauben, dass dort am anderen Ende der Welt tatsächlich Menschen auf mich warteten, mich am Flughafen auf die Rückbank ihres Autos klettern lassen und mich zu meinem Zuhause für die nächsten drei Wochen fahren würden. Als alle Freiwilligen dort ankamen, wurde bereits gegrillt, unsere Gastgeber hatten Betten in das sonst leere Haus neben der Kirche geschoben und unsere sonst ebenso leere Küche mit ihren Kochutensilien gefüllt. Über die nächsten Wochen wurden wir unzählige Male zum Essen eingeladen. Während wir uns fragten, wie wir nach einer solchen Einladung höflich anbringen konnten, dass wir weder mit einem Auto noch den öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihnen kommen konnten, war für die Familien längst klar: Jemand von ihnen holt uns mit dem Auto ab.
Als wir vier Wochen später zurück zum Flughafen fuhren, sagten wir allen Liebgewonnenen, dass sie uns unbedingt besuchen müssen. Die südafrikanische Lehrerin und unsere Fahrerin lachte und sagte: „Dann müsst ihr aber für mich kochen, denn wenn ich ein Ticket nach Deutschland kaufe, habe ich sonst kein Geld mehr.“ Das war ein recht seltsamer Moment für uns.
Seltsam war es auch zuvor bei besagten Essenseinladungen, dass sich die gastgebende Familie nicht zu uns setzte. In Deutschland ist das Essen oft Nebensache, es geht um die Gespräche, um das Drumherum. Während meines Freiwilligendienstes in Spanien habe ich erlebt, dass das Essen dort einen ganz anderen Stellenwert hat und es viel mehr als kleine Feier betrachtet wurde. Auch in Südafrika schien das so, aber eher in dem Sinne, dass die Gastgeber meist nicht aßen, bevor die Gäste satt geworden waren. Umgekehrt mussten wir jeglichem Besuch, den wir in unserem kleinen Häuschen empfangen, den Teller mit Essen in die Hand drücken, statt zu fragen, ob sie etwas mitessen wollten – denn egal, wann sie das letzte Mal an dem Tag gegessen hatten, sie hätten die Frage aus lauter Gastfreundlichkeit sowieso verneint.

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Dec 6, 2017
Autor: Marie
Rubrik: studium
Dec 6, 2017

Bachelor live

Kosovo 3: Die Menschen

Die Menschen im Kosovo sind allesamt sehr lieb. Zumindest die, die ich erlebt habe. Natürlich bin ich als Tourist sofort zu entlarven und man will wissen, woher ich komme. Alle Taxifahrer kennen Leipzig: „RB Leipzig. Gute Fußball. Bundesliga!“ Sie sind dann enttäuscht ob meines Desinteresses für Fußball.

Gefühlt kann hier jeder Deutsch: Der Mann im Dönerladen, die Reinigungskraft auf der Busbahnhofstoilette, der Taxifahrer, der wohlhabende Familienvater auf dem Berg in den Albanischen Alpen. Denn im Krieg bekamen viele Kosovoalbaner Asyl in Deutschland und im deutschsprachigen Raum. Einige brachten dort ihre Kinder zur Welt. Dann mussten sie zurück, sie wurden abgeschoben. Der Verkäufer im Supermarkt erzählt mir, er hätte neun Jahre in Deutschland gelebt, aber dann musste er zurück. Seine Schwester lebt zwar noch in Deutschland, aber er bekommt kein Visum. Das ist doch verrückt! Ich kann einfach so in dieses Land reisen, nur mit meinem Reisepass, ohne einen dicken Dokumentenstapel. Und die Menschen dort dürfen nicht mehr in das Land zurück, in dem sie neun Jahre lang gelebt haben. Ich begreife ein bisschen mehr, was Krieg, Flucht und Abschiebung bedeuten.

Als ich zurückfliege und am Münchner Flughafen bei der Passkontrolle stehe, komme ich mir deshalb etwas komisch vor – für mich geht es so einfach …

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Dec 5, 2017
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Dec 5, 2017