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Bachelor live

Grüße aus Lissabon

Das Leben unter der prallen Sonne ist fantastisch! Seit Montag haben wir hier in Lissabon schönstes Wetter mit einem kühlenden Wind. Seit Anfang der Woche mache ich mit meiner Familie in der Hauptstadt Portugals Urlaub. Nach den tristen, grauen Frühlingswochen in Deutschland sind diese warmen Tage hier eine Wohltat. Der leichte Sonnenbrand auf meiner Nasenspitze prickelt fröhlich und das Wetter hier verführt mich zum Träumen.
Neben typischen Sehenswürdigkeiten wie dem Aussichtsaufzug und den Museen ist mir eine andere Sache aufgefallen: Obwohl wir uns in Europa befinden, ist die Armut überall deutlich zu erkennen. Wenn man mit der historischen 28er Tram durch die kleinen Gassen der Stadt fährt, scheint jedes fünfte Haus heruntergekommen und unbewohnbar zu sein. Nebst wunderschönen, mit bemalten Ziegeln verzierten Häusern stehen zugemauerte Bauten ohne Dach. Selbst direkt neben den Wahrzeichen der Stadt sieht man verfallende Gebäude.
Ein Einwohner erzählte uns, dass in der Hauptstadt Lissabon viele Studierte mit einem erfolgreichen Abschluss nicht mehr als circa 850 Euro im Monat verdienen. Es mag sein, dass die Lebenshaltungskosten hier niedriger sind als etwa in Deutschland. Aber dass selbst Ärzte, Lehrer und Juristen einen solch niedrigen Lohn haben, ist doch erschreckend. Und Lissabon hat wenigstens noch den Tourismus als wirtschaftliche Bereicherung – wie sieht es wohl erst in ländlicheren Gegenden Portugals aus? Dieser Urlaub hat mir gezeigt, welches Glück ich habe, in Deutschland zu leben. Ich kann auf eine gute Infrastruktur mit relativ stabilen Straßen und robusten Häusern zählen und eine hohe Lebensqualität genießen.
Besonders positiv ist mir dagegen – neben dem tollen Wetter und den schmackhaften Speisen – die Freundlichkeit der Portugiesen aufgefallen. Bei der kleinsten Frage nach dem Weg wurden uns intensive Beschreibungen zuteil. In dieser Woche wurden wir außerdem zehnmal darauf hingewiesen, dass wir auf Taschendiebe Acht geben sollten.
Insgesamt war es ein gelungener Urlaub und eine schöne Familienzeit, die mich von der verhassten Hausarbeit ablenkte. Die ist direkt nach dem Urlaub wieder dran!

Autor: Bo  |  Rubrik: studium  |  Apr 11, 2018
Autor: Bo
Rubrik: studium
Apr 11, 2018

Bachelor live

Über Asyl diskutieren

Seit meinem ersten Semester an der Uni gehe ich zusammen mit anderen Trainern im Namen der Schwarzkopf-Stiftung an Schulen in NRW und spreche mit Schulklassen über die Europäische Union und über Asylrecht. Das ist immer wieder spannend: In jeder Klasse agieren die Schüler anders miteinander, jedes Mal höre ich neue Meinungen. Wir versuchen, ihnen eine Chance zu geben, alles zu sagen, was in ihren Köpfen herumschwirrt. Vor einem Lehrer, der sie später benoten wird, möchten sie ihre Meinung vielleicht nicht so offen kundtun, aber uns sehen sie nie wieder. Wir schaffen einen sicheren Raum.
In meinem ersten Jahr an der Uni habe ich solche Kurse nur zum Thema Europäische Union gehalten, dieses Semester kam das Thema Asylrecht dazu. Einfach finde ich das noch nicht: Es gibt Schüler, die einen Bezug dazu haben, beispielsweise weil sie sich selbst in der Hausaufgabenbetreuung für geflüchtete Minderjährige engagieren. Andere haben sich noch keine Meinung zu dem Thema gebildet.
Außerdem ist es nicht einfach, zu verstehen, auf welcher Basis die politischen Entscheidungen getroffen werden: Genfer Flüchtlingskonvention, Grundgesetz, subsidiärer Schutz – all das sind wichtige Begriffe, um zum Beispiel die Diskussion rund um den Familiennachzug zu verstehen. Wenn wir am Ende des Kurses die Fragen der Schüler besprechen oder sie in verschiedene Rollen – vom Regierungschef der Slowakei bis zum Menschenrechtsaktivisten – schlüpfen lassen, können sie das Wissen meist bereits gut anwenden.
Auch ethische Aspekte sind heikel. Es geht um die Frage, ob jemand ein neues Leben an einem anderen Ort beginnen darf. Es geht um Menschen, die im Mittelmeer ertrinken. Und es geht um Grenzen und Gesetze, die manchmal willkürlich erscheinen. Ich fühle mich da oft sehr privilegiert – schließlich habe ich nichts dafür getan, in einem Land geboren worden zu sein, das sicher ist, das mir Perspektiven für meine Zukunft eröffnet und aus dem ich niemals fliehen musste. Und doch sitzen wir ganz entspannt in dem so sicheren Umfeld einer Schule und diskutieren zwischen der Frühstückspause und dem Schulgong über Fragen, die für andere Menschen unglaublich viel bedeuten.

Bachelor live

Bye-bye Heidelberg!

Als ich gestern mit zwei großen Koffern und einer prall gefüllten Ikea-Tüte am Heidelberger Hauptbahnhof stand, wurde mir klar, dass der Tag des Abschieds gekommen war. Ich hatte bereits alle Bücher abgegeben, die Wohnungsschlüssel überreicht und mein in drei Jahren angesammeltes Hab und Gut eingepackt. Ich war bereit, Heidelberg fürs Erste den Rücken zuzukehren.
Jetzt sind alle meine Klamotten, Schuhe, Dokumente und sonstiger Kram in Essen und warten darauf, irgendwann wieder in Regalen verstaut zu werden. Ich werde bis Januar nächsten Jahres keinen festen Wohnsitz haben. Im April und Mai wohne ich in Berlin als Zwischenmieterin in zwei unterschiedlichen WGs und für den Zeitraum Juni bis August habe ich ein Zimmer in einem Wohnheim in Frankfurt gefunden. Da ich ab September im Ausland sein werde, kann ich offiziell sagen: Bye-bye Heidelberg! Ab jetzt werde ich hier nur noch zu Besuch sein.
Momentan habe ich aber noch nicht realisiert, dass ich die Heidelberger Universität bis Januar nicht mehr besuchen muss. Es fühlt sich alles etwas surreal an und ist einfach noch zu frisch. Traurig oder wehmütig macht mich der Abschied auf jeden Fall nicht, dafür freue ich mich viel zu sehr auf alles Kommende. Praktika, andere Städte und dann sogar andere Kulturen … das alles ist einfach zu gut, um wahr zu sein! Der ganze Frust und Stress meiner ersten drei Semester hat sich letztendlich doch gelohnt.
Jetzt geht es erst mal zum Familienurlaub nach Lissabon – und danach bin ich gespannt auf diesen neuen Abschnitt meines Lebens!

Autor: Bo  |  Rubrik: studium  |  Apr 5, 2018
Autor: Bo
Rubrik: studium
Apr 5, 2018