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Schüler als Firmenchefs

Personen bei einer Besprechung eines Businessplans
Durch Schülerfirmen eignen sich Schüler organisatorische Fähigkeiten an, lernen im Team zu arbeiten und bekommen einen Einblick in die Geschäftswelt.
Foto: Heidrun Hönninger

Interview Bundes-Schülerfirmen-Contest

Schüler als Firmenchefs

Jennifer Gruhn ist Projektmanagerin beim Bundes-Schülerfirmen-Contest. Im Gespräch mit abi» zeigt sie Gründe auf, warum sich ein Engagement in einer Schülerfirma lohnt und erklärt, wie der Bundes-Schülerfirmen-Contest abläuft und wo sich Interessierte informieren können.

abi>> Frau Gruhn, was ist überhaupt eine Schülerfirma?

Jennifer Gruhn: Eine Schülerfirma funktioniert wie andere Firmen. Sie wird jedoch – wie der Name schon sagt – von Schülern gegründet und von ihnen mit allen Rechten und Pflichten geleitet.

abi>> Das erinnert an ein Planspiel. Wo liegt der Unterschied?

Jennifer Gruhn: Eine Schülerfirma darf und soll Umsatz machen. Bei einem Planspiel hingegen werden Geschäftsvorgänge nur simuliert. Schülerfirmen nehmen aktiv am Geschäftsleben teil, indem sie Produkte – zum Beispiel Taschen, Marmeladen oder Dekorationsartikel – herstellen oder auch Dienstleistungen wie Stadtführungen, Beratungen oder Einkauf von Lebensmitteln anbieten und dadurch Geld verdienen.

abi>> Woher kommen die Geschäftsideen für Schülerfirmen?

Ein Porträt-Foto von Jennifer Gruhn

Jennifer Gruhn

Foto: Ulrich Schuster

Jennifer Gruhn: Häufig geben die Schüler den Anstoß. Bei der Osnabrücker Schülerfirma „Bienen in der Wüste“ wurde beispielsweise im Unterricht das Thema Bienensterben diskutiert. Die Schüler wollten selbst aktiv werden und haben eine Schulimkerei ins Leben gerufen. In der Realschule Schwabach, um ein weiteres Beispiel zu nennen, gab es bereits länger eine Theater-AG, so dass im Rahmen einer Schülerfirma ein Kostümverleih ins Leben gerufen wurde.

abi>> Und wie geht es von der Idee aus weiter?

Jennifer Gruhn: Haben sich betreuende Lehrer gefunden, muss der Schulleiter sein Einverständnis geben. Danach werden die Organisationsform der Firma ausgewählt, die Struktur festgelegt und Geschäftsführer ernannt.

abi>> Das klingt kompliziert. Aus welchen Abteilungen sollte eine Schülerfirma denn mindestens bestehen?

Jennifer Gruhn: Bestenfalls aus den Bereichen Produktion, Verkauf, Kommunikation und Marketing, Einkauf, Geschäftsführung und Buchhaltung.

abi>> Das hört sich nach viel Arbeit an. Wie viel Zeit müssen interessierte Schüler einplanen?

Jennifer Gruhn: Das variiert von Firma zu Firma und hängt auch davon ab, wie viele Schüler mitmachen. Wenn sich zwei oder mehrere Schüler um einen Geschäftsbereich kümmern, ist es für den Einzelnen weniger Aufwand. Die meisten Schüler treffen sich mindestens einmal pro Woche – gibt es viel zu tun, auch öfter.

abi>> Welche Vorteile haben Schüler, die sich in einer Schülerfirma engagieren?

Jennifer Gruhn: Sehr viele. Die Schüler eignen sich organisatorische Fähigkeiten an, lernen im Team zu arbeiten und bekommen einen Einblick in das reale Geschäftsleben. Zudem ist es eine tolle Gelegenheit, um sich auszuprobieren und die eigenen Stärken kennenzulernen, was im Hinblick auf die spätere Berufswahl ein großer Gewinn ist. Auch für den Lebenslauf ist es sicherlich ein Pluspunkt, in einer Schülerfirma engagiert zu sein.

abi>> Sie sind Projektmanagerin beim Bundes-Schülerformen-Contest. An wen richtet sich der Wettbewerb?

Jennifer Gruhn: Der Wettbewerb richtet sich bundesweit an alle Schülerfirmen unabhängig von der Schulart. Der Contest findet seit 2010 jedes Jahr statt und ist kostenlos.

abi>> Wie läuft der Wettbewerb konkret ab und wo kann ich mich informieren?

Jennifer Gruhn: Jede Schülerfirma präsentiert sich mit ihrem eigenen Profil auf der Webseite www.bundes-schuelerfirmen-contest.de. Dort gibt es auch weiterführende Informationen. Zwischen Januar und Ende Juli kann für jede teilnehmende Firma per Internetabstimmung gevotet werden. Aus den Top 20 mit den meisten Stimmen wählt eine Jury, bestehend aus Sponsoren und Vorjahresgewinnern, zehn Preisträger aus, die im Herbst zur Preisverleihung nach Berlin eingeladen werden. Den Gewinnern winken Preisgelder zwischen 500 und 2.000 Euro.

abi>> Nach welchen Kriterien trifft die Jury ihre Entscheidung?

Jennifer Gruhn: Die Jury beurteilt, wie überzeugend und ausführlich die Präsentation der Schülerfirma, wie innovativ und kreativ die Geschäftsidee ist und wie professionell die Schüler ihre Firma betreiben, also beispielsweise, ob es einen Finanzplan gibt und ob die Firma mit externen Partnern kooperiert. Diese Kriterien werden unter Berücksichtigung des Alters der Schüler und der Schulform herangezogen.

abi>> 11.08.2016